Oberstaatsanwalt spricht über NSU-Prozess

ab 05.12.2019 18:15
Vortrag | Diskussion

In einem Vortrag an der Universität Trier erzählt Jochen Weingarten, wie er den Prozess persönlich erlebt hat. Auch auf Kritik an den Ermittlungen wird er eingehen.

An der Universität Trier wird Jochen Weingarten, Oberstaatsanwalt beim Bundesgerichtshof, erstmals öffentlich zu seinen Erfahrungen aus dem Verfahren zur rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) berichten. Mit der Veranstaltung am 5. Dezember um 18 Uhr knüpfen das Institut für Deutsches und Europäisches Strafprozessrecht und Polizeirecht (ISP) der Universität Trier, das Fach Strafrecht und die juristische Hochschulgruppe ELSA-Trier an einen Vortrag vor drei Jahren an. Damals hatten zwei der Verteidiger von Beate Tschäpe an der Universität Trier gesprochen.

„Wir freuen uns, dass wir jetzt auch noch aus der anderen Perspektive auf den Prozess blicken können“, sagt der renommierte Trierer Strafrechtsprofessor Mark Zöller. „Mehr als sieben Jahre hat Herr Weingarten die NSU-Ermittlungen geführt, Wagenladungen an Material gesichtet und an der Hauptverhandlung mit mehr als 100 Beteiligten teilgenommen. So ein Verfahren macht man nicht alle Tage mit. Daher wird es besonders spannend sein, zu erfahren, wie er all das erlebt hat.“

In seinem Vortrag wird Jochen Weingarten unter anderem auf die Konzeption der Ermittlung eingehen und die Struktur des NSU. Aber auch Kritik an den Ermittlungen und Problemstellungen in der Hauptverhandlung werden Themen des Vortrags sein, an den sich eine Diskussion anschließt.

Damit ist der Vortrag hoch aktuell: Erst Mitte November hat der Bundestag – unter anderem aufgrund der Erfahrungen im NSU-Prozess – eine Reform der Strafprozessordnung beschlossen. Im NSU-Prozess hatte jeder Nebenkläger einen eigenen Anwalt. Jetzt kann das Gericht einer Gruppe von Nebenklägern mit gleichen Interessen einen gemeinsamen Anwalt beiordnen. Das verringert die Gesamtzahl der am Prozess Beteiligten.

Jochen Weingarten hat an der Universität Bonn Jura studiert und unter anderem in der Terrorismusabteilung der Bundesanwaltschaft gearbeitet, bevor es zum Staatsanwalt beim Bundesgerichtshof ernannt wurde. Als einer der Sitzungsvertreter der Bundesanwaltschaft hat er an dem NSU-Verfahren vor dem Oberlandesgericht München von Beginn an teilgenommen und das Schlussplädoyer zu vier der fünf Angeklagten gehalten. Derzeit arbeitet er in der für Revisionsverfahren zuständigen Abteilung der Bundesanwaltschaft.                                                       

Kontakt: Institut für Deutsches und Europäisches Strafprozessrecht und Polizeirecht (frankv@uni-trier.de)
Anmeldung erforderlich: Nein
Kosten: Nein
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