generator marx - kapital I digital

Anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx erscheinen zahlreiche neue Monographien und Filme, die vor allem die Relevanz seiner politischen und ökonomischen Theorien für die Gegenwart bestätigen. Da sich aber die Tätigkeiten, die im 21. Jh. Jahrhundert unter „Arbeit“ subsumiert werden, grundlegend verändert haben und die Realwirtschaft längst in eine Finanzwirtschaft übergegangen ist, braucht die neue Datengesellschaft auch eine neue virtuelle Ökonomie.

Die von Peter Weibel in Kooperation mit dem Fach Kunstgeschichte der Universität Trier kuratierte Ausstellung fragt nach den Konsequenzen, derer sich eine postindustriellen Gesellschaft ausgesetzt sieht, in deren Mittelpunkt nicht mehr Arbeit und Waren, sondern Wissen und Daten stehen. Folgt auf die Logik der Produktion eine Logik der Distribution, so wird nicht mehr die Fähigkeit eines Einzelnen entlohnt, weil er einen Gegenstand besonders gut oder schnell zu produzieren weiß, sondern die ‚Verteilung’ des Gegenstandes. Viel relevanter als die Frage, was Karl Marx gesagt hat ist deshalb die Frage, was er nicht vorhersagen konnte. Von seiner – wie auch der Warte eines englischen Industriearbeiters im 19. Jh. – war es kaum vorstellbar, dass im postindustriellen Zeitalter nicht die Arbeit den Wert von Informations- oder Datenmengen bestimmt, sondern die Quantität ihrer Rezeption. Genau diese Verschiebung steht aber im Interesse einiger Multimediakünstler, die nach dem Wert digitaler Währungen wie bitcoins fragen oder Daten der Tokioter Börse in Echtzeit analysieren, visuell umsetzen und künstlerisch überformen.

Folgt man der These, wonach das Kapital der Zukunft keine seltenen Erden, sondern das „Wissen“ sein wird und der Erwerb von Wissen in Wissensgesellschaften ähnlich zu entlohnen ist wie Arbeit in einer Arbeitsgesellschaft, dann gibt es in der Geburtsstadt von Karl Marx keinen geeigneteren Ausstellungsort für einen so progressiven, von Symposien begleiteten Dialog, wie den »»generator, den Kunstraum der Universität Trier in der Heizkraftzentrale des ehemaligen Militärhospitals André Genet.

Begleitend zum wissenschaftlichen Rahmenprogramm der Ausstellung wird gemeinsam mit Studierenden des Fachs Kunstgeschichte ein Katalog erarbeitet, der spätestens 2019 erhältlich sein wird.


22. Juni 2018 bis 09. Dezember 2018
Eröffnung/Vernissage: Donnerstag, 21.06. 2018, 18.00 Uhr, Campus II

generator | medienkunstlabortrier
Universität Trier, Campus II, Gebäude F
Behringstr. 21, 54296 Trier

Gastkurator:
Prof. Dr. h.c. mult. Peter Weibel

Mit begleitenden Vorträgen/Podiumsdiskussionen

Planung:
Ulrike Gehring / Stephan Brakensiek

Kontakt (Telefon und/oder E-Mail)
www.generator.uni-trier.de
e-Mail:generator@uni-trier.de
Kontakt: Andrea Günther
Telefon: 0651.201.2126 (mo-do 9-14 Uhr)