Wie ich Japan kulinarisch zu erfahren versuchte
Japanisches Essen - Fremde - Heimat
von Vincent Lebert
Mein erster Besuch in einem japanischen Sushi-Restaurant, welches in Wahrheit ein Meeresfrüchte-Restaurant war, war mit großer Erwartung und großem Selbstverständnis verbunden. Die Erwartung bezog sich natürlich auf die Qualität des Essens, das Nationalgericht Japans, auf welches man zurecht stolz ist und welches auch Zuhause in den einschlägigen Dokumentationen mit viel Ehrfurcht bedacht wird. Mein 18-jähriges Selbstverständnis folgte zum damaligen Zeitpunkt dem Einfluss dieser rigorosen japanologischen Quellen: a) Ich weiß bereits, was Japan ist, Japan ist Sushi und das Sushi schmeckt sehr gut, vermutlich besser als das Zuhause. Nein, ganz sicher sogar. Und b) Sushi kenne ich bereits, ich habe bereits Zuhause rohen Thunfisch und Lachs gegessen, ich kenne Japan. c) Zuhause ist Zuhause und Japan ist Japan, die Differenz ist ganz natürlich.
Hier Pannfisch, Käsespätzle, Krabbenbrot, Schnitzel; da Sushi, Yakitori, Ramen und Miso-Suppe. Ich mache keinen Auslandsaufenthalt nach dem Abitur, um das herauszufinden, die Geografie muss mir niemand erklären. Zuhause ist hier und Japan ist da drüben. Also da drüben ist in diesem Moment hier, aber halt normalerweise.
Es ist schwer die Gefühle dieses ersten Aufenthaltes mit meinen Erfahrungen aus den beiden folgenden Studienaufenthalten zu vereinbaren.
Sushi (Dezember 2016) Im Bahnhof Hakata Präsentation ★★★★★ Geschmack ★★★★★ Preis ★★★☆☆ Ist Japan Zuhause ☆☆☆☆☆ |
Ich war sehr dankbar, bei diesem Besuch in Begleitung eines Bekannten aus Japan zu sein. Ich erinnere mich nicht daran, wie wir uns kennengelernt haben, aber er war so freundlich mich in sein Heimatdorf mitzunehmen und in dem berühmten lokalen Soba-Restaurant zu essen.
Das anfängliche Selbstvertrauen war zu jenem Zeitpunkt bereits verflogen, mein Mangel an Kommunikationsfähigkeit begann meinen Alltag einzuschränken, ich war frustriert und sehnte mich nach Zuhause. Ich konnte meine Soba nicht richtig selbst bestellen, ich konnte die Karte nicht lesen, ich wusste nicht, wie man Soba essen soll, ich wusste nicht, ob es mir schmeckt oder ob ich etwas falsch mache. Die Menschen, die ich kennengelernt habe, waren alle sehr freundlich, freuten sich über mein Interesse und über meine Versuche, mich mit gebrochenem Japanisch auszudrücken. In der Großstadt sprechen viele Leute wenigstens ein bisschen Englisch, aber auf dem Land fühlte ich mich sehr verloren. Es ist nicht unmöglich sich ausschließlich mit Englisch in Japan durchzuschlagen, viele Touristen tun genau das, aber auf Dauer ist die Anstrengung sehr groß. Ein Arztbesuch aufgrund einer Grippe-Erkrankung stellte damals den Tiefpunkt meiner Erfahrungen dar. Nein, vielleicht doch der Verlust meines Reisepasses am Flughafen in Nagoya. Die Polizisten sprachen kein Englisch, aber Google Übersetzer reichte im Notfall auch aus. Mein Reisepass wurde innerhalb weniger Tage an meine Adresse in Japan geschickt. Nach einigen Monaten war ich froh (trotz vieler schöner Erfahrungen) wieder Zuhause zu sein.
