Was ist translationale Forschung?

Unter translationaler Forschung verstehen wir Forschungsprojekte, die auf psychologischer Grundlagenforschung basieren und darauf aufbauend neue Methoden zur Prävention und Behandlung von gleichzeitig auftretenden psychischen Problemen und chronischen primären Schmerzen generieren.


Interozeption

Was ist Interozeption?

Das breite und spannende Themengebiet der Interozeption ist eines der Hauptforschungsgebiete der Abteilung. Unter Interozeption versteht man den Prozess, mit dem das Nervensystem Signale vom Körperinneren wahrnimmt, interpretiert und integriert. Dieser Prozess liefert unserem Gehirn Informationen über den Zustand unseres Körperinneren, z.B. unseres Herzschlags, unserer Temperatur etc. Interozeption umfasst nicht nur die afferente Weiterleitung von Signalen aus dem Körperinneren. Tatsächlich nimmt man heute an, dass unser Gehirn diese Signale bewusst integriert, indem es Informationen aus dem Körperinneren wahrnimmt und diese Empfindungen unter der Berücksichtigung von vorherigen Erfahrungen interpretiert. Kognitive und emotionale Prozesse spielen daher bei der Interozeption eine zentrale Rolle.

Forschungsfragen zum Thema

Unsere Abteilung bewegen Forschungsfragen, wie:

  • Ab welchem Alter können Kinder körpereigene Empfindungen akkurat wahrnehmen?
  • Hängt die Fähigkeit zur Interozeption auch bei Kindern mit emotionalen Prozessen, wie der Emotionsregulation, zusammen?
  • Ist eine veränderte Interozeption (z.B. eine reduzierte Genauigkeit in der Wahrnehmung) möglicherweise ein Mechanismus, der die Komorbidität zwischen chronischen primären Schmerzen und psychischen Problemen erklären kann?

Interozeption bei Kleinkindern unter Stress

Das Projekt Interozeption bei Kleinkindern unter Stress ist die Pilotstudie der Kindliches Körpergefühl-Projekte und hat zum Ziel, erste Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Stresserfahrungen bei Kleinkindern und der Wahrnehmung von körpereigenen Empfindungen zu erhalten. [Mehr lesen]

Interozeption bei Kleinkindern (Kindliches Körpergefühl)

Unter Interozeption bei Kleinkindern (Kindliches Körpergefühl) sind Folgeprojekte zu Interozeption bei Kleinkindern unter Stresszu finden. Ziel des aktuellen Projektes Multimethodale Erfassung der Interozeptiven Genauigkeit bei Vorschulkindern ist es, die Fähigkeit zur Wahrnehmung von körpereigenen Empfindungen von Kleinkindern durch verschiedene Paradigmen zu erfassen. Der Zusammenhang zu emotionalen Prozessen wird ebenfalls untersucht. Im Projekt Multimethodale Erfassung der Interozeptiven Genauigkeit im Erwachsenenalter werden verschiedene Paradigmen zur Interozeptiven Genauigkeit an Studierenden vergleichend untersucht, sowie Zusammenhänge zu emotionalen und körperlichen Prozessen erforscht. [Mehr lesen]


Chronische Schmerzen und Angstreaktionen bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen primären Schmerzen

Chronische Schmerzen und Angstreaktionen

In Fragebogenstudien berichten Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen sehr häufig von parallel auftretenden Angstsymptomen bis hin zu ausgeprägten Angststörungen. Unklar ist bisher, wie diese Komorbidität zustande kommt. Ein Forschungsbereich, dem sich unsere Abteilung widmet, ist eine spezifische Form der Angst, nämlich die Angst vor körpereigenen Empfindungen („interoceptive fear“).

Forschungsfragen zum Thema

Fragen, denen wir uns in diesem Forschungsbereich widmen, sind:

  • Haben Kinder mit chronischen primären Schmerzen Angst vor ihren eigenen körpereigenen Empfindungen?
  • Zeigen betroffene Kinder auch Angstreaktionen, wenn sie sich die körpereigenen Empfindungen lediglich vorstellen sollen?

Aktivierung des Defensivsystems als Reaktion auf Provokation und Imagination von interozeptiven Empfindungen bei Jugendlichen mit chronischen Schmerzen und Gesunden

Chonischen Schmerzen auf der Spur - Starke und unkontrollierbare akute Schmerzen können ein furchterregendes Erlebnis sein, welches eine sofortige Defensivreaktion nach dem Threat Imminence Modell auslöst. Bei Kindern mit chronischen Schmerzstörungen können interozeptive Empfindungen, die parallel zum Schmerz auftreten, zu konditionierten Auslösern der Defensivreaktion werden. Diese kann zu stärkeren Schmerzen, Beeinträchtigung und einer Erwartungsangst mit Vermeidungsverhalten führen. [Mehr lesen]


Laientheorien und Schmerzkonzepte

Was sind Laientheorien?

Unter Laientheorien versteht man die Annahmen, die Kinder und ihre Bezugspersonen über psychische Störungen und chronische Schmerzen haben. Nach wie vor besteht ein großer Gap zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den beiden Problembereichen und den Laientheorien der Kinder und ihrer Bezugspersonen. Dieser Wissensmangel ist auch bei psychologischem/medizinischem Fachpersonal ersichtlich. Der Wissensmangel bzw. vorliegende Misskonzepte behindern eine angemessene Behandlung der betroffenen Kinder.

Forschungsfragen zum Thema

In diesem Themengebiet bewegen uns Forschungsfragen, wie:

  • Welche Schmerzkonzepte (Wissensstrukturen) haben Kinder mit und ohne chronische Schmerzen? Welche haben ihre Bezugspersonen?
  • Welche Schmerzkonzepte haben Behandelnde, wie z.B. niedergelassene Psychotherapeut/innen?
  • Wie lassen sich Misskonzepte zum chronischen Schmerz verändern?

Neurophysiology of Pain Questionnaire (NPQ) – deutsche Version

Der Neurophysiology of Pain Questionnaire (NPQ) soll dabei helfen, einzuschätzen, welche Konzepte Erwachsene zu neurobiologischen Mechanismen ihrer Schmerzen haben. [Mehr lesen]

Assessment of bio-psycho-social pain concepts

In diesem Projekt haben wir einen neuartigen Fragebogen für die Erfassung von bio-psycho-sozialen Schmerzkonzepten entwickelt, basierend auf dem bio-psycho-sozialen Modell chronischer Schmerzen. [Mehr lesen]