Veranstaltungskalender

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Einheit der Vernunft? Probleme und Perspektiven der dritten Kritik Kants

16.09.2020 14:00–18.09.2020 14:00
Tagung | Konferenz

9. Trierer Kant-Kolloquium Einheit der Vernunft? Probleme und Perspektiven der dritten Kritik Kants Aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten wird um Anmeldung gebeten

9. Trierer Kant-Kolloquium Einheit der Vernunft? Probleme und Perspektiven der dritten Kritik Kants 16.–18. Sept. 2020 an der Universität Trier

Organisation: Kristina Engelhard, Gianluca Sadun Bordoni, Dieter Hüning & Stefan Klingner

Die Kritik der Urteilskraft ist mit Blick auf die verhandelten Themen sicher eine der reichhaltigsten Schriften Immanuel Kants. In ihr finden sich nicht weniger als eine Analyse der Eigenart ästhetischer Urteile und des in ihnen zum Ausdruck kommenden Wohlgefallens, eine Untersuchung des Gefühls des Erhabenen, eine Theorie schöner Kunst, eine differenzierte Naturteleologie samt Bestimmung ihres Verhältnisses zur Naturwissenschaft, einige geschichtsphilosophische Überlegungen sowie die Skizze einer kritischen Moraltheologie. Vor allem aber
beansprucht Kant mit ihr, sein „ganzes kritisches Geschäft“ (KU 05: 170) zum Abschluss gebracht zu haben. Dieser Anspruch ist in der besonderen Funktion begründet, die ihm zufolge eine „Kritik der Urteilskraft“ im System der Philosophie einnimmt: Sie sei zwar kein eigenständiger Teil desselben, habe jedoch die Aufgabe, ausdrücklich dasjenige aufeinander zu beziehen, was infolge der „Einteilung der Philosophie in theoretische und praktische“ (ebd.) auf den ersten Blick bloß nebeneinandersteht: Natur und Freiheit, Verstand und Vernunft, Sinnliches und Intelligibles, theoretische und praktische Vernunft. Bereits in dem berüchtigten Brief an Carl Leonhard Reinhold vom 28.12.1787, in dem Kant erstmals „eine neue Art von Principien a priori“ (Br 10: 414) ins Spiel bringt, wird einer dritten ‚Kritik‘ eine Mittelstellung zwischen theoretischer und praktischer Philosophie und damit eine vermittelnde Funktion zugeschrieben. Und tatsächlich schreibt Kant dann auch im neunten Abschnitt der Einleitung der 1790 endlich erschienen Kritik der Urteilskraft: „die Urtheilskraft [macht] den Übergang vom Gebiete des Naturbegriffs zu dem des Freiheitsbegriffs möglich“ (KU 05: 196). Diese Kennzeichnung ist einerseits verheißungsvoll, andererseits nicht ganz einfach zu verste-hen. Wenigstens vier Problemkomplexe liegen auf der Hand: 1. Wie ist die zugeschriebene Funktion genauer zu verstehen? Was heißt im Kontext kritischen Philosophierens ‚Vermittlung‘, ‚Übergang‘ oder ‚Einheitsstiftung‘? 2. Was genau wird hier miteinander zusammengebracht? Theoretische und praktische Philo-sophie, Natur und Freiheit, verschiedene ‚Welten‘, ‚Aspekte‘ oder ‚Vermögen‘? 3. Wo genau findet sich im Text die eigenartige Funktion der dritten Kritik? In deren Einleitung(en), erstem oder zweiten Teil – oder in allen? 4. Wie passt die Übergangskonzeption der dritten Kritik zu den bereits in der ersten und zweiten Kritik – etwa im Kanon-Kapitel oder im Anschluss an die Postulatenlehre – geäußerten Ansprüchen, das gesamte Vernunftvermögen ‚ausgelotet‘ zu haben? Die mit der besonderen Funktion der Kritik der Urteilskraft verbundenen Perspektiven sind nicht weniger aussichtsreich, als die angezeigten Probleme schwierig sind. So vermag sie vielleicht den Schlüssel für eine vollständige Theorie der Subjektivität oder gar kritische Metaphysik bereitzustellen, wie etwa ihr großer Einfluss auf einige Idealisten und Neukantianer zeigt. Zudem scheint mit der dritten Kritik ein weiterer Fortschritt in Kants philosophischer Entwicklung markiert zu sein, der auch aus werkgeschichtlicher Perspektive nicht ganz unbedeutend sein dürfte.

Kontakt: Dieter Hüning (huening@uni-trier.de)
Anmeldung erforderlich: Ja
Informationen zur Anmeldung:

Aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten wird um Anmeldung unter huening@uni-trier.de gebeten.

Kontakt für die Anmeldung: huening@uni-trier.de
Kosten: Nein
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