EUR&QUA Projekt zur Entwicklung eines grenzüberschreiten-den Raums zum internationalen Kinderschutz

Das INTERREG-Programm V A Großregion (2014-2020)

  • Das INTERREG-Projekt „EUR&QUA“ ist Teil des INTERREG-Programms V A Großregion (2014-2020). Das INTERREG V A Programm GR fördert grenzüberschreitende Kooperationen zwischen lokalen und regionalen Partnern aus den verschiedenen Gebieten der Großregion. Mittels dieser verstärkten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit soll der wirtschaftliche, soziale und territoriale Zusammenhalt des großregionalen Raums gestärkt und eine Verringerung der grenzbedingten Hemmnisse erzielt werden. Das INTERREG V A Programm GR führt die in den Vorgängerprogrammen INTERREG III (2000-2006) und INTERREG IV (2007-2013) eingeleitete grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Großregion fort. Ziel aller im Rahmen des INTERREG-Programms V A GR durchgeführten Projekte ist die Verbesserung der Lebensbedingungen und des Lebensumfeldes in der Großregion sowie die Förderung von grenzüberschreitender Vernetzung, Kooperation und Mobilität. Innerhalb des INTERREG-Programms V A GR gibt es vier Prioritätsachsen. Prioritätsachse 3 zielt auf die Verbesserung der Lebensbedingungen in der Großregion.
     
  • Prioritätsachse 3: „Verbesserung der Lebensbedingungen“
    Diese Prioritätsachse zielt auf die Förderung der sozialen Inklusion und die Bekämpfung von Armut und jeglicher Diskriminierung ab. So sollen Investitionen in eine Gesundheits- und Sozial-Infrastruktur, die zur nationalen, regionalen und lokalen Entwicklung beiträgt, unterstützt werden, um Ungleichheiten in Bezug auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verringern. Die soziale Inklusion soll durch einen besseren Zugang zu sozialen, kulturellen und Angeboten sowie durch den Übergang von institutionalisierten zu gemeindenahen Diensten gefördert werden.

    Zwei spezifische Ziele sind dieser Prioritätsachse zugeordnet:
    • Spezifisches Ziel 6: Schaffung eines verbesserten abgestimmten Angebots im Bereich Gesundheit und Vorsorge.
    • Spezifisches Ziel 7: Schaffung eines verbesserten grenzüberschreitenden Angebots von sozial inklusiven Dienstleistungen und Einrichtungen.
       
  • Das INTERREG-Projekt EUR&QUA bezieht sich auf die Prioritätsachse Nr. 3: „Verbesserung der Lebensbedingungen“ und zielt innerhalb dieser Achse auf die „Verbesserung des grenzüberschreitenden Angebots von sozial inklusiven Dienstleistungen und Einrichtungen“.

INTERREG V A GR EUR&QUA – Grenzen und Herausforderungen

Projektanliegen

Kinderschutz in nationalen Bezügen ist heute ein weitestgehend breit erforschtes Phänomen. Mit zunehmender Mobilität, auch vor dem Hintergrund des europäischen Einigungsprozesses, erstrecken sich Fragen des Kinderschutzes allerdings nicht länger auf die nationale Ebene. Grenzüberschreitende Fälle des Kinderschutzes stellen nicht länger eine Ausnahme dar, sondern nehmen stetig zu. Auch wenn die hierfür vorhandenen quantitativen Daten bislang noch unzureichend sind, so weisen die bisher gewonnenen Erkenntnisse jedoch auf eines hin: Wenn Grenzen überschritten werden, bestehen teils erhebliche Diskrepanzen in der Kontinuität und Qualität des Kinderschutzes. Denn die Diskurse über die Situation und Zukunft des jeweiligen nationalen Kinderschutzsystems enden im Zuge von Sprach- und Zuständigkeitsbarrieren zumeist an den Staatsgrenzen. Daher sind sprach-, kultur- und professionsübergreifende Praktiken im Bereich des Kinderschutzes noch eine Ausnahme. Auch innerhalb unserer Großregion gibt es immer wieder Kinderschutzfälle, die regionale und nationale Grenzen überschreiten. Solche grenzenüberschreitenden Situationen können für Kinder und Jugendliche, die soziale Hilfen in Anspruch nehmen, Brüche in den Hilfen oder Verschlechterungen bedeuten, die mit einer mangelnden Beachtung von Kinderrechten einhergehen können. Auch professionelle Fachkräfte, die mit solchen grenzenüberschreitenden Konstellationen befasst sind, berichten nicht selten von mangelnder Kommunikation und Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit zwischen den Diensten und den Behörden. Allerdings führt das wachsende Bewusstsein über die soziale Dimension des europäischen Einigungsprozesses zunehmend auch im Bereich des Kinderschutzes zu dem professionellen Verständnis der Notwendigkeit intra- und interprofessioneller transnationaler Austausch- und Kooperationsprozesse, denn der Erfolg grenzüberschreitender Hilfeverläufe hängt maßgeblich von der Umsetzung und der Kontinuität juristischer, medizinischer und sozialprofessioneller Hilfen ab. Dass die Kontinuität grenzüberschreitender Hilfeverläufe maßgeblich durch transnationale, transsektorielle und transdisziplinäre Kooperationen verbessert werden kann, haben die Ergebnisse des vorangegangenen INTERREG-Projekts „SOPHIA-Lorraine“ (2012-2014) im Zusammenhang mit der Identifikation grenzüberschreitender Hilfeverläufe im Rahmen des INTERREG-Programms IV A Großregion verdeutlicht. Für den Bereich Wallonie, Luxemburg und Lothringen konnte das Projekt „SOPHIA-Lorraine“ zeigen, dass eine vernetzte Arbeit von Institutionen, sozialen Diensten und öffentlichen Verwaltungen die grenzüberschreitende Begleitung von Kindern und Familien erheblich verbessert und so der grenzüberschreitende Kinderschutz effektiver gewährleitest werden kann. 

