Lehrangebot im Wintersemester 2020/21


Bilder aus der Neuen Welt: 'Amerika' in den Kupferstichen Theodor de Brys

B.A.Seminar

Prof. Dr. Ulrike Gehring

Donnerstag, 10–12 Uhr

DIGITAL

Beginn: 05.11.2020

Veranstaltungsnummer: 13702388

Obwohl er die Neue Welt niemals betrat, prägte der Kupferstecher und Verleger Theodor de Bry (1528–1598) europäische Vorstellungen von Amerika wie kaum ein anderer: Unter seiner Ägide entstanden publikumswirksame Bilder, welche die Neue Welt als Ort des Schreckens und der Wunder vor Augen führte. Er inszenierte über die Lebensgewohnheiten, aber auch vermeintlichen Grausamkeiten der indigenen Amerikaner kolonialistische Stereotype des Fremden, scheinbar Unzivilisierten, die sich bis heute teils schwer ausräumen lassen.

Zwischen 1590 und 1634 verlegten de Bry und seine Erben mit America eine monumentale, 13 Bände umfassende Sammlung von Reiseberichten in die Neue Welt, deren bahnbrechender Erfolg und deren anhaltende Popularität sich vor allem den hunderten von hochwertigen Illustrationen verdankte. Erstmals hatte de Bry dafür in Frankfurt am Main, dem damaligen Zentrum des Buchwesens, die Technik des Kupferstichs in den Buchdruck integriert. Diese ebenso komplexe wie folgenreiche Kombination aus inhaltlicher, künstlerischer, technischer und unternehmerischer Innovation ist aufgrund ihres Facettenreichtums lohnender Gegenstand für eingehende Betrachtungen und kritische Diskussionen.

Ziel des Seminares ist, einen differenzierten Einblick in Theodor de Brys America-Projekt im frühneuzeitlichen Kontext zu erhalten. Hierzu bedarf es zunächst eines systematischen Überblicks über die verschiedenen Ausgaben, ihre technische Umsetzung und Gestaltung sowie ihre komplexe Editionsgeschichte. Auf dieser Grundlage sollen wenige relevante Bände und Bilder der Sammlung eingehender diskutiert werden. Dabei geht es insbesondere darum, wie Bild und Text aufeinander abgestimmt sind, welche Wirkung unterschiedlich kolorierte Illustrationen entfalten und wie de Bry im Rückgriff auf Bilder von Augenzeugen oder durch eigene Erfindungsgabe ‚Fiktionen‘ der Neuen Welt und ihrer Einwohner konstruierte. Zu fragen ist ferner, welche Bedeutung den verschiedensprachigen Ausgaben im Zuge der Konfessionalisierung zukommen; abhängig von der Übersetzung waren diese an ein protestantisches und katholisches Publikum adressiert. Nicht zuletzt wollen wir der Rezeption von Theodor de Brys Werk und der Weiterentwicklung europäischer Amerika-Bilder nachspüren, denen zum abschließenden Vergleich indigene und postkoloniale Perspektiven gegenübergestellt werden.

Einführende Literatur [mehr anzeigen...]

  • Bry, Theodor de (1990): America: 1590–1634. Amerika oder die Neue Welt. Die ‘Entdeckung’ des Kontinents in 346 Kupferstichen, Hrsg. und Bearb. Gereon Sievernich, Berlin/New York: Casablanca.
  • Bry, Theodor de (2019). America. Sämtliche Tafeln 1590–1602, Hrsg. Michiel van Groesen, Larry E. Tise, Köln: Taschen.
  • Grewe, Anna (2004); Die Konstruktion Amerikas. Bilderpolitik in den Grands Voyages aus der Werkstatt de Bry, Köln: Böhlau.
  • Honour, Hugh (1975): Ausst. Kat.: The European Vision of America, Cleveland: Cleveland Museum of Art.
  • van Groesen, Michiel (2008): The Representations of the Overseas World in the De Bry Collection of Voyages (1590–1634), Leiden: Brill.
    [auch als pdf unter: https://pure.uva.nl/ws/files/3960216/47113_Groesen_compleet.pdf].

