Vortragsreihe "Annäherungen an Karl Marx ‐ wovon müssen wir ihn befreien?"

In der Vortragsreihe „Annäherungen an Karl Marx“ betrachten renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Leben, Werk und Zeit von Karl Marx. Spannend und immer auf dem neuesten Forschungsstand vertiefen die Beiträge Themen der Landesausstellung.

Die Vorträge finden jeweils von 19:00 bis 20:00 Uhr im Vortragssaal des Rheinischen Landesmuseums statt.

17. Mai 2018
Annäherungen an Karl Marx
Vortrag von Prof. Dr. Beatrix Bouvier (Bonn)
„Roter Terrordoktor“ nannte man Karl Marx schon zu seinen Lebzeiten. War das ein Urteil und worauf gründete es? Oder war es lediglich ein Vorurteil, das noch heute das Bild prägt und es so schwer macht, den eigentlichen Marx zu sehen, wenn es ihn überhaupt gibt? Der Vortrag geht der Frage nach, wie und warum das Bild von Marx geformt und geprägt wurde, das auch das eines Großtheoretikers, Propheten und Visionärs ist. Wie stark ist der Mythos?

21. Juni 2018
Wie viel Engels steckt in Marx?
Vortrag von Dr. Eberhard Illner (Wuppertal)
Ohne Engels kein Marx, ohne Marx kein Engels. Ohne den jeweils anderen wüssten wir heute von beiden nichts. Im Laufe der intensiven Zusammenarbeit bildete sich seit etwa 1845/46 eine persönliche Freundschaft heraus, deren Beständigkeit durch Geben und Nehmen in Bezug auf ihr beider Werk und jeweilige Lebenssituation erklärlich wird. Es war ein „Compagniegeschäft“, das auch in Zukunft Dividende abwerfen könnte, wenn man es intelligent zu nutzen weiß.

19. Juli 2018
Karl Marx und das 19. Jahrhundert.
Vortrag von Dr. Rolf Hosfeld (Berlin)
Die Zeit der industriellen Revolution war ein säkularer Einschnitt voller Hoffnungen und apokalyptischer Erwartungen. Marx wurde insbesondere durch den Zeitgeist der 1840er Jahre, das erste „kommunistische Jahrzehnt“ und hegelianische Visionen geprägt. Viele seiner Zukunftserwartungen verdanken sich diesem unruhigen Zeitgeist, viele seiner Fragen bleiben jedoch nach wir vor aktuell und ungelöst. Aus einem ideologischen Käfig befreit, kann er auch heute noch inspirieren.

16. August 2018

„Revolutionen sind die Locomotiven der Geschichte. Karl Marx und die Revolutionen des 19. Jahrhunderts."
Vortrag von Dr. Jürgen Herres (Berlin)
Das Werk kaum eines Denkers des 19. Jahrhunderts ist so eng mit dem Begriff Revolution verbunden wie das von Karl Marx. In dem Vortrag diskutiert der Historiker Jürgen Herres, Mitarbeiter der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Redakteur der Marx-Engels-Gesamtausgabe, Marx‘ Analyse der gesellschaftlichen Wandlungsprozesse seiner Zeit und vor allem Marx' Beobachtung und Kommentierung der politischen Revolutionen.

20. September 2018
Jenseits des „historischen Materialismus“: Marx als Inspirationsquelle für Historiker.
Vortrag von Prof. Dr. Lutz Raphael (Trier)
Kann Karl Marx noch kritische Impulse für die aktuelle Geschichtsforschung geben? Vor allem kommen dabei jene Aspekte in den Blick, die jenseits der großen marxistischen Erzählungen vom revolutionären Fortschritt durch Klassenkampf und Wirtschaftskrisen liegen. Als Zeitanalytiker und Zeithistoriker war er oft brillant, als Visionär der Globalisierung treffsicher – hier kann man sich auch heute noch als Historiker Anregungen holen und Marx' Ideen weiterführen.

18. Oktober 2018
Der antipolitische Marx.

Vortrag von Prof. Dr. Winfried Thaa (Trier)
Bis heute wird der junge, emanzipatorische Marx immer wieder dem älteren, auf wissenschaftliche Objektivität abhebenden Marx entgegengehalten. Der Vortrag wird demgegenüber argumentieren, dass das Denken von Marx durchgängig von einem „romantischen Erbe“, einem Ideal gesellschaftlicher Einheit geprägt ist. Dieses ermöglicht es, seine Schriften als Steinbruch für revolutionäres Pathos, aber auch zur Legitimation totalitärer Herrschaft zu nutzen. Planung: Rheinisches Landesmuseum Trier