Jubiläumsnotizen

Was macht die Universität Trier besonders? Wie feiern wir das Jubiläum der Universität Trier? In Anknüpfung an die Kampagne Trier-Gefühl begleitet Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel in dieser Serie bis zum Silvestertag 2020 das Jubiläumsjahr mit Notizen und Gedanken.

Freundliche Signale

Wer gelegentlich zweifelt, wo sich das Hauptportal der Universität Trier denn eigentlich befindet, der möge nachforschen, wo dieses Bild entstanden ist. Natürlich wird das einfache Rätsel hier sogleich aufgelöst: Zu sehen ist ein besonderes Kunstwerk, dessen bunte Säulen – Betonzylinder – eine Verbindung zu der natürlichen Umgebung der Universität herstellen sollen. 37 Zylinder sind es übrigens, die vor dem aufgefrischten Eingangsbereich des A/B-Gebäudes ihren Platz gefunden haben. Gleich gegenüber steht ein Signal, das die Richtung weist. Die Farben im Außenbereich greifen die Farben des Innenraums auf. Das Ergebnis ist eine freundliche Empfangsqualität. Zugleich lautet die Botschaft: Wo es blüht, da ist auch Leben.

 

Paradoxe Welt

Noch vor wenigen Wochen sorgten wir uns um das Wiederaufleben der Grenzen in Europa, gerade in unserer Region. Die Feierlichkeiten zu „35 Jahre Schengen“ haben auch noch einmal an diese Einschränkungen erinnert. Ein „Jubiläum in stürmischen Zeiten“ sei es. Auch wir erleben als Universität ein bewegtes Jahr, in dem bislang gleichwohl wenig von (physischer) Bewegung zu spüren war. Ein digitales Semester lässt uns erfahren, was Studieren auf engstem Raum bedeuten kann. Aber am Eingang zur Universität, dort, wo die Schranken sich nur im Falle einer Zugangsberechtigung öffnen, da steht nun alles auf „grün“. Noch nie war so viel Parkplatz. Nach der Pandemie wird es wohl wieder geregelter zugehen müssen, aber wir werden auch mehr über unsere Mobilität nachdenken.

Lautstarke Gäste

Ganz so ruhig wie in den Anfangstagen der Corona-Pandemie ist es an der Universität nicht mehr, aber insgesamt doch relativ geräuscharm. Von den letzten Arbeiten an der Fassade des V-Gebäudes vernimmt man gelegentlich sehr durchdringende Schleiftöne, um die Mittagszeit wird die Forumsplatte auch mal wieder ein Ort, an dem auf Distanz Gespräche geführt werden. Doch manchmal melden sich die Nilgänse mit ihrem nicht gerade freundlichen Lautrepertoire, als wollten sie uns mitteilen, wer in diesem Revier nun den Ton angibt. Aber zugleich rufen solche Beobachtungen auch in Erinnerung, wie natürlich dieser Campus doch ist. (Foto: Dr. Christian Rollinger)

 

Neue Bewohner

Ein deutsches Sprichwort sagt: „Besser ohne Fest als ohne Nest.“ Kaum, dass wir weitere Veranstaltungen des Jubiläumsjahrs absagen mussten, da erreichte mich dieses Bild. Da hat sich ein Meisenpärchen einen ungewöhnlichen Platz auf dem Campus ergattert. Ein Lob dem aufmerksamen Beobachter. Man möchte sich gar nicht ausmalen, wie dunkel es wohl in diesem Nest sein wird und wie es um die Qualität der Luft bestellt ist usw. Die Gattung „Kohlmeise“ wird mit einem Aschenbecher ja nun nicht in Verbindung gebracht. Eher sollten wir uns daran erfreuen, dass uns in diesem Fall begnadete Sänger der Vogelwelt beehren. Wenn es sich um  – eher unwahrscheinlich – Blaumeisen handelt, dann hat sie der farbliche Hintergrund vielleicht dazu inspiriert, durch dieses Loch zu schlüpfen. NABU jedenfalls erklärt, dass Meisen sich in der Nachbarschaft von Menschen wohlfühlen. Fiderallala.

Wallpaper-Panorama

Die Konzentration versammelt sich nicht im Hörsaal oder Seminarraum, sie wird auf kleinen und großen Bildschirmen vereint. Häufig geht der Blick an der Kamera vorbei, Augenkontakt ist ein Ergebnis von Feinjustierung. Die Hintergründe werden ebenso studiert wie das Thema, das zusammenführte. Die geteilte Aufmerksamkeit ist sprichwörtlich als Oberfläche präsent. Die Körpersprache ist Teil der Botschaft. Ein Randphänomen der Kommunikation wird zu einem zentralen Treffpunkt. Im Jubiläumsjahr werden die Termine neu und flexibel verteilt.

Warum passt ein Springbrunnen zur Universität?

Manche Orte wirken wie ein Magnet. In Parks und auf öffentlichen Plätzen entfaltet Wasser eine große Anziehungskraft. Als eines der vier Elemente erinnert es uns an Leben, an Vitalität, an Bewegung. Ein Springbrunnen sorgt für ein wiederkehrendes Geräusch und hat – überwiegend – beruhigende Effekte. Eine Fontäne vermittelt aber auch das Geduldige, sie steht für Kontinuität, vergleichbar einer Kugel, die sich dauernd dreht oder eben einer Universität, die in Bewegung ist. Mit der Jubiläumsfahne, den farbenfrohen Kunstwerken und dem renovierten blauen Rund wird der Eingangsbereich des Hauptgebäudes A/B hoffentlich bald zu einem beliebten Frühlings- und Sommertreff. Und die Ruhe dieses sonnigen April-Tags wird uns an eine Zeit erinnern, die von der Leere lebte.  

Neues Zuhause

Dem Campus der Universität hat das Programm „Kunst am Bau“ zu einer nicht unwesentlichen Zahl an Kunstobjekten verholfen. Der Staat verbündet sich als Bauherr mit der Kultur und gibt ihr einen Ort. Eine Campus-Tour zu diesen Skulpturen und Installationen lohnt sich. Jedes ist mit einem QR-Code versehen, der, weil encodiert, auch decodiert werden kann. Aber manchmal wird die Kunst im öffentlichen Raum auch gut versteckt oder findet eine Heimat dort, wo unsere Blicke normalerweise nicht hinfallen. Viele Jahre stand „Das Boot“ von Rainer Henze auf der Dachterrasse des Bibliotheksgebäudes. Nun hat es, weil neue Arbeitsräume für Studierende entstehen, im Jubiläumsjahr unterhalb der Forumsplatte „angelegt“. Ein symbolträchtiges Motiv – insbesondere in diesen ersten April-Tagen, die uns mehr Gewissheit über den weiteren Kurs in einer schweren Krise geben sollen.

Ein seltener Moment

Am Wochenende waren in Berlin manche Fotografen unterwegs, vor allem zu symbolischen Orten. Wann ist das Brandenburger Tor oder der Gendarmenmarkt schon einmal menschenleer? Am 23. März bezeichnete die FAZ Edward Hopper als den „Illustrator der Corona-Krise“, weil er den leeren Raum so gut darzustellen wusste. Bilder der Leere – von Schulen, Hörsälen, Innenstädten, Konzertsälen, Denkmälern und berühmten Flaniermeilen – begleiten den Ausnahmezustand. Irgendwann werden uns diese Motive an eine traurige, aber auch kreative Zeit erinnern. Auch dieses Bild von der Forumsplatte …

Blumen Uni Trier

Das nenne ich Wertschätzung!

Zu den Opfern der jetzigen Verzichtsphase gehören auch die kleinen Blumenläden. Blumen und Pflanzen sind auffällige Botschafter. Sie stehen für Wertschätzung, verschenkt als Gabe an Dritte symbolisieren sie Aufmerksamkeit. Unsere Gärtner an der Universität Trier sind sehr engagierte Begleiter des Universitätsalltags und des Jubiläums. Ich kann mir unseren grünen Campus ohne unsere „grünen Gestalterinnen und Gestalter“ nicht vorstellen. Gäbe es die „grünen Engel“ nicht bereits als wichtige Helfer im Gesundheitswesen, dann hätte ich den Begriff sofort für unsere Mitarbeitergruppe verwandt. Denn für unseren Campus gilt: „Die Blumen machen den Garten, nicht der Zaun.“

Einsame Stelen

Vieles muss in diesen Tagen ohne Öffentlichkeit stattfinden. Nur die Medien machen eine Ausnahme. Der Kalender der 12. Woche des Jahres 2020 besteht fast ausnahmslos aus Terminstreichungen. So stehen nun beispielsweise seit dem 16. März die neuen Info-Stelen zu Wirkungsstätten der alten Universität einfach so in der Stadt, „klanglos“ wurden sie Teil des Vorplatzes des Simeonstifts, des Eingangsbereichs der alten Universität in der Dietrichstraße und des Eingangsportals am Bischöflichen Priesterseminar. Aber sie werden ihr Publikum bekommen. Denn sie verdanken ihre Entstehung auch dem Freundeskreis der Trierer Universität. Und gute Freunde können eben auch einmal geduldig sein.