Wetter, Wind und Wolken. Zur Deutung der Atmosphäre in der Kunst der Frühen Neuzeit und Moderne (17.– 21. Jahrhundert)

M.A.-Seminar

Prof. Dr. Ulrike Gehring

Dienstag, 10–12 Uhr

DIGITAL

Beginn: 03.11.2020

Veranstaltungsnummer: 13702291

Seit jeher prägt das Wetter unseren Alltag. Es nimmt Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung von Kulturen, die sich zur Erwirtschaftung ihrer Nahrungsgrundlagen in gleicher Weise auf das Wetter einstellen wie beim Bau ihrer Behausungen: um Ackerbau zu betreiben, braucht es Regen; um sich vor Kälte zu schützen, wärmender Hütten und um Wetter prognostizieren zu können, möglichst genauer Beschreibungen. So werden Wind, Wolken, Stürme über Jahrhunderte in Wissenschaft und Kunst aufgezeichnet, kartiert und symbolisch oder allegorisch überhöht: der aufziehende Sturm wird zum Sinnbild drohender Gefahr, derweil der stetige Wind ein Hinweis auf den unaufhaltsamen Wandel sein kann.

Bei dem Unterfangen, Wetter zu erklären, arbeiten (Natur)Wissenschaftler, Philosophen, Künstler und Praktiker (Bauern, Seefahrer, etc.) über die Epochen hinweg zusammen. Mündliche Überlieferungen werden durch selbständige Beobachtungen angereichert und in Skizzen, Formeln, Schemazeichnungen, Karten oder Gemälden festgehalten. Eine besondere Herausforderung stellt dabei das Chaotische, Unberechenbare und Zufällige dar. Hinzu kommt die Flüchtigkeit viele atmosphärischer Vorgänge, die in steter Bewegung ablaufen oder gar nicht sichtbar sind.

In welcher Weise John Constable oder Gerhard Richter gleichwohl ziehende Wolken visualisieren, Luke Howard ephemere Luftbewegungen klassifiziert und das Wetter im 20. Jahrhundert selbst sein schöpferisches Potential in die Kunst einbringt, wird Gegenstand dieses (digitalen) Seminares sein. Neben klassisch-ikonografischen Herangehensweisen werden bildwissenschaftliche Methoden erlernt und gefestigt. Die epochenübergreifende Betrachtung von Wetterphänomenen in der Kunst von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart gewährt einen vertiefenden Einblick in verschiedene Epochen und kulturhistorische Strömungen, an denen auch andere Disziplinen wie die Literatur, Geographie und Wissenschaftsgeschichte maßgeblich beteiligt sind.

Einführende Literatur [mehr anzeigen...]

  • Braungart, Georg; Büttner, Urs [Hrsg.] (2018): Wind und Wetter. Kultur – Wissen – Ästhetik, Paderborn.
  • Howard, Luke (1895); Essay on the Modifications of Clouds, London (3rd ed., online google books)
  • Nova, Alessandro (2007): Das Buch des Windes. Das Unsichtbare sichtbar machen, München.
  • Nova, Alessandro; Michalsky, Tanja [Hrsg.] (2009): Wind und Wetter. Die Ikonologie der Atmosphäre, Venedig.
  • Storch, Christina (2015): Wetter, Wolken und Affekte, Berlin.
  • Stückelberger, Johannes (2010): Wolkenbilder. Deutungen des Himmels in der Moderne, München.


Neue Forschungen zur Kunst der Moderne und der Gegenwart

B.A./M.A./Diss.-Kolloquium

Prof. Dr. Ulrike Gehring

Donnerstag, 18–20 Uhr

DIGITAL

Beginn: 05.11.2020

Veranstaltungsnummer: 13702347

Das Kolloquium richtet sich an Studierende und Promovierende, die eine
B.A.-/M.A.-Arbeit oder Dissertation in Angriff nehmen möchten oder diese bereits verfassen. Anders als in Seminaren mit vorgegebenen Themen können hier eigene Fragestellungen vorgestellt und vor dem Hintergrund der aktuellen Forschung diskutiert werden. Kandidaten/innen, die noch auf der Suche nach einem geeigneten Thema für ihre Abschlussarbeit sind, bietet das Kolloquium die Möglichkeit, zuzuhören oder selbst eine Ideenskizze zu referieren.

Doktoranden/innen sollten den Besuch der Veranstaltung als verpflichtend ansehen. Laufende Forschungsprojekte anderer Universitäten können gerne als 'Gastvorträge' eingebracht werden, insbesondere, wenn ein thematischer Bezug zu hiesigen Forschungsarbeiten besteht oder das Projekt universitätsübergreifend betreut wird. Gäste sind herzlich willkommen.

In der ersten Sitzung (05.11.2020) werden Vortragstermine – sofern noch nicht geschehen - festgelegt und Prüfungsmodalitäten (B.A./M.A.) – soweit noch nicht in der Sprechstunde erfolgt – erläutert. Da zahlreiche Teilnehmer/innen von außerhalb kommen und wir weiterhin strengen Corona-Auflagen unterliegen, soll die Veranstaltung in diesem Wintersemester noch einmal digital, dafür aber wöchentlich stattfinden.