Forschungsschwerpunkt "Psychobiologie des Stresses"

Der Forschungsschwerpunkt ,Psychobiologie des Stresses' ist ein Zusammenschluss von Forscherinnen und Forschern des Faches Psychologie und des Forschungsinstituts für Psychobiologie. Der Schwerpunkt wird aus Mitteln der Forschungsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz gefördert. Weitere Informationen finden Sie auf der ► Homepage des Forschungsschwerpunktes

Aktuelle Projekte

Kids und Stress - Stressmanagement bei Grundschulkindern
(Ansprechpartnerin: Bernadette von Dawans)

Alle Kinder erleben Stress in ihrem Alltag. Manchmal empfinden Kinder diesen Stress als belastend, sie fühlen sich unter Druck, können vielleicht schlecht schlafen oder entwickeln andere Symptome. Manchmal kann das auch dazu führen, dass Kinder in der Schule nicht mehr ihre Leistungen entsprechend ihres Niveaus erbringen können. Für Erwachsene gibt es bereits eine Reihe von Faktoren, die sich als bedeutsam für den Umgang mit Stress erwiesen haben. Wir möchten anhand dieser Studie herausfinden, ob diese Faktoren auch für Kinder zutreffen. Die Beantwortung dieser Fragestellung kann erhebliche Auswirkungen auf die Hilfestellungen haben, die Kindern mit hohen Stressniveaus in Zukunft angeboten werden. In diesem Projekt können Kinder der 3. und 4. Klasse in einer Gruppe lernen mit Alltags- und Schulstress besser umzugehen. [► Weitere Informationen für Interessierte]

 

Effekte von Cortisol auf das Sozialverhalten von Männern
(Ansprechpartnerin: Julia Strojny)

Obwohl es viele Studien zu verschiedenen situativen und qualitativ unterschiedlichen Aspekten von Stressoren gibt, sind die zugrundeliegenden biologischen Mechanismen noch nicht vollends geklärt. Dies gilt insbesondere für das Stresshormon Cortisol. In dieser aktuellen Studie soll eine pharmakologische Strategie zur Erhöhung von Cortisol-Spiegel zur Klärung dieser Fragen beitragen, da so für eine weite Spanne an situativen Einflüssen kontrolliert werden kann, welche üblicherweise die psychosozialen Stress-Tests (z.B. wie den TSST) begleiten. Zur Untersuchung von Sozialverhalten kommen Paradigmen der Verhaltensökonomie zur Messung von Vertrauen, Vertrauenswürdigkeit, Teilen, Bestrafung und Risiko (von Dawans et al., 2012) zum Einsatz.

 

Effekte von akutem psychosozialem Stress auf sozial-kognitive Funktionen
(Ansprechpartner: Gregor Domes)

Psychosozialer Stress steht in Zusammenhang mit einer Vielzahl von stressassoziierten Erkrankungen und führt auf der Verhaltensebene zu spezifischen Reaktionstypen. Neben der klassischen von Cannon postulierten „fight-or-flight“ – Reaktion gewinnt in den letzten Jahren auch das Konzept des „Tend-and-befriend“ – Verhaltens nach Taylor an Bedeutung im Kontext der Stressforschung. Somit sollen die Effekte akuten psychosozialen Stresses auf sozial-kognitive Korrelate der beiden Reaktionstendenzen (z.B. soziale Aufmerksamkeit und Emotionserkennung) und die vermittelnde Rolle psychobiologischer Mechanismen untersucht werden.

  • Domes, G. & Zimmer, P. (2019). Acute stress enhances the sensitivity for facial emotions: a signal detection approach. Stress: The International Journal on the Biology of Stress, epub ahaed of print. doi:  10.1080/10253890.2019.1593366

 

Psychobiologische Validierung eines psychosozialen Stressors in einer virtuellen Umgebung
(In Kooperation mit der Abteilung für Sozialpsychologie, Prof. Walther; Ansprechpartner: Patrick Zimmer)

Im Bereich der experimentellen Stressforschung im Labor ist es unabdingbar, über standardisierte Stressinduktionsmethoden zu verfügen, welche zuverlässig bei den Probanden auf kognitiver, emotionaler, physiologischer und behavioraler Ebene Stress erzeugen können. Zur Optimierung von Standardisierung und Ökonomie, soll eine gut untersuchte Methode zur experimentellen Stressmanipulation („Trier Social Stress Test“; Kirschbaum et al. 1992) in ein virtuelles Umfeld überführt und bezüglich ihrer Wirksamkeit evaluiert werden. Betrachtet wird neben subjektiven Parametern vor allem, wie sich die Virtual-Reality-Stressinduktion auf subjektive, endokrine und psychophysiologische Marker der psychobiologischen Stressreaktion auswirkt.