 

Eine Assistententagung mit Format …

… und in gleicher Weise eine Assistentinnentagung. Ein „ausbalanciertes“ Tandem eröffnete diese Jubiläumsveranstaltung in den Thermen am Viehmarkt, ein gelungener Auftakt, ein herausforderndes Thema („Der digitalisierte Staat“), ein rundes Programm in inhaltlicher und organisatorischer Hinsicht. Trier durfte das Traditionsformat mit dem eigenen Jubiläum verbinden. Eine schöne Allianz, die es zusammen auf 110 Jahre bringt. Stolz darf vor allem das Trierer Team sein. Sie haben die Universitätsstadt Trier sehr gut präsentiert, einem 60. Zusammentreffen sehr würdig und mit vorausschauenden Themen.

 

Spieglein, Spieglein an der Wand

Der Frühjahrsputz im Jubiläumsjahr hat bereits begonnen. Das Ergebnis ist erstaunlich. Einiges glänzt bereits und auch die stark verwitterten Bereiche werden sich bald wieder von ihrer schönen Seite zeigen können. Selbst verborgene Regionen werden nicht ausgelassen. Gründlicher geht es kaum. Dann wird V ein Spiegelbild von A und B sein. Und perspektivisch werden sich irgendwann weitere Gebäude über eine Fassadenmassage freuen dürfen. Aber wie lautet bereits jetzt die Antwort auf: „Spieglein, Spieglein an der Wand …“? „Der schönste Campus im ganzen Land.“

Einer der Baumeister

Wird dieses große Projekt gelingen? Viele folgen - auf diesem Foto zu sehen – den Ausführungen des Leitenden Baudirektors Weinspach, der das große Vorhaben auf der Tarforster Flur mit einer für solche Anlässe typischen Handbewegung erläutert. Ganz rechts steht Arnd Morkel, der zur damaligen Zeit (1973) Vizepräsident der Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern war. Er hat dafür gesorgt, dass der Dampf im Kessel blieb und vieles aus dem Modell Wirklichkeit wurde. 1975 wählte der Senat der dann unabhängigen Universität Trier ihn zum ersten Präsidenten. Im Jubiläumsjahr verstarb der Ehrenbürger der Universität am 11. Februar 2020 kurz vor Vollendung des 92. Lebensjahrs.

Eine besondere Violine

Kaum war der letzte Ton der Violine aus dem Rondo Capriccioso verhallt, folgte minutenlanger Applaus. Der Konzertmeister des WDR-Sinfonieorchesters, Slava Chestiglazov, gastierte im Audimax der Universität Trier und begeisterte mit dem Orchester des Collegium musicum das Publikum. Das Semesterabschlusskonzert war am 16. Februar wieder ausverkauft. Als Dank folgte ein Stück von Paganini, das er häufig in Wettbewerben spielte. Und er hat bereits an vielen Wettbewerben sehr erfolgreich teilgenommen. Dieses Mal also spielte er außer Konkurrenz in einer angenehmen Atmosphäre: Es erklang eine besondere Violine (aus dem 18. Jahrhundert) einer besonderen Persönlichkeit. Sein Lehrer saß dieses Mal nicht im Publikum, aber es hätte ihm wohl auch sehr gefallen.

L – 50: ein kreatives Studiwerk

Die Freunde einer süßen Zwischenmahlzeit hatten die Ankündigung natürlich nicht verpasst. Der Jubiläumskuchen, den die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs präsentierte, war ja nur einem eher kleinen Kreis von Gästen vorbehalten. Jetzt sollte es nach dem Motto „Wer zuerst kommt, der ..“ erfolgen. Und was heißt hier zuerst: Weniger als 15 Minuten vergingen zwischen dem Anschnitt der Geburtstagstorte und der Überreichung des letzten Kuchenstücks. Eine große Menschentraube gab dem kleinen Ereignis einen schönen Rahmen. So etwas macht eben schnell die Runde und es war auch eine runde Sache. Zugleich trafen sich Triers Tradition (das L stand für die römische 50) und das Jubiläumslogo bei schönstem Sonnenschein.

Jubiläumsnotizen Collegium Musicum 50 Jahre Uni Trier

Ausverkauft? Ausverkauft!

