Lehrangebot im Wintersemester 2019/20


Hart am Wind. Das Meer in Kunst und Literatur der Antike und Frühen Neuzeit

Prof. Dr. Ulrike Gehring (Kunstgeschichte) | Prof. Dr. Christoph Schäfer (Alte Geschichte)
BA–Seminar Do 10-12 Uhr
Beginn: 07.11.2019, Raum B 18

Seit Menschen fremde Meere und Ozeane befahren, erkunden sie neue See- und Handelswege, transportieren Waren, führen Kriege und erforschen neue, später oft kolonialisierte Territorien. Diese (See)Wege folgen nicht wie auf Land einem linearen Streckenverlauf, sondern maritimen Gesetzmäßigkeiten, geologischen Küstenverläufen oder nutzbringenden Winden, Strömungen und Gezeiten. Das schon in der Antike bestehende Netzwerk globaler Konnektivität läßt sich in Quellen unter-schiedlicher Herkunft, Gattung und Motivation nachvollziehen: in Seekarten, literarischen oder wissenschaftlichen Texten, Kunstwerken, Reiseberichten, Handelsregistern und technischen Anleitungen.

Viele dieser Aufzeichnungen scheinen im Mittelalter verloren, tauchen aber – wie beispielsweise Ptolemäus’ ‘Geographia’ – zu Beginn der Neuzeit wieder in Europa auf, werden übersetzt und geben wichtige Impulse für die Kartierung des Seeraumes um 1500. Inwiefern das Wiederaufgreifen dieser antiken (Wissens)Traditionen auch Strategien zur Beherrschung des Seeraumes im Zeitalter der Europäischen Expansion ermöglicht, wird im Rahmen des interdisziplinären Seminares diskutiert. Von konkreten Bild- und Textquellen ausgehend, sollen in Tandem-Referaten fächerübergreifende Fragestellungen erarbeitet und in der Gruppe erörtert werden.

Das B.A.–Seminar versteht sich als interdisziplinärer Beitrag zum Trierer Forschungsschwerpunkt Transmare (Trierer Institut zur Erforschung des Transfers von Menschen, Gütern und Ideen von der Antike bis zur Gegenwart); es richtet sich an alle Studierende, die Freude an der Erforschung des maritimen Raumes in Text- und Bildquellen haben.

Einführende Literatur [mehr anzeigen...]

Arnaud, P., Les routes de la navigation antique. Itinéraires en Méditerranée, Paris 2005.

Beresford, J., The Ancient Sailing Season, Mnemosyne Suppl. 358, Leiden/Boston 2013.

Blake, J., Die Vermessung der Meere: Historische Seekarten, Stuttgart 2007.

Bockius, R., Schifffahrt und Schiffbau in der Antike, Stuttgart 2007.

Casson, L., The Ancient Mariners: Seafarers and Sea Fighters of the Mediterranean in Ancient Times (1959), Princeton 1991.

Cornell, J. und I., Atlas der Ozeane. Wind- und Strömungskarten für alle Ozeane der Welt, London 2011.

Goedde, L.O., Tempest and shipwreck in Dutch and Flemish art, University Park (PA) 1989.

Pflederer, R., Finding their way at sea: the story of portolan charts, the cartographers who drew them and the mariners who sailed by them, Houten 2012.

Horden, P. / Purcell, N., The Corrupting Sea. A Study of Mediterranean History, Oxford 2001.

Schilder, G., Early Dutch Maritime Cartography, The North Holland School of Cartography (c.1580-c.1620), Utrecht 2017.

Rougé, J., Recherches sur l’organisation du commerce maritime en Méditerranée sous l’empire romain, Paris 1966.

Schilder, G. & Kok, H., Sailing for the East, History and Catalogue of Manuscript Charts on Vellum of the Dutch East India Company (VOC), 1602-1799, Utrecht 2010.

Vogel, K. A., European Expansion and Self-Definition, in: Park, K. & Lindberg, D.C. (Ed.), Early Modern Science, Cambridge 2008.

Warnking, P., Der römische Seehandel in seiner Blütezeit. Rahmenbedingungen, Seerouten, Wirtschaftlichkeit (Pharos 36),Rahden 2015.

Woodward, David R. (Ed.): The History of Cartography, University of Chicago Press,

Vol. 01: Cartography in Prehistoric, Ancient, and Medieval Europe and the Mediterranean (1987)

Vol. 03: Cartography in the European Renaissance, Part 1 (2007)+ Part 2 (2010)


Von Eisbären, Stockfischen und Winterwunderländern: Nordeuropa im kartographischen Bild der Frühen Neuzeit

B.A.–Seminar

Jannik Eikmeier MA | Prof. Dr. Ulrike Gehring

Do 8–10 Uhr c.t. | Beginn 31.10. 2019

Raum B 246

Nordeuropa gilt im 16. Jahrhundert als kalter, dunkler und weitgehend vom Eis bedeckter Kontinent, der im Vergleich zum Süden nur wenig erforscht ist. Diesem Wissensgefälle möchte der schwedische Geistliche und Geograph Olaus Magnus entgegen wirken, indem er auf seiner Carta marina 1539 die skandinavischen Länder maßstäblich wiedergibt, ihre regionalen Eigenheiten hervorhebt und wundersamen Wesen sowie sagenumwobenen Monstern Gestalt verleiht. Das farbenprächtige Kartenblatt verfehlt seine Wirkung nicht: es versetz das südländische Publikum ins Staunen und prägt das Bild Nordeuropas für die kommenden einhundert Jahre.

Aus kunsthistorischer Sicht gleicht die Carta marina einem Wissensspeicher, der Einblicke in die Anfänge der kartographischen Erschließung Skandinaviens gewährt, konfessionelle Turbulenzen in den politischen Grenzen ihrer Zeit thematisiert und kulturgeschichtlich relevante Verfahren des Fischfangs zu Beginn der Neuzeit vor Augen führt. Dass die Karte ungeachtet ihrer zahlreichen Allegorien und Metaphern gleichwohl vor allem als Karte wahrgenommen wurde, beweisen niederländische Seefahrer, die  im 17. Jahrhundert auf der Grundlage ihrer Informationen den nördlichen Seeweg nach Asien suchen.

Das bildwissenschaftliche Seminar richtet sich in erster Linie an Studierende der Kunstgeschichte, Geschichte und Geographie. In gemeinsamen ikonographischen und ikonologischen Betrachtungen werden neben der Carta marina auch andere Kartenblätter entschlüsselt und mit Chroniken, Reise- und Expeditionsberichten des 15. und 17. Jahrhunderts verglichen (Sebastian Münster, Abraham Ortelius, Hessel Gerritsz.).

Einführende Literatur [mehr anzeigen...]

Balzamo, E.| Kaiser, R., Die Wunder des Nordens, Frankfurt 2006.

Ehrensvärd, U., The History of the Nordic Map: From Myths to Reality, Helsinki 2006.

Knauer, E. R., Die Carta Marina des Olaus Magnus von 1539: Ein kartographisches Meisterwerk, Göttingen 1981.

Magnus, O., Historia de Gentibus Septentrionalibus, Rom 1555 (available free at Google Books)

Mead, W. R., Scandinavian Renaissance Cartography, in: Woodward, D. (Ed.): The History of Cartography, Vol. 3, Cartography in the European Renaissance, Part 2, Chicago, London, 2007, p.1781-1805

Unverhau, D.| Schietzler, K. (Hg.), Das Danewerk in der Kartographiegeschichte Nordeuropas, Neumünster, 1993.


Transmare Forschungskolloquium

Prof. Dr. Ulrike Gehring | Prof. Dr. Christoph Schäfer

Mi 18–20 Uhr c.t. | Beginn 06.11. 2019 | Raum A 8

In diesem Semester startet zum ersten Mal das interdisziplinäre Forschungskolloquium des Trierer Instituts zur Erforschung von Gütern, Menschen und Ideen. Es richtet sich vor allem an Studierende des Masterstudiengangs Geschichte und Kunstgeschichte sowie alle am Forschungsverbund beteiligten und interessierten Kolleginnen und Kollegen.

