Arbeitsschwerpunkte

Das Verhältnis von Justiz und Polizei im Nationalsozialismus

Im Rahmen meiner Dissertation setze ich mich mit dem Verhältnis von Justiz und Polizei während der NS-Herrschaft in einem regionalen Zugriff (Regierungsbezirk Trier) auseinander. Anhand der überlieferten Personalakten der Staatspolizeistelle Trier und den Justizakten der Amtsgerichte im Regierungsbezirk, des Landgerichts Trier, der Oberlandesgerichte Köln und Hamm/Westfalen, der Sondergerichte Köln, Koblenz und Trier sowie des Volksgerichtshofs in Berlin, zuzüglich der Vorermittlunsakten der Trierer Staatsanwaltschaft, wird diese Verhältnisbestimmung entwickelt.

 

Die Gestapo Trier in der Christophstraße 1 – Justiz und Polizei im regionalen Umfeld in der NS-Zeit

Im Rahmen der Projektarbeit, die ich seit Oktober 2017 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin begleite, liegt mein Arbeitsschwerpunkt insbesondere auf der Erschließung und Auswertung der im Service historique de la Défense (SHD) in Vincennes, dem Archiv des französischen Verteidigungsministeriums, überlieferten Personalakten der Gestapo Trier. Nachdem die erste Erschließung seit Dezember 2017 abgeschlossen ist, können die Akten im SHD eingesehen werden. Hier gehts zum Inventar.

 

„Haftstätten der Großregion Trier als zentrale Einrichtungen der nationalsozialistischen Verfolgungspraxis“

  • Das Frauenstraflager Flußbach (bei Wittlich) fungierte zwischen September 1942 und September 1944 als Haftanstalt für mindestens 1916 Frauen aus 8 europäischen Staaten. Neben Strafgefangenen waren zahlreiche – vor allem aus dem besetzten Großherzogtum Luxemburg und Frankreich stammende – Frauen als Schutzhäftlinge in Folge ihrer Widerstandsaktivität in Flußbach interniert. Neben der Untersuchung der Häftlings- und auch Personalstruktur liegt ein Schwerpunkt auf der Erarbeitung familiärer Verbindungen zum SS-Sonderlager/KZ Hinzert auf dem Hunsrück, welches ein reines Männerlager war. Die Vernetzung nationalsozialistischer Haftstätten eröffnet neue Perspektiven sowohl auf Verfolgungspraxis, Lager- und Haftstättenorganisation im Spannungsfeld von Justiz und Polizei im Dritten Reich als auch auf Gruppenbiographien von Widerstandsgruppen oder Familien.
  • Die Gruppe der „Nacht-und-Nebel“-Häftlinge, die im Zuge der „Richtlinien für die Verfolgung von Straftaten gegen das Reich oder die Besatzungsmacht in den besetzten Gebieten“ (später als „Nacht-und-Nebel“-Erlass verfügt) in Frankreich, Belgien, Norwegen und den Niederlanden verhaftet wurden, stellen eine bedeutende Haftgruppe der in der Großregion Trier angesiedelten Gefängnisse und Lager dar. Die Grenzlage des Gaues Moselland und die Zuständigkeit des Sondergerichts Köln für die französischen „NN’ler“ bedingte deren oft nur sehr kurze Inhaftierung in den Haftstätten der Region Trier: dem Gefängnis Trier, der Strafanstalt Wittlich, dem Frauenstraflager Flußbach und dem SS-Sonderlager/KZ Hinzert. Für die regionale wie auch transnationale Geschichtsschreibung eröffnen sich durch eine Untersuchung dieser Häftlinge neue Forschungsperspektiven zum Zusammenspiel von Judikative und Exekutive.
     

Lokale und regionale Funktionsträger in der "Sattelzeit"

In der Endphase meines Studiums und im Rahmen meiner Masterarbeit beschäftigte ich mich mit dem Trierer Oberbürgermeister und Landrat des Stadtkreises Trier Wilhelm von Haw (1783-1862), der als Mitglied einer "Epochenumbruchsgeneration" an der Schnittstelle von Staat und Gesellschaft agierte. Seine Person zeichnet sich insbesondere durch Beharrungskraft und Anpassungsfähigkeit aus, denn ihm gelang es als Begünstigter des Ancien Régime zunächst unter Napoleon Karriere im Staatsdienst zu machen und bis zum Präfekten des Département de l'Aube aufzusteigen. Auch nach dem abermaligen Systemwechsel im Linksrheinischen trat er in den Dienst der neuen - und ihm doch eigentlich so verhassten - preußischen Obrigkeit. Neben seinem Engagement auf regional- und lokalpolitischer Ebene, im Zuge dessen er keinerlei Konfrontation mit der preußischen Regierung scheute, war Wilhelm von Haw auch in überregionalen Gremien und Vertretungen präsent. Er repräsentierte Trier in unterschiedlichen Ständen auf dem Rheinischen Provinziallandtag (ununterbrochen von 1826 bis 1861), war Mitglied des Vereinigten Landtages (1847) und außerdem im Preußischen Herrenhaus und im Preußischen Abgeordnetenhaus vertreten. Dort wurde er zu einem der Mitbegründer der Katholischen Fraktion, der Vorläuferin der späteren Zentrumspartei.
In seiner Person treffen nicht nur Karriereambitionen und lokalpolitisches Engagement, sondern ebenso auch die starke Vernetzung der stadttrierischen Oberschicht im frühen 19. Jahrhundert hervor. Als Zeitgenossen und Nachbar des jungen Karl Marx nahm er – wie auch der Vordenker der kommunistischen Idee – prekäre Lebensumstände, mangelnde Bildung von Frauen und unteren Klassen, sowie auch wirtschaftliche Notstände einzelner Berufsstände und Rückständigkeit der Region wahr. Entgegen seinem Mitbürger versucht er jedoch weniger publizistisch und revolutionär, als vielmehr liberalen und katholisch-konservativen Mustern folgend in der Realpolitik eine Besserung zu erzielen.

Kürzlich erschienen: Lena Haase: Der Trierer Oberbürgermeister Wilhelm von Haw (1783-1862). Eine politische Biographie zwischen Liberalismus, Katholizismus und preußischem Staat (Publikationen aus dem Stadtarchiv Trier, Band 5), Trier: Verlag für Geschichte und Kultur 2018, ISBN: 978-3-945768-06-8, € 24,90.

 

Trier unter separatistischer Herrschaft

Wie zahlreiche Städte des Rheinlandes wurde auch Trier kurzzeitig von einer separatistischen Regierung geführt. Dieses Intermezzo, das lediglich von Oktober bis November 1923 andauerte, ist in der bisher vorliegend stadtgeschichtlichen Forschung unterrepräsentiert – bietet jedoch Perspektiven und Anknüpfungspunkte für übergreifende Forschungen zum frühen 20. Jahrhundert. Vor allem auf der Basis von Ermittlungsakten der Geheimen Staatspolizei und des SD, sowie mittels zeitgenössischer Erlebnisberichte wird eine an der Hauptperson separatistischer Bestrebungen in Trier – Hubert Marzen – orientierte Untersuchung vorbereitet, die Entstehung und den Versuch der Verwirklichung eines unabhängigen Rheinstaates in der Moselstadt thematisiert.