Eine europäische Premiere an einem besonderen Wochenende für Europa. Am Freitag (31. Januar) ein bis auf den letzten Platz gefülltes Audimax, am Tag darauf eine volle Kirche in Paris. Zweimal Martín Palmeris „Misa Tango“, zweimal das Orchester La Grossa, zweimal ein begeisternder Dirigent (Mariano Chiacchiarini) und eine beeindruckende Solistin (Agnes Lipka). In Trier ein Chor des Collegium Musicum, der klanglich und zahlenmäßig neue Maßstäbe setzte; in Paris eine dt.-frz. Chorverbindung: Chapeau! Im wahrsten Sinne des Wortes eine Jubiläumsbotschaft mit besonderer Note!

Was für eine Tradition!

Das Jubiläum der Wiedergründung der Universität Trier ist unschwer festlegbar. Das war 1970 und wir haben jetzt 2020. Auch das Jahr 1473 ist die klare Referenzgröße im Spätmittelalter. Wir können also in drei Jahren eine 550-Jahr-Feier folgen lassen. Denn 1973 fand ja auch eine 500-Jahr-Feier statt. Man muss nur hinzufügen, dass es eine Pause von 172 Jahren gab, die der Schließung unter französischer Herrschaft im Jahr 1798 folgte. Aber Gründung ist Gründung. Zudem soll es ja auch zur römischen Zeit in Trier eine akademische Einrichtung gegeben haben. Ein Gesetz aus dem Jahr 376 n. Chr. legt für die Hochschulen in den gallischen Städten die Besoldung der Lehrer fest: Rhetorik, Latein und Griechisch werden als Fächer aufgeführt. Und in Trier hat es wohl besonders gute Einkünfte gegeben. In den Wirren der Völkerwanderung fand diese Schule ein Ende. In Trier kommen also offenbar viele Traditionslinien zusammen. Feierliche Anlässe ließen sich somit vielfältig begründen.

Wie süß die Wissenschaft doch sein kann!

Wir kennen die fröhliche Wissenschaft (Nietzsche), wir kennen die ernsten Töne (Max Webers „strenge Spezialisierung“), wir kennen die Appelle an Verzicht und Disziplin (Thomas von Aquin), aber wir kennen auch die schöne Idee des Symposiums. Dass ein Begriff, der für das gemeinsame und gesellige Trinken stand, eine Bezeichnung für wissenschaftliche Konferenzen wurde, ist durchaus als erfreulich einzustufen. Wenn ein Jubiläumsjahr dann auch noch das Konditorhandwerk zu besonderen Leistungen antreibt, dann bekommt man doch erst recht auch Appetit auf Wissenschaft.

Wir wollen doch Brücken bauen!?

Eine beliebte Metapher, dieses Bauen von Brücken. Wenn Konflikte eskalieren, soll es helfen; die Wissenschaft nennt es Transfer; die Politik will Grenzen überwinden. Und manche wollen einfach nur über eine Brücke fahren oder gehen können. Wer den Campus der Universität Richtung Kohlenstraße verlässt oder von dort den Campus betreten möchte, kann mal wieder ein Drama der besonderen Art bestaunen: Erst lag sie, dann hing sie, jetzt sperrt sie. Auch im Jubiläumsjahr muss daher die Frage erlaubt sein: Wie wäre es mit einer Seilbahn?

Was geht eigentlich mit AStA?

Cineasta = großes Kino; Basta = große Entschlossenheit; Hasta la vista = große Treffen; Astarix = große Pasta; Astana = großes Zentrum;  Astaire = großer Tanz; Canasta = große Spiele; Castaway = große Freiheit; Kastanie = große Leckereien; Lastauto = große Hilfe; Megastar = große Konzerte; Tastatur = große Künstler; Astatisch = großer Schutz; Glastafel = große Perspektive; Primastar = große Bewegung; Zahnpasta = großes Vorbild; Extrastark = großer Mut; Rastalocke = große Mode; Gastanstalt = großer Partner; Kontrastarm = große Homogenität; Palastartig = großes Haus; Kamerastativ = große Beobachter; Nirostastahl = große Stabilität; Lastabwurfrelais = großer Kummerkasten.

Wie Trier ist das denn!

Allerhand, bekannt, charmant, dabei, erfinderisch, fair, geerdet, hochsinnig, international, jung, kritisch, luftig, musikalisch, neugierig, offen, poetisch, quirlig, römisch, sportlich, typisch, umtriebig, verbindend, weltoffen, xtrem, ydillisch, zelebrierend.