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Finanzkrise: Comeback der Zentralbank-„Superstars“

Wissenschaftler der Universitäten Trier und Gießen:
„Stars“ an der Spitze schaffen mehr Wachstum als Technokraten

In wenigen Tagen wird Janet Yellen die Nachfolge von Ben Bernanke an der Spitze der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) antreten. Die Erwartungen von Politik und Öffentlichkeit sind enorm. Yellens Berufung spiegelt einen Trend wider, der sich in Zeiten der Finanzkrise deutlich abzeichnet: Statt Technokraten werden schillernde Persönlichkeiten und „Stars“ der Branche an die Spitze von Zentralbanken berufen. Dies spiegelt sich auch in der Berufung von Stanley Fischer als zweiten Mann der Fed wider, ebenfalls ein Zentralbanker mit höchsten akademischen Weihen und jahrzehntelanger Erfahrung in der akademischen Welt, an der Wall Street und als Chef der israelischen Zentralbank.

Aber lohnt es sich, einen geldpolitischen Superstar als Zentralbanker anzuheuern? Ja, es lohnt sich, sagen die Wissenschaftler Matthias Neuenkirch (Universität Trier) und Peter Tillmann (Justus-Liebig-Universität Gießen). In Ihrem Papier „Superstar Central Bankers“ (www.uni-trier.de/fileadmin/fb4/prof/VWL/EWF/Research_Papers/2013-08.pdf) finden die beiden heraus, dass ein Superstar (gemessen durch die Top-Note in einem jährlichen Ranking der Finanzpresse) mehr Wachstum bei gleicher Inflation und gleichen Inflationserwartungen generieren kann als ein gewöhnlicherer Zentralbanker. Die zusätzliche Reputation der Superstars an der Spitze der Zentralbank zahlt sich also aus und sorgt für einen Vertrauensbonus, der zu mehr Wachstum führt. Darüber hinaus zeigen die Autoren, dass gerade für Zentralbanken, die als wenig transparent eingestuft werden, der Effekt eines Superstars besonders hoch ist.

Die beiden Autoren betonen, dass eine Analyse von Superstars an der Spitze der Zentralbank äußerst komplex ist. Wer zum Superstar wird, hat in der Regel bereits große Erfolge vorzuweisen, also bspw. niedrige Inflationsraten und stetiges Wirtschaftswachstum. Mit Hilfe eines statistischen Modells wird der Unterschied im Hinblick auf das BIP-Wachstum und die (erwartete) Inflation ermittelt zwischen einem Zentralbanker, der die Bestnote erhält und einem Nicht-Superstar, der aber in jeder anderen Hinsicht (institutionelle Rahmenbedingungen, konjunkturelle Situationen und persönliche Eigenschaften) nahezu identisch ist.