AA 2020_15
Die Zukunft der Demokratie

FormVortragsreihe | 5x2 h (10 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten)
TermineWir informieren Sie baldmöglichst, ob die Vortragsreihe auf das Wintersemester verschoben werden kann, möglichst unter Beibehaltung von Zeiten, Umfang und Frequenz (Do, 14-16 Uhr, 5x2 h, unregelmäßig). Die neuen Termine werden dann dementsprechend bekanntgegeben
OrtUniversität Trier, Raum wird rechtzeitig bekanntgegeben
LeitungWiss!WB
Kosten

40,-- €
Anmeldeformular (Download) | Online-Anmeldung (Link)

SonstigesDie Vorträge können für 10 € / Termin auch einzeln gebucht werden. Studierende, Auszubildende, SchülerInnen frei.

In unserer kleinen Reihe zur Zukunft der Demokratie beschäftigen wir uns aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven mit dem Entstehen neuer sozialer Gruppierungen bzw. „Bewegungen“ und neuer Kommunikationsformen über das Internet und die Sozialen Medien. Im Mittelpukt steht dabei die Frage, wie sich diese Entwicklungen auf unser demokratisches Gemeinwesen auswirken. Ist unsere Demokratie in Gefahr?

Donnerstag, 16. April 2020, 14:00 Uhr, Raum C 1:

Prof. Dr. Roland Eckert (em.), Soziologie:
Der Kampf um Zugehörigkeit, das Internet und die Demokratie

An das Internet knüpfte sich die Hoffnung, ein allseitiger Diskurs werde der Demokratie zum Durchbruch verhelfen. Heute wird sichtbar, dass sich die politischen Konfliktlinien verschärfen. Plattformen und Foren verstärken die Gegensätze in Filterblasen und Echokammern. Begeisterung, Stolz, Wut und Hass halten die Nutzer im Netz, breiten sich aus und werden schließlich zu Gesinnungsgemeinschaften. Damit ist die Artikulation politischer Positionen in der Öffentlichkeit leichter, deren Aggregation zu Entscheidungen in Parlament und Regierung schwieriger geworden. Volksparteien verlieren, Programmparteien gewinnen. Zudem wird sich angesichts der ökologischen Krise die Möglichkeit verringern, über die Verteilung von Zugewinn gesellschaftliche Konflikte ruhig zu stellen. Wie wollen wir damit umgehen?

Donnerstag, 23. April 2020, 14:00 Uhr, Raum C 1:

Dr. Henning von Vieregge:
Heimat?!  – Zwischen Edelnomaden und Volkspüree

Plötzlich heimatet es allenthalben. Ein Begriff kehrt nach jahrelangem Exil zurück auf die oberste Agenda des politischen Diskurses. Was steckt dahinter? Lässt sich der Begriff zwischen fortschrittlich getönter Besorgnis und rechtspopulistischer Funktionalisierung retten? So einfach ist die Sache nicht. Kosmopolitische Heimatverächter spielen sich auf, aus Heimatliebenden werden Heimatverlassene. Der Heimatgedanke braucht Rückendeckung, meint der Redner, und stellt sich dazu der Diskussion.

Donnerstag, 7. Mai 2020, 14:00 Uhr, Raum C 1:

Prof. Dr. Hans-Jürgen Bucher (em.), Medienwissenschaft:
Zwischen Deliberation und Emotion:
Gefährden die Sozialen Medien den demokratischen Diskurs?

Die sozialen Medien haben sich zunehmend zu einem Raum öffentlicher Meinungsbildung entwickelt. Für den Bereich der politischen Kommunikation kann die dabei faktisch vorherrschende Form der symbolbasierten Interaktion mit Hilfe des maßgeblich von Jürgen Habermas entwickelten Konzepts der Deliberation beurteilt werden. Hiernach begünstigen Twitter, Facebook, YouTube & Co. emotionalisierte, homophobe und rassistische Diskurse, was eine öffentliche Meinungsbildung gemäß den Prinzipien politischer Rationalität und logischen Argumentierens massiv in Frage gestellt. Vor diesem Hintergrund will der Vortag der Frage nachgehen, wie sich öffentliche Meinungsbildung durch die sozialen Medien verändert hat.

Donnerstag, 14. Mai 2020, 14:00 Uhr, Raum C 1:

Prof. Dr. Claudia Ritzi, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte:
Engagement im Netz statt in Parteien? Die Krise der Parteiendemokratie
und die Relevanz partizipatorischer Innovationen

Experten attestieren der Qualität der Demokratie in Deutschland und anderen westlichen Staaten gute Werte, dennoch wenden sich viele Bürgerinnen und Bürger von der Politik ab. Vor allen parteipolitisches Engagement hat in den letzten Jahren an Zuspruch verloren, stattdessen gewinnen neue Beteiligungsformen im Internet massiv an Bedeutung. Der Vortrag beleuchtet diese Entwicklungen anhand empirischer Daten und diskutiert, welche Konsequenzen sie für die Gegenwart und Zukunft der repräsentativen Demokratie haben.

Achtung!
Der letzte Vortrag findet an einem Dienstag statt:

Dienstag, 23. Juni 2020, 18 Uhr c.t., Raum B 18:

PD Dr. Dr. Massimiliano Livi, Neuere Geschichte | UniGR-Center for Border Studies:
Demokratie, Identitäten und (neue) Zugehörigkeit oder:
Wie viel Gemeinschaft verträgt die Demokratie?

Nicht nur im alltäglichen Diskurs und in der Werbung scheint der Individualismus an Strahlkraft zu verlieren. Auch die sozialwissenschaftliche Forschung konstatiert eine »Rückkehr des Kollektiven«, die sich seit den 1980er-Jahren in unzähligen Formen erlebter Vergemeinschaftung und Gestaltung widerspiegelt. Dies betrifft insbesondere auch die (Neu)Strukturierung der politischen Parteien und die Strukturierung ihres politischen Diskurses. Was bedeutet diese Hinwendung von der Gesellschaft zur Gemeinschaft für die Politik? Am Beispiel der jüngsten politischen Entwicklungen in Italien (Lega, Movimento 5 Stelle, Sardinenbewegung) wird in diesem Vortrag eine Antwort auf diese Frage versucht, die ganz Europa betrifft.