Soba (Februar 2017) Kleiner Ort, östlich von Fukuoka Präsentation ★★★★☆ Geschmack ★★★☆☆ Preis ★★☆☆☆ Ist Japan Zuhause ☆☆☆☆☆ |
Kapitel 2 – Bauchgefühl
Vorab ist es mir nicht wirklich aufgefallen, aber das Essen in Japan ist sehr günstig im Vergleich zu Zuhause. Und vor allem leidet die Qualität nicht darunter, es schmeckt einfach, und Tee und Wasser gibt es dazu noch kostenlos. Trinkgeld wird auch nicht gezahlt in Japan. Ich kann mich leider nicht an den Namen des obigen Ladens erinnern, aber ich bilde mir bis heute ein, dass es eine der besten Schüsseln Ramen war, die ich je gegessen habe. Vielleicht spielte in diese Einschätzung auch ein bisschen die Erschöpfung der vorhergehenden Tage rein. Lange Flugreisen habe ich noch nie gut vertragen und bei der Ankunft für meinen Studienaufenthalt in Okayama (2019/2020) war mir einfach nur schlecht.
Meine Tutorin war so freundlich mich vom Bahnhof abzuholen, aber viel reden konnte ich nicht. Auch der kleine Schock bei der Ankunft im Wohnheim (mit seinem kleinen, schmutzigen Zimmer und der nicht wirklich funktionierenden Toilette) schlug mir vermutlich ein bisschen auf den Magen, sodass ich die ersten Tage nicht wirklich Appetit hatte. Selbst wenn ich Hunger gehabt hätte, ohne Küchenutensilien gestaltet sich das Kochen schwer. Eine frühere Ankunft wäre vermutlich ratsam gewesen, um noch Zeit für einen kleinen Einkauf zu haben.
Menschen wie ich verspüren da in den ersten Tagen auch gerne einmal den Wunsch zur Rückkehr nach Hause. Aber mit ein bisschen Unterstützung durch meine Tutorin und die für deutsche Austauschstudierende zuständige Professorin der Universität klärte sich vieles schnell. Meine anfängliche Mutlosigkeit erscheint mir heute ein wenig peinlich, aber vermutlich sollte sie das nicht sein.
Die Ankunft ist schwer.
Ramen (September 2019) In der Nähe des Bahnhofs Okayama Präsentation ★★★★☆ Geschmack ★★★★★ Preis ★★★★★ Ist Japan Zuhause ☆☆☆☆☆ |
Ich war sehr froh, dass es in der Nähe der Universität und auch des Wohnheims eine Reihe von Restaurants gab. Als ich vor einigen Monaten noch einmal zu Besuch war, habe ich gesehen, dass jetzt auch ein großer Supermarkt direkt neben dem Wohnheim gebaut wurde. Darüber hätte ich mich auch gefreut, das Einkaufen mit dem Fahrrad war während meines Studienaufenthaltes schon ein bisschen schwierig. Auf der anderen Seite ist Okayama sehr flach, es hat schon seine Gründe, warum ich fast nie mit dem Bus gefahren bin. Eines der Restaurants in der Nähe des Wohnheims ist ein Okonomiyaki-Laden. Der Laden wird von einem wirklich sehr netten Ehepaar betrieben, ausländische Studierende sind sie auch gewohnt. Die Auswahl an verschiedenen Sorten von Okonomiyaki ist sehr gut, es ist leicht für jede*n, etwas Ansprechendes zu finden. Ich ging mit ein
paar Freunden kurz nach meiner Ankunft hin. Sie sprachen kaum Japanisch und nach nun vier Semestern Japanisch-Unterricht in Trier fühlte ich mich im Vergleich recht selbstbewusst, jedenfalls was das Bestellen angeht. Sie waren Studierende aus Großbritannien, wir hatten uns bei dem Kennenlernen-Event des Wohnheims getroffen. Ich war und bin sehr dankbar dafür, sie kennengelernt zu haben; alleine an neue Orte in einem fremden Land zu gehen macht immer ein wenig Angst.
Japaner*innen kennenzulernen ist da gerade zu Anfang noch schwerer. Ich arbeitete zu dieser Zeit als Sprachlehrer im L-Café, einem Ort zum Lernen und Austauschen für japanische und ausländische Studierende. Ich habe Leuten zwar Englisch beigebracht, aber als Freundschaft würde ich mein Verhältnis zu meinen Schüler*innen nicht bezeichnen. Ich plante im Frühling 2020 einem Klub beizutreten, zu dem Zeitpunkt wäre ich nicht alleine beigetreten und hätte vielleicht andere neue Studierende kennenlernen können.
