Ann Cotten: Kalifornische Erkundungen

12.06.2019, 18:15–20:15 Uhr
Vortrag | Diskussion

In ihrer Poetikvorlesung spricht die bekannte Dichterin Ann Cotten über verschiedene Arten sprachlicher Kommunikation, unterlegt durch ihre Gedichte.

In ihrer Poetikvorlesung berichtet Ann Cotten von ihren Erfahrungen mit den verschiedenen Arten sprachlicher Kommunikation, die sie im Herbst 2018 bei ihrem Aufenthalt als Stipendiatin an der Villa Aurora in Los Angeles machen durfte. Schwerpunkt des Projektes war es, der vielstimmigen Immigrationsgeschichte Kaliforniens und des Prozesses der „Quasi-Exilierung“ der Ureinwohner – einer ganz anderen Art von Innerer Emigration als in Deutschland und Österreich verschlagwortet – nachzuhorchen. Dabei wird Cotten direkt aus ihrer aktuellen Arbeit vortragen: Einem noch formoffenen Dossier, das dokumentiert, wie jenseits der deklarativen Sprache, die gesellschaftlichen Emanzipationsbewegungen ebenso wie subkulturell agierenden Rappern oft zu eigen ist, eine Vielfalt der Möglichkeiten lebt, Widerspruch, Einspruch, eigene Versionen, Kollektivitäten und eigenen Raum zu behaupten oder erst zu schaffen. Ebenso wird der Rekurs auf das Schweigen betrachtet, dabei auch Orte und Topoi zu meiden; eine kommunikative Strategie, die viele Frauen, gesellschaftliche Randgruppen und sonstige, subversive Individuen verfolgen. Gleichzeitig erscheint es vielen Menschen aus eben diesen Gruppen - aus philosophischen wie emotionalen Gründen –  nicht unbedingt ratsam oder verlockend, den Weg der Selbsterhöhung einzuschlagen.

Aufgezeigt wird zudem, wie Cottens inhaltliche Arbeit durch ihre eigene Herkunftsgeschichte beeinflusst wird, ebenso wie durch ihre langjährige und mitunter vergeblich erscheinende Beschäftigung mit der japanischen Sprache, wie sie von ihr in Jikiketsugaki (2016) dokumentiert wurde.

Zur Biographie: Ann Cotten, geboren 1982 in Iowa, lebte von 1987 an in Wien, seit 2006 in Berlin. Sie studierte Germanistik und schloss ihr Studium mit einer Arbeit über die Liste in der Konkreten Poesie. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Reinhard-Priessnitz-Preis, dem Clemens-Brentano-Preis, dem Adelbert-von Chamisso-Preis, dem Klopstock-Preis und dem Hugo-Ball-Preis. Seit 2017 ist sie Mitglied der Berliner Akademie der Künste, 2018 hatte sie ein Stipendium in der Villa Aurora, Los Angeles

Kontakt: Fechner, Matthias, Dr. (fechner@uni-trier.de)
Anmeldung erforderlich: Nein
Kosten: Nein
Weitere Informationen:

Zur Übersicht