Mitteilung des Präsidenten vom 05.08.2020

Liebe Studentinnen und Studenten, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Kolleginnen und Kollegen,

„In der Region verwurzelt und in der Welt zuhause“ – die Brücke über der Kohlenstraße „sendet“ seit Jahren diese Botschaft aus. Der lebendige Austausch zwischen den Ländern dieser Welt gehört zu den besonderen Markenzeichen der akademischen Welt. Seit März 2020 herrscht weitgehend „internationale Leere“.

Gerade die erste Augustwoche führt einem diese Leere deutlich vor Augen. Traditionell hätten wir im Rathaussaal wieder mehr als 100 Studierende begrüßt: die Ukraine und die Russ. Föderation, Taiwan und China, Türkei und Griechenland – nebeneinander in Trier vereint. Fast 40 Länder waren es beim letzten Mal. Der Internationale Ferienkurs macht unfreiwillig Pause. Ein buntes August-Element fehlt auf dem Campus und in der Stadt. Ebenso mussten gut eingeführte Summer School-Formate den Beschränkungen Tribut zollen: keine Einführung in „German Law and German Legal Methods“, kein methodisches Training in Netzwerkanalyse.

Aber Netzwerke können unter diesen besonderen Bedingungen auch helfen. Innerhalb eines Forschungsverbunds der Universität Trier wurden nun vermehrt Vorträge in Webkonferenz-Systemen gehalten. Trotz Zeitzonendifferenzen kamen Expertinnen und Experten aus Asien, den USA und Europa zusammen, um online Beiträge von Research Fellows zu hören und zu diskutieren. 1993 prägte Howard Rheingold den Begriff „virtuelle Gemeinschaft“. Wer daran teilnahm, hatte nicht notwendigerweise das Gefühl, etwas, das nur „scheinbar vorhanden“ ist, zu erleben.

„Scheinbar vorhanden“? So wird es vielleicht Austauschstudierenden ergangen sein, die wir im März noch mit einem regionaltypischen Abend begrüßten. Diejenigen, die sich mutig und mit Zuversicht auf den Weg nach Trier gemacht hatten, mussten wenige Tage danach erkennen, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Viele wurden von ihren Heimatuniversitäten zurückgerufen, wenige – nach meinem Kenntnisstand 5 – blieben, eine größere Zahl nahm von zuhause aber immerhin an den Online-Kursen teil. Unser International Office und das Studierendenwerk haben geholfen, diese „Selbstquarantäne“-Phase zu meistern. Man stelle sich das einmal vor: Eine weite Reise endet in einer kleinen Bude.

Andere waren weit gereist, um sich dann zur rechten Zeit wieder der Lehre auf dem heimischen Campus zu widmen. Letzteres misslang in mindestens einem Fall, weil es schlicht keinen Weg zurück gab. So kam es, dass zu diesem Sommersemester auch (überwiegend) asynchrone Lehrangebote aus dem Süden Kolumbiens gehörten. So dieses den Masterstudiengang „Theaterwissenschaft und Interkulturalität“ betraf, saßen die Studierenden übrigens alle in unserem Nachbarland Luxemburg. Wenn das nicht den Namen Inklusion verdient!

Das Internationale war also doch nicht so ganz weg. Es gäbe noch viele weitere Episoden zu erzählen. Eine Sache, die ich auch in den Jubiläumsnotizen festgehalten habe (https://www.uni-trier.de/index.php?id=71672), ist mir aber noch wichtig. Im vergangenen Jahr feierten die Luxemburger Studierenden das 40-jährige Bestehen ihres Vereins. Ein Staffellauf vom Campus der Universität Trier nach Luxemburg gehört eigentlich immer zu den Highlights am Ende der Vorlesungszeit im Juli. Dieses Jahr mussten wir auch hier pausieren. Aber noch ist das Jahr ja nicht zu Ende. Gerade jetzt wäre ein solches Signal der Verbundenheit so wichtig. Denn zu den Beispielen, die eine gute Tradition vermitteln, gehört es auf jeden Fall.

Cheers und Moien!

Michael Jäckel