Hans-Ulrich von Schroeter

Ständiger Vertreter der Deutschen Botschaft in der Dominikanischen Republik

*1967

1987-1992 Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Trier

1994 Promotion an der Universität Osnabrück

seit 1996 verschiedene Stationen im Auswärtigen Amt:

1999-2002 Generalkonsulat in São Paulo (Brasilien)

2002-2006 Botschaft in Luanda (Angola)

2009-2012 Botschaft in Washington (USA)

seit 2016 Botschaft in Santo Domingo (Dominikanische Republik)

 

„Ich wollte für Deutschland arbeiten“

Alumnus Hans-Ulrich von Schroeter studierte in Trier Rechtswissenschaft und lernte im Dienst des Auswärtigen Amts viele Länder aus einem speziellen Blickwinkel kennen

Ausgerechnet in der Dominikanischen Republik kam er als Ständiger Vertreter der Botschafterin mit seiner Alma Mater in Kontakt. Die Romanisten Prof. Dr. Andre Klump und Dr. Christine Felbeck verfolgen als Sprecher und Geschäftsführerin des America Romana Centrums (ARC) der Universität Trier einen Forschungsschwerpunkt in der Dominikanischen Republik. Sowohl zu deren Botschaft in Deutschland wie auch zur deutschen Vertretung in Santo Domingo pflegt das ARC gute Kontakte. Anfang Juli besuchte Hans-Ulrich von Schroeter auf Einladung des ARC die Universität Trier, unter anderem um Studierende über das Berufsfeld Auswärtiger Dienst zu informieren.

Herr von Schroeter, ist dies Ihr erster Besuch an der Universität seit Ihrem Examen 1992 in Trier?
Zuletzt war ich vor sechs Jahren in Trier. Auch für das Auswärtige Amt habe ich an der Universität Trier schon einmal einen Vortrag gehalten. Auch wenn das, wenn man im Ausland lebt, nicht ganz so einfach ist: Ich komme immer wieder gerne nach Trier, weil es eine wunderschöne Stadt ist.

Wie hat sich die Universität verändert?
Über das Inhaltlich-Fachliche kann ich mich kaum äußern, weil mir dazu die Inneneinblicke fehlen. Im Erscheinungsbild hat für mich vieles Wiedererkennungswert. Ich fühle mich gleich heimisch, und es werden tolle Erinnerungen geweckt.

Warum haben Sie sich für ein Studium in Trier entschieden?
Eigentlich hat das die damalige Zentrale Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) mitentschieden. Ich hatte auf meiner Präferenzliste der Studienorte Bonn vorne, Trier war ebenfalls weit oben. Nachdem mir der Studienplatz in Trier zugewiesen worden war, hatte ich zunächst vor, hier mein Studium zu beginnen und später nach Bonn zu wechseln. Ich bin dann aber bis zum Examen in Trier geblieben, weil es mir hier sehr gut gefiel. Ich habe mich von der Universität gut ausgebildet gefühlt und fand die Angebote ansprechend. Ich habe die Fachspezifische Fremdsprachenausbildung wahrgenommen, die gerade im Aufbau war, weil ich später etwas mit internationalem Bezug machen wollte. Außerdem habe ich mich in Romanistik eingeschrieben, weil mir die Sprachen und die romanische Welt immer nahe waren.

Welche Inhalte und Bestandteile des Studiums helfen Ihnen in der Berufspraxis?
Was mir bis heute hilft, ist das Portugiesische. Ich wäre ohne diese Sprachkenntnisse vermutlich nicht nach Brasilien und Angola gegangen. Das hat mein Leben stark beeinflusst. Und natürlich war das Jura-Studium an sich eine entscheidende Basis für meinen heutigen Beruf.

Was hat Sie zur Promotion motiviert?
Ich hatte nicht die Absicht, im universitären Bereich zu bleiben, aber ein zusätzlicher Qualifikationsschritt zu Studium und Staatsexamen war mir wichtig. Meine Dissertation war eine rechtsvergleichende Arbeit, die Rechtssysteme verschiedener Länder ins Blickfeld genommen hat.

