DFG-Projekt "Die Ortsangaben im Buch Josua"

Projektleiter: Prof. Dr. Erasmus Gaß

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Johannes Bremer

Wissenschaftliche Hilfskraft: Jakob Luz y Graf

 

Das Forschungsprojekt „Die Ortsangaben im Buch Josua“ untersucht die Ortsangaben des Josuabuches in historischer und literarischer Hinsicht. Es steht im Zusammenhang mit der Kommentierung des Josuabuches in der Reihe „Das Alte Testament Deutsch“ durch Prof. Dr. Erasmus Gaß. Gegenstand der Untersuchung sind vor allem die Ortslisten der Landverteilung Jos 16-19. Dabei werden textbezogene Fragen der literarischen Topographie (welche Zusam­menhänge stellen die Texte zwischen den Ortsangaben her? oder: welche Aussagekraft haben die Ortsangaben im Erzählgefälle des Texts?) mit biblisch-archäologischen Fragestellungen der historischen Topographie korreliert. Das Forschungsvorhaben dient dazu, eine konstruktive Verbindung exegetischer und archäologischer Arbeit im Bereich der biblischen Topographie auszubauen.

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, durch historisch-topographische und literarisch-topographische Untersuchungen Anhaltspunkte für die historischen Rahmenbedingungen zu erhalten, unter denen die Texte entstanden sind. Bei den historisch-topographischen Arbeitsschritten sollen jeweils spezifische Gruppen von Toponymen („Stammeslisten“) untersucht werden, um zusammenfassend die sich daraus ergebenden Hinweise zu zeitgeschichtlichen Aspekten zu erheben.

Die Ergebnisse der topographischen Untersuchungen sollen zunächst in Einzeluntersuchungen präsentiert werden und anschließend in die Kommentierung des Josuabuches eingehen. Darüber hinaus fließen die Ergebnisse vorab in eine digitale Datenbank zu den biblischen Ortsangaben (www.odb.bibelwissenschaft.de) ein, die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bibelgesell­schaft erstellt wird.

Nach Abschluss der historisch-topographischen Arbeiten sollen ausgewählte Fragen der literarischen Topographie aufgegriffen werden. Hier eignet sich die Nachfrage, inwiefern es sich bei diesem Buchteil um die Konstruktion einer oder gegebenenfalls mehrerer „literarischer Landkarten“ handelt. Darüber hinaus bietet sich die Untersuchung phönikischer Orte an, die in Jos 19 in Grenzbeschreibungen und Städtelisten genannt werden, ausweislich außerbiblischer Dokumente jedoch nie zum Gebiet von Israel gehörten. Auf synchroner Ebene ist zu fragen, inwieweit die phönikischen Orte die „literarische Landkarte“ nach Norden erweitern wollen, oder ob der Gesichtskreis eher innerhalb von Jos 13-19 bleibt. Auf diachroner Ebene ist die Klärung der möglichen zeitgeschichtlichen Bezüge von Interesse, vor allem ob das Josuabuch Verhältnisse der neuassyrischen oder der persischen Zeit voraussetzt.

Von der DFG wurde die Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters (66 %) und einer wissenschaftlichen Hilfskraft (25 %) für die Dauer von 36 Monaten bewilligt (Juni 2017 bis Mai 2020).