Die 14-tägige Veranstaltung versteht sich als Diskussionsplattform, die keinem, im Vorfeld definierten Format folgt, sondern Raum für Werkstattberichte, Ideenskizzen, Vorträge, gemeinsame Lektüresitzungen und Methodenreflexionen bietet. Die Themenspanne reicht dabei von der antiken Seehandelsgeschichte über mittelalterliche Darstellungen von Schiffskatastrophen bis zur digitalen Kartierung maritimer Verschmutzungen.

Ziel der Veranstaltung ist, trotz unterschiedlicher Themenzugänge ein gemeinsames methodisches Instrumentarium auszubilden, im Rahmen dessen studentische Beiträge gleichermaßen willkommen sind wie Projektskizzen, die in Vorbereitung auf Verbundanträge entstehen.

Die erste Sitzung, am 06.11.2019 bietet allen Teilnehmern/innen die Möglichkeit, eigene Themen- oder Lektürevorschläge einzubringen. Als Gastreferentin ist für diesen Auftakt von Prof. em. Dr. Christine Göttler (Universität Bern) angefragt. In der 2. Sitzung sollen dann aktuelle Forschungsansätze diskutiert werden, die im Rahmen der interdisziplinären Ausstellung „Europa und das Meer“ (2018) am DHM vorgestellt wurden.

Eine rege Teilnahme der Transmare-Mitglieder, Doktoranden/innen des Verbundes und der Studierenden mit maritimen Interessen (ggf. Abschlußarbeiten) wäre wünschenswert. Besprochene Textbeiträge werden über Seafile oder Stud.IP. digital zur Verfügung gestellt.

 


Neue Forschungen zur Kunst der Moderne

Prof. Dr. Ulrike Gehring
B.A./M.A./Diss.-Kolloquium

Wöchentlich Donnerstag 18:00-20:00 (s.t.) Uhr, A 142.
Die wöchentlichen Termine sind für die BA-Kandidaten reserviert. Hier werden spezifische Fragen zum BA-Abschluss behandelt. Das Kolloquium ist Teil der Modulprüfung: Kunsthistorische Qualifikation zum BA- Abschluss in Haupt- und Nebenfach.

Beginn: 07.11.2019

Blocktermine für alle:
Samstag 30.11.2019 10–18 Uhr s.t.

Raum: A 246

Das Kolloquium richtet sich an Studierende und Promovierende, die eine BA/MA-Arbeit oder Dissertation in Angriff nehmen möchten oder diese bereits verfassen. Anders als in Seminaren mit vorgegebenen Themen können hier eigene Fragestellungen vorgestellt und vor dem Hintergrund der aktuellen Forschung diskutieren werden. Kandidaten/innen, die noch auf der Suche nach einem geeigneten Thema für ihre Abschlussarbeit sind, bietet das Kolloquium die Möglichkeit, eine erste Ideenskizze zu referieren.

Doktoranden/innen sollten den regelmäßigen Besuch der Veranstaltung als verpflichtend ansehen. Laufende Forschungsprojekte anderer Universitäten können gerne als ‚Gastvorträge’ eingebracht werden, insbesondere, wenn ein thematischer Bezug zu hiesigen Forschungsarbeiten besteht oder das Projekt universitätsübergreifend betreut wird. Gäste sind herzlich willkommen.

In der ersten Sitzung (07.11.2019) werden noch nicht angemeldete Projekte abgesprochen, Vortragstermine abgeklärt und die Prüfungsmodalitäten (BA/MA) – soweit noch nicht in der Sprechstunde erfolgt – erläutert. Da zahlreiche Teilnehmer/innen von außerhalb kommen, haben sich die Kommilitonen/innen im WS auf den untenstehenden Blocktermin verständigt. Sollte es die Zahl der angemeldeten Vorträge zulassen, werden im SS 2018 die Kolloquien von Prof. Kerscher und Prof. Gehring am ersten Juli-Wochenende zusammengelegt, um den epochenübergreifenden Austausch zu fördern.