  • Zimmer, P., Buttlar, B., Halbeisen, G., Walther, E., & Domes, G. (2018). Virtually Stressed? A refined virtual reality adaptation of the Trier Social Stress Test (TSST) induces robust endocrine responses. Psychoneuroendocrinology, 101, 186-192, doi:10.1016/j.psyneuen.2018.11.010.

 

Soziale Angst und Blickkontakt – Effekte sozialer Bedrohung bei sozialer Phobie und Autismus
(in Kooperation mit der Universität Freiburg, Prof. Heinrichs; Ansprechpartnerin: Antonia Vehlen)

Die Augenregion ist eine wesentliche Quelle sozialer Information. Die Augen eines Gesprächspartners kodieren u.a. dessen affektiven und mentalen Zustand. Adäquater Blickkontakt scheint ein Indikator für intakte soziale Fertigkeiten zu sein, während inadäquater Blickkontakt ein gemeinsames Merkmal von Störungen der sozialen Interaktion ist, wie z.B. soziale Phobie und Autismus-Spektrum-Störungen. In Abhängigkeit von der wahrgenommenen sozial-evaluativen Bedrohung lässt die aktuelle Studienlage ein unterschiedliches Blickkontaktverhalten in den beiden klinischen Gruppen erwarten. Mithilfe zweier zeitlich synchronisierter Eye-Tracker werden die Blickbewegungen zweier Gesprächspartner in einem naturalistischen, alltagsnahen Setting bei unterschiedlicher sozialer Bedrohung quantitativ gemessen, sowie psychophysiologische Indikatoren emotionaler Reaktionen (EDR, HRV, Mimik) erhoben. Die so erstmals mögliche Beschreibung der Dynamik dyadischen Augenkontakts zielt auf ein besseres Verständnis non-verbaler Interaktionsdefizite bei sozialen Angststörungen und Autismus-Spektrum-Störungen ab, verspricht Rückschlüsse auf störungsspezifische Pathogenese und könnte Hinweise zur differentiellen Diagnostik liefern.

 

Neural correlates of overvaluation of shape and weight in binge eating disorder
(in Kooperation mit der Universität Tübingen, Prof. Svaldi) (Ansprechpartner: Gregor Domes)

The undue influence of shape and weight on self-evaluation and the corresponding body dissatisfaction are a core feature of binge eating disorder (BED) and a predictor of poor treatment outcome. Empirical evidence suggests that schema-driven processes seem to maintain overvaluation of shape and weight in BED. However, the underlying functional neuroanatomy of overvaluation of shape and weight and the corresponding body dissatisfaction in BED is yet to be understood. In fact, no study directly tested whether overvaluation of shape and weight in BED is based on dysfunctional body-image-processing brain circuits. The characterization of these neural underpinnings might help to broaden our understanding of the etiology of BED, and in terms of a biomarker might further help to improve the diagnostic differentiation between disorders of the same cluster or between subgroups within the same disorder.

 

Fronto-limbic structural abnormalities in borderline personality disorder patients
(Ansprechpartnerin: Carolyn Wu)

Borderline personality disorder (BPD) is a severe mental disorder that is characterized by emotional dysregulation and impulsivity. Recent neuroimaging findings have helped to improve understanding of the neurobiology underlying BPD, with structural and functional abnormalities identified in a fronto-limbic network. However, evidence for structural alterations in emotional processing regions is inconsistent, and may be due to the heterogeneity of BPD. BPD is commonly accompanied by other disorders and it is yet to be clarified whether particular findings are specific to BPD or are related to comorbid disorders. Due to the high prevalence of co-occuring disorders, excluding those with comorbidity would result samples that are non-representative of the population. One alternative approach that has potential to offer more insight into what is specific to BPD, is to include other clinical groups as controls. Therefore, in a multicenter study, structural brain images from BPD patients, patients with cluster-C personality disorder as a clinical control group, and non-clinical controls will be examined in order to gain insight into the specifics of volumetric abnormalities and cortical thinning patterns. A more detailed understanding of the specifics of BPD will be valuable for improving treatment of this complex disorder.