Okonomiyaki (Februar 2019) In der Nähe meines Wohnheims Präsentation ★★★☆☆ Geschmack ★★★★★ Preis ★★★★☆ Ist Japan Zuhause ☆☆☆☆☆ |
Nach einiger Zeit in Japan schlich sich die Versuchung ein, alles in gewohnten Bahnen zu belassen. Ich hatte mich eingelebt, in der Universität lief alles reibungslos, ich hatte eine kleine Freundesgruppe. Obwohl ich nicht viel Kontakt mit Japaner*innen hatte, fühlte ich mich sehr selbstsicher in meinen Japanisch-Kenntnissen. Ich kam durch den Alltag, Japan war ein Stück weit Normalität geworden. Natürlich hatte ich im Hinterkopf, noch Forschung betreiben zu müssen, mehr Japanisch zu üben. Aber das lag damals alles in der Zukunft, fürs erste hatte ich mich eingelebt. Die Veranstaltungen des L-Café, mit Exkursionen ins Umland und Kontakt zu Japaner*innen, boten eine schöne, kontrollierte Ablenkung in dieser Normalität. Man hatte die Möglichkeit, Leute vom Land kennenzulernen, leckeres Essen zu probieren und sich ein bisschen mit der Umgebung vertraut zu machen. Die wenigen Worte, die ich bei diesen Gelegenheiten mit den Menschen wechselte, stärkten mein Selbstvertrauen, auch aufgrund des ständigen Lobs. Ich war über Neujahr bei der Familie meiner Tutorin in Nagasaki, auf der Shimabara Halbinsel, eingeladen. Ich würde das eher als ungewöhnlich bezeichnen, aber jede*r Tutor*in ist anders. Ich war sehr froh, über Silvester nicht alleine sein zu müssen, obwohl ich vermutlich die Möglichkeit gehabt hätte, mit den anderen ausländischen Studierenden das neue Jahr einzuläuten.
Es gab sehr viel zu Essen, einiges davon gefiel, anderes nicht, aber ich wollte alles probieren. Obwohl ich mich als Norddeutscher mit Seafood eigentlich sehr wohl fühle, machten mir gerade verschiedenen Muscheln und Austern ein bisschen zu schaffen. Ich habe versucht mich beim Essen zu unterhalten, versuchte von Zuhause zu erzählen, aber mir fehlten oft die Worte dafür. Ich stieß an meine Grenzen. Die vielen Eindrücke überforderten mich und am Ende des ersten Tages war ich vollkommen erschöpft. Den Wunsch, nach Hause zurückzugehen hatte ich nicht, aber Zuhause war Japan auch nicht.
Neujahrsessen (Januar 2020) Nagasaki Präsentation ★★★★★ Geschmack ★★★★★ Preis ★★★★★ Ist Japan Zuhause ★☆☆☆☆ |
Kapitel 3 – Magenverstimmung
Japan ist wie gemacht für Kurzausflüge. Jede kleine Stadt hat lokale Spezialitäten, Museen, Tempel und andere Sehenswürdigkeiten. Das Stichwort „gemacht“ ist hier passend, es wird viel Geld investiert, vor allem für den Inlandstourismus, in größeren Städten auch für den Tourismus aus dem Ausland. Kurashiki ist eine wunderschöne Stadt in der Nähe von Okayama, mit einem berühmten Kunstmuseum innerhalb einer mit Kanälen durchzogen Altstadt. Altstadt mag hier nicht der richtige Begriff sein, die Gebäude sind alle recht neu, aber wie so oft in Japan soll vor allem die Ästhetik alter Architektur hervorgerufen werden. Mehrere Einkaufsstraßen durchziehen diesen touristischen Teil von Kurashiki, mit einer Vielzahl von Geschäften, Restaurants und kleinen Cafés. Diese kleinen Cafés, oft nur mit ein bis zwei Mitarbeiter’innen und Tischen, sind recht populär in Japan und haben eine sehr gemütliche Atmosphäre, nichts im Vergleich zu großen Ketten. Meistens schlägt sich diese gemütliche Atmosphäre auch im Preis wieder, sowie in den sehr kleinen Portionen. Aber auch hier ