FinTech Markt boomt 

23.11.2016

In Deutschland haben Start-ups in der Finanzbranche eine rasante Entwicklung genommen - und sie werden weiter boomen. 2,2 Milliarden Euro betrug das Gesamtmarktvolumen der in Deutschland tätigen Finanztechnologie-Unternehmen (FinTech) im vergangenen Jahr alleine in den Segmenten Finanzierung und Vermögensmanagement. Innerhalb von 20 Jahren könnte das Marktvolumen der gesamten deutschen FinTech-Branche auf 148 Milliarden Euro wachsen. Zu dieser Prognose kommen Prof. Dr. Gregor Dorfleitner von der Universität Regensburg und Jun.-Prof. Dr. Lars Hornuf von der Universität Trier in einer Studie im Auftrag des Bundesfinanzministeriums. Die Ergebnisse werden heute in Berlin bei der "hub conference" vor mehr als 2600 Teilnehmern vorgestellt.

Für die etablierte Finanzbranche sind die jungen Unternehmen, die für bessere Sparkonditionen, unkomplizierten Zahlungsverkehr und moderne Technologien stehen, eine ernst zu nehmende Konkurrenz. Das etablierte Finanzsystem bringen sie zwar noch nicht ins Wanken, dafür ist der Anteil im Vergleich zur herkömmlichen Finanzwirtschaft zu gering. "Sollte das dynamische Wachstum der FinTech-Branche weiter anhalten und das sehr große Wachstumspotenzial ausgeschöpft werden, könnten sich jedoch systemische Risiken entwickeln", folgern die Forscher aus den Ergebnissen und Prognosen ihrer Studie. Sie gehen von einem enormen Marktpotenzial für FinTechs aus, das sie für die Segmente Finanzierung und Vermögensmanagement auf aktuell 1,7 Billionen Euro schätzen. Diese Gefahr sieht offensichtlich auch die klassische Finanzwelt. 87 Prozent der in der Studie befragten Banken kooperieren bereits mit einem FinTech-Unternehmen und streben auch zukünftig eine Beteiligung oder Kooperation an.

Mit 346 aktiven Start-Up-Unternehmen ist der FinTech-Markt in Deutschland im europäischen Vergleich hinter Großbritannien der zweitgrößte und hat zuletzt um etwa 150 Prozent jährlich zugelegt. Allerdings ist die weitere Entwicklung des schnelllebigen und dynamischen Bereichs mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Daher beschreibt die Studie nicht nur die vergangenen und aktuellen Trends in der Branche, sondern benennt auch künftige Wachstumsimpulse und Hindernisse.

In der Untersuchung haben Prof. Dr. Gregor Dorfleitner und Jun.-Prof. Dr. Lars Hornuf Daten zu den Marktvolumina deutscher FinTech-Unternehmen für den Zeitraum von 2007 bis 2015 erhoben und eine Prognose für die Marktentwicklung in acht FinTech-Teilsegmenten bis zum Jahr 2035 prognostiziert. Die Studie ist online abrufbar: www.fintech-deutschland.de

 

 

4. Crowdinvesting Symposium „Financial Decision Making and the Internet” 

05.11.2016

Am 4. November 2016 fand im Münchner Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb das vierte Crowdinvesting Symposium statt. Der Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung lautete "Financial Decision Making and the Internet". Rund 70 Teilnehmer diskutierten über die aktuelle Forschung im Bereich FinTech, Crowdfunding, Crowdinvesting, Crowdlending und Social Trading. Im Rahmen von 16 Paper- und acht Slam-Präsentationen stellten Ökonomen und Juristen ihre Forschungsergebnisse vor.

Der diesjährige Keynote-Speaker, Prof. Ethan Mollick von der Wharton School (University of Pennsylvania), präsentierte seine aktuelle Forschung und wies darauf hin, dass Crowdfunding längst kein Nischenphenomen mehr sei, sondern zu einer Start-up-Finanzierung heute genauso dazu gehöre wie Venture Capital oder ein Bankkredit. Das anschließende Podium mit dem Keynote-Speaker, Daniel Halmer vom Berliner FinTech raisin, Lars Hornuf von der Universität Trier und vom Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb sowie Florian Prucker vom Münchner FinTech Scalable Capital, diskutierte unter der Moderation von Andrea Rexer, Leiterin des Ressorts Finanzen bei der Süddeutschen Zeitung, die aktuelle Entwicklung im Bereich FinTech. Eine wesentliche Erkenntnis aus der Diskussion: FinTechs stehen einer Marktregulierung, insbesondere wenn diese Rechtsunsicherheiten verringert, offen gegenüber. Zudem wurde erörtert, welche Rolle der Mensch und Algorithmen zukunftig in den unterschiedlichen Finanzmärkten spielen werden.

Das Crowdinvesting Symposium ist eine jährliche Veranstaltung, die in 2013 von Jun.-Prof. Lars Hornuf, Universität Trier, und Prof. Lars Klöhn, Humboldt-Universität Berlin, initiiert wurde. Das Symposium bietet Akademikern und Praktikern eine Plattform, um sich über die neuesten Entwicklungen im Bereich Crowdinvesting auszutauschen und sich untereinander zu vernetzen. Darüber hinaus ist es ein Forum, das den europäischen und die nationalen Gesetzgeber bei zukünftigen Gesetzesvorhaben und Gesetzesreformvorhaben auf wissenschaftlicher Basis informiert. Die diesjährige Konferenz ist Teil des durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojekts "Crowdinvesting in Deutschland, England und den USA: Regulierungsperspektiven und Wohlfahrtseffekte einer neuen Finanzierungsform".

 

Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesministerium der Finanzen: Pra­xi­ser­fah­run­gen mit den durch das Klein­an­le­ger­schutz­ge­setz vom 3.7.2015 ein­ge­führ­ten Be­frei­ungs­vor­schrif­ten in § 2a bis § 2c Ver­mö­gens­an­la­gen­ge­setz

24.06.2016

Welche Erfahrungen haben Crowdinvesting-Portale, Emittenten und Investoren mit den im Juli 2015 eingeführten Befreiungsvorschriften des Kleinanlegerschutzgesetzes gemacht? Das erforschen Dr. Christa Hainz (ifo Institut), Jun.-Prof. Dr. Lars Hornuf (Universität Trier) und Prof. Dr. Lars Klöhn (HU Berlin) gemeinsam in einem Projekt. Im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen werden die beiden Wirtschaftswissenschaftler und der Jurist eine empirische Erhebung durchführen, um die bisherigen Erfahrungen mit dem Kleinanlegerschutzgesetz zu eruieren. Dafür nutzen sie vorhandene Datenbanken, erarbeiten Fragebögen und führen strukturierte Interviews mit den betroffenen Interessengruppen und weiteren Experten durch.

Bei der Regulierung von Start-up-Unternehmen kommt es häufig zu einem Zielkonflikt. Einerseits möchte der Gesetzgeber Investoren vor betrügerischen Machenschaften am Kapitalmarkt schützen. Dafür müssen die Emittenten potentiellen Investoren Informationen zur Verfügung stellen und unterliegen einer weitreichenden Regulierung. Die Bereitstellung von Informationen sowie die Befolgung der einschlägigen Gesetze ist jedoch gerade für junge Unternehmen mit hohen Kosten verbunden. Andererseits sind dem Gesetzgeber die Finanzierungsschwierigkeiten der jungen Unternehmen bekannt. Aus diesem Grund hat er Befreiungsvorschriften geschaffen, die auf die besonderen Bedürfnisse der Start-up-Unternehmen abzielen.

In der Studie soll untersucht werden, ob Schwarmfinanzierungen mit oder ohne Wertpapierprospekt durchgeführt werden, inwiefern es bereits zu Ausfällen bei den Finanzierungen kam, welche Produktarten genutzt werden, welche Anlegerstruktur existiert und wie die Portale auf die neuen Ausnahmetatbestände reagieren. Dabei werden neben der klassischen Schwarmfinanzierung von Unternehmen auch soziale und gemeinnützige Projekte unter die Lupe genommen. Das Forschungsprojekt „Praxiserfahrungen mit den durch das Kleinanlegerschutzgesetz vom 3.7.2015 eingeführten Befreiungsvorschriften in § 2a bis § 2c Vermögensanlagengesetz“ wird bis zum Oktober 2016 abgeschlossen.

 

Forschungsprojekt im Auftrag des Bundesministerium der Finanzen: "Fintech"- Markt in Deutschland

10.02.2016 

Gemeinsam mit Prof. Dr. Gregor Dorfleitner (Universität Regensburg) konnte Jun. Prof. Dr. Lars Hornuf (IAAEU und Fach Volkswirtschaftslehre der Universität Trier) ein Drittmittelprojekt zum Thema „FinTech – Markt in Deutschland“ einwerben. Auftraggeber ist das Bundesministerium der Finanzen. Das Projekt beginnt im Januar 2016 und wird bis zum Sommer 2016 abgeschlossen. Ziel des Forschungsprojekts ist es, den Begriff „FinTech“ in Anlehnung an die internationale Fachliteratur und vor dem Hintergrund der realen Marktgegebenheiten in Deutschland zu definieren. Ein weiterer Projektbestandteil besteht in der Identifizierung der relevanten FinTech Unternehmen und Plattformen in Deutschland. 