  • Im Rahmen des EUR&QUA-Projekts werden auf der Grundlage dieser Erkenntnisse grenzüberschreitende Hilfeverläufe in der INTERREG-Region genauer untersucht, um die professionelle Praxis weiter zu qualifizieren und grenzüberschreitend zu vernetzen.
  • Diesen Bestrebungen liegt ein breites Begriffsverständnis von Kinderschutz zugrunde, das Kinderschutz vor allem als Sicherstellung von Kinderrechten versteht.

 

Die INTERREG-Region

Die Großregion ist ein heterogener Raum, der vier EU-Mitgliedstaaten – Luxemburg-Belgien, Deutschland-Frankreich -, fünf Regionen und drei Sprachen (Deutsch, Französisch, Luxemburgisch) umfasst. Auf einer Fläche von 65.401 km2 leben rund 11,4 Millionen Menschen. Diese Karte zeigt einen Umriss des Kooperationsgebietes des Programms INTERREG V A Großregion und seine Einordnung in den europäischen Raum.

 

Grenzenüberschreitende Kinderschutzfälle

  • Unter grenzüberschreitenden Fällen verstehen wir solche Konstellationen, in denen innerhalb der Großregion eine oder mehrere Grenzen überschritten werden, um soziale Hilfen in Anspruch zu nehmen. Das ist bei Kindern der Fall, die in einem Land der Großregion (Wallonie, Ostbelgien, Luxemburg, Lothringen, Rheinland-Pfalz, Saarland) leben und Grenzen überschreiten, um in einem anderen Land der Großregion soziale Hilfen (ambulant und/oder stationär) in Anspruch zu nehmen. Möglich ist aber auch, dass sich grenzenüberschreitende Hilfeverläufe ergeben, weil Familien in Grenznähe leben und sich in ihrem Alltag in gewöhnlich über Grenzen hinwegbewegen, wodurch auch die Hilfeverläufe ihrer Kinder durch Grenzenüberschreitung charakterisiert sind. Denkbar ist allerdings auch der Fall, dass Familien ihren Wohnort wechseln, um in den Zuständigkeitsbereich anderer Behörden in der Grenzregion zu gelangen.
  • Als Kinderschutzfälle werden alle grenzenüberschreitenden sozialen Hilfen in ambulanter und stationärer Form, sowohl für behinderte, als auch für nichtbehinderte Kinder gefasst. Es kann sich hierbei z. B um Fälle aus den Hilfen zur Erziehung, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Behindertenhilfe handeln.

 

Wenn im Kinderschutz Grenzen überschritten werden…

Herausforderungen grenzenüberschreitenden Kinderschutzes

  • Sprache, Klischees und Vorurteile
  • Konzepte von Familie
  • Vorstellungen von Kindeswohl
  • Kooperation mit unbekannten Fachleuten und Organisationen
  • Ausländische Rechts- und Hilfesysteme
  • Gültigkeit gerichtlicher und behördlicher Entscheidungen
  • Zeitliche Verzögerungen (Übersetzungen etc.)
  • Internationales Recht ist zu beachten

 

Projektziele

Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt EUR&QUA darauf ab, eine gemeinsame Kultur der Gewährung sozialer Hilfen auf der Grundlage des internationalen Kinderschutzes zu schaffen und eine gemeinsame Ethik zu etablieren, die disziplinäre Grenzen, Sektoren und Territorien überschreitet. Die Verbesserung des gegenseitigen Wissens über die sozialen Hilfen in der Großregion und eine verbesserte Koordinierung zwischen den Sozial- und Gesundheitsdiensten im Grenzgebiet trägt zu einem grenzübergreifenden Dienstangebot bei. Gleichzeitig erhöht dies die Leistungsfähigkeit der Fachkräfte.

Im Projekt arbeiten Institute, soziale Träger, wissenschaftliche und strategische Projektpartnern transparent und kollegial zusammenarbeiten.

 Zur Umsetzung dieser Ziele werden innerhalb des Projekts fünf Aktionen durchgeführt: 

  • Identifizierung von Verfahren und Interventionsprozessen, die die grenzenüberschreitende Hilfe erleichtern oder erschweren. ▪
  • Weiterentwicklung und Qualifizierung der grenzenüberschreitenden Praxis.
  • Konzeptionierung eines Ausbildungsprogramms für Fachkräfte im Bereich des grenzenüberschreitenden Kinderschutzes.
  • Erstellung einer Plattform zur Vernetzung von sozialen Diensten aus der Großregion. ▪
  • Erstellung einer Website mit allen wichtigen Kontaktdaten und umfassenden Informationen zu grenzenüberschreitendem Kinderschutz.

 

Partnerschaften