 

Effekte von Zucker und künstlichen Süßstoffen auf die Stressreagibilität
(Ansprechpartner: Gregor Domes)

Im Tiermodell konnte gezeigt werden, dass längeres Fasten mit einer Verringerung der Cortisol-Ausschüttung als Reaktion auf einen Stressor einhergeht. Ersten Studien bei Menschen konnten zeigen, dass die Gabe einer größeren Menge Glukose nach einer Fastenperiode die Cortisolreaktion auf einen psychosozialen Stressor wiederherstellt. In einer Folgestudie fanden die Forscher diesen Effekt spezifisch nur für Glukose, nicht allerdings für andere potentielle Energielieferanten wie Fett oder Proteine.

Dieses Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, die Vorläuferbefunde an einer größeren Stichprobe zu replizieren und ihre Generalisierbarkeit auf verschiedene Arten von Stressoren (sozial-evaluativ & physiologisch) zu untersuchen. Im Sinne einer Erweiterung der Forschungsergebnisse der Forschergruppe soll der Effekt der Applikation von künstlichen Süßstoffen, wie sie immer häufiger in der Nahrungsmittelproduktion zur Anwendung kommen, auf die Stressreaktion überprüft werden.

Bei Interesse an der Teilnahme als Proband folgen Sie bitte diesem Link zu unserem Online-Fragebogen: ww2.unipark.de/uc/Glucose/Screen/

 

Stress und Alkoholkonsum bei Jugendlichen
(Ansprechpartner: Reinhold Läßle)

Alkoholmissbrauch bei männlichen Jugendlichen ist ein weit verbreitetes Problem. Die geplante Untersuchung geht von einem psychobiologisch fundierten Modell der Störung aus. 2 Hauptfragestellungen sollen untersucht werden.

(I) Wie sind männliche Jugendliche mit Alkoholmissbrauch bezüglich stressbezogener Faktoren charakterisiert? Dazu soll eine kontrollierte Querschnittsstudie durchgeführt werden, bei der Jugendliche mit Alkoholmissbrauch sowohl auf psychologischer als auch auf biologischer Ebene mit einer gesunden Kontrollgruppe verglichen werden. Auf psychologischer Ebene werden aktuelle und chronische Stressoren erfasst sowie die Strategien zur Stressverarbeitung. Auf biologischer Ebene wird die Funktion der Hypothalamus Hypophysen Nebennierenrindenachse anhand des Indikators Cortisol sowohl unter Stimulusbedingungen (akuter Stress) als auch basal (Aufwachreaktion) überprüft.

(II) Welche stressbezogenen Faktoren tragen am meisten zur Aufrechterhaltung des Alkoholmissbrauchs bei? Dazu soll eine Längsschnittstudie durchgeführt werden, bei der die Gruppe mit Alkoholmissbrauch und die Kontrollgruppe 6 Monate nach der Erstuntersuchung ein zweites Mal bezüglich der alkoholbezogenen Symptome  und der stressbezogenen biologischen und psychologischen Variablen diagnostiziert werden. Die zum ersten Messzeitpunkt erhobenen Faktoren werden dann als Prädiktoren für den Verlauf des Alkoholmissbrauchs eingesetzt und ihre Gewichtung überprüft.

Die Ergebnisse der Studie können entscheidende Hinweise für die Gestaltung von stressbezogenen Bausteinen in Präventions- und Therapieprogrammen für alkoholabhängige Jugendliche oder Jugendliche mit Alkoholmissbrauch geben.

 

Identifying neural predictors of the acute stress response 
(Ansprechpartnerin: Carolyn Wu)

Short-term laboratory stressors such as the Trier Social Stress Test (TSST) are implemented in order to investigate the acute stress response under experimentally controlled conditions. Studies typically report that approx. 20 – 30 % of participants do not show a substantial physiological stress response as measured by cortisol. Intriguingly, a lack of response does not appear to be simply coupled with a lack of subjective stress appraisal. Although exploring the influence of factors such as age, gender, and personality traits has provided some insight into variation of response, stress response variability, to date, cannot yet be successfully explained. This project aims to explore whether neural substrates, as measured by EEG, MRI, and fMRI can improve predictor models of the acute stress response in healthy individuals. The current investigation examines whether task-independent neural markers in neural networks associated with socio-emotional processing and regulation are indicative of the physiological response to stress. This work will be extended in the future to incorporate neural reactivity to tasks known to be associated with the stress networks, such as threat sensitivity and emotional regulation, in order to provide a more comprehensive evaluation of the neural signatures of responses to acute psychosocial stressors.