Wie und wann haben Sie den Auswärtigen Dienst als berufliche Option entdeckt?
Es mag pathetisch klingen, aber schon im Studium hatte ich den Wunsch, für Deutschland zu arbeiten. Es war für mich beispielsweise nicht wirklich vorstellbar, als Jurist für ein Unternehmen tätig zu sein. Mich hat der Gedanke fasziniert, Deutschlands Interessen in der Welt zu vertreten. Ganz konkret für die Bewerbung beim Auswärtigen Amt entschieden habe ich mich, nachdem ich meine Wahlstation als Rechtsreferendar am deutschen Generalkonsulat in Rio de Janeiro abgeleistet hatte.

Hat sich diese Faszination im Berufsalltag bestätigt?
Ohne Einschränkung. Ich habe noch keinen einzigen Tag im Auswärtigen Amt bereut! An politisch relevanten Ereignissen und Entwicklungen beteiligt zu sein, ist sehr faszinierend. Routine stellt sich im Auswärtigen Dienst nicht ein, weil die Aufgaben ständig wechseln. Dabei macht man die interessante Erfahrung, dass diese Arbeit auch den Blick auf das eigene Land verändert.

Was macht den Auswärtigen Dienst in der Dominikanischen Republik attraktiv?
Es ist ein wunderschönes Land mit sympathischen Menschen, das in Deutschland zwar nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, durch den Tourismus aber bei vielen Deutschen sehr populär ist, was auch die Arbeit dort prägt. Durch die Fokussierung vieler Betrachter auf die touristische Attraktivität der Dominikanischen Republik wird oft übersehen, dass sich das Land sehr entwickelt hat, die Wirtschaft stark wächst und zahlreiche Perspektiven bietet.

Für welche Studierenden ist der Auswärtige Dienst eine realistische berufliche Option?
Für Studierende aller Fächer. Es gibt einen besonderen Bedarf an Volljuristen und Volkswirten, daneben hat das Auswärtige Amt auch Interesse an Bewerbern mit den für die Außenpolitik relevanten Sprachkenntnissen und Kenntnissen über andere Kulturen. Aber letztlich gilt: Für Absolventen aller Studienrichtungen ist der Auswärtige Dienst eine berufliche Option.

Unterscheiden sich im Auswärtigen Dienst die Arbeits- und Aufgabenfelder beispielsweise eines Juristen von denen eines Politikwissenschaftlers?
Die Angehörigen des Auswärtigen Dienstes sind Generalisten, die Aufgabenfelder wechseln im Laufe des Berufslebens und sind sehr breit gefächert. Sehr oft wird es vorkommen, dass Juristen, Politikwissenschaftler und Absolventen anderer Studienrichtungen dieselben Aufgaben wahrnehmen. Für bestimmte Aufgaben allerdings braucht man Juristen. Ein Politikwissenschaftler wird zum Beispiel kaum in einem Referat der Rechtsabteilung eingesetzt werden.

Welche Ihrer Stationen hat Sie am stärksten beeindruckt und wo würden Sie noch gerne arbeiten?
Am besten gefallen hat mir die Zeit in Angola. Das beruhte auch darauf, dass ich das Gefühl hatte, in einer kleineren Vertretung mehr Einwirkungsmöglichkeiten zu haben. Meine Familie und ich mochten zudem das Land und seine Menschen. Wenn ich ein Land privat bereise, überlege ich häufig, wie es wäre, hier einmal zu arbeiten. Meine Traumstadt ist Lissabon, und Portugal ist ein wunderbares Land. Dort einmal arbeiten zu können, wäre ein Traum. Aber ich würde auch gerne noch einmal nach Afrika oder Lateinamerika gehen.

Wie ist es in Ihrem Job um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bestellt?
Das hängt natürlich von den jeweiligen Bedürfnissen der Bediensteten und ihrer Familien ab, die ja durchaus unterschiedlich sind. Aber zwei Problemfelder gibt es: Zum einen die Schulfrage für Kinder von Amtsangehörigen. Häufige Schulwechsel sind die Regel, und an vielen Dienstorten gibt es keine deutsche Schule. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Arbeitsmöglichkeiten des Partners am jeweiligen Dienstort. Eine eigene konsistente berufliche Karriere ist für die Partner oft schwierig. Grundsätzlich nimmt das Auswärtige Amt jedoch große Rücksicht auf die familiären Belange der Mitarbeiter.

Das Interview ist erschienen im Unijournal 2/2017