Ergänzend werden die FinTech Aktivitäten der führenden deutschen Finanzinstitutionen untersucht. Aufbauend auf der zu definierenden Grundgesamtheit sollen die relevanten Marktgrößen und Volumina erhoben und ausgewertet werden. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf den Marktsegmenten Crowdfunding, Crowdinvesting, Crowdlending, Robo Advice, Personal Financial Management und Social Trading liegen. Schließlich sollen auch technologische Rückstände und regulatorische Hemmnisse identifiziert werden, die den FinTech Markt von seiner weiteren Entwicklung abhalten könnten. Schlussendlich wird eine Marktprognose für die nächsten 5, 10 und 20 Jahre erstellt.

 

Forschung zum Thema Betrugsverhalten in Organisationen

01.10.2015

Erst kürzlich wurde in der Presse bekanntgegeben, dass der Volkswagen-Konzern mit einer "Schummel-Software" im Testbetrieb die Stickoxid-Werte der eigenen Fahrzeuge herunterfährt, um damit Prüfinstitutionen wie den International Council on Clean Transportation hinters Licht zu führen. Betrugsverhalten ist jedoch nicht nur auf die Automobilbranche beschränkt, sondern vielmehr allgegenwärtig. Auch über Mitarbeiter zahlreicher internationaler Banken wurde berichtet, dass diese sich in der Vergangenheit über Referenz-Zinssätze wie den LIBOR und EURIBOR absprachen, um daraus illegal Profit zu schlagen.

In einer experimentellen Studie, die am Institut für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Union (IAAEU) in Kooperation mit dem Center for Leadership and People Management (CLPM) an der LMU München entstanden ist, haben die beiden Wissenschaftler Susanne Braun und Lars Hornuf untersucht, inwiefern authentische Führung durch Vorgesetzte dazu beiträgt, dass Mitarbeiter ehrlicher handeln. 

Die Ergebnisse sind informativ, jedoch auch ernüchternd. Obwohl die Studienteilnehmer eine authentische Führungskraft als solche wahrnahmen, zeigten die Probanden ein geringes, aber persistentes Betrugsverhalten. Andere Faktoren wie das offensichtliche Betrugsverhalten anderer Studienteilnehmer oder wenn Probanden selbst durch andere Studienteilnehmer betrogen wurden, hatten ebenfalls keinen Effekt auf das eigene Schummeln. Im Ergebnis zeigt sich, dass Betrug durch Mitarbeiter persistent ist und möglicherweise nur durch langfristige Maßnahmen effektiv bekämpft werden kann. Die Studienergebnisse sind im IAAEU Discussion Paper 10/2015 nachzulesen. 

 

3. Crowdinvesting Symposium

21.10.2015

Die Crowdinvesting Symposia wurden von den Wissenschaftlern Prof. Dr. Lars Klöhn (LMU München) und Jun. Prof. Dr. Lars Hornuf (Universität Trier) ins Leben gerufen und erstmals im Februar 2013 veranstaltet. Sie bieten Praktikern und Akademikern eine Plattform, auf der sie sich über die neuesten Entwicklungen im Bereich Crowdinvesting austauschen sowie untereinander vernetzen können. Darüber hinaus wurde ein Forum geschaffen, welches die nationalen und den europäischen Gesetzgeber bei zukünftigen Gesetzesvorhaben und Gesetzesreformvorhaben auf wissenschaftlicher Basis informiert. Dafür wird jährlich ein Schwerpunkt definiert, der aus wirtschaftswissenschaftlicher und juristischer Perspektive aktuelle Fragen des Crowdinvesting untersucht.

Auf dem Programm steht in diesem Jahr wieder eine wissenschaftliche Tagung, Vorträge und eine Keynote Lecture, welche von Professor Steve Bradford (Earl Dunlap Distinguished Professor of Law at the University of Nebraska-Lincoln) gehalten wird. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutieren Ronald Prätsch (Serial-Investor), Jens-Uwe Sauer (Geschäftsführer Seedmatch und Mezzany), Dr. Joachim Schwerin (GD Unternehmen und Industrie, Europäische Kommission), sowie Heinrich Staudinger (Geschäftsführer GEA) über die Auswirkungen des Kleinanlegerschutzgesetzes und die momentanen Entwicklungen auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.crowdinvesting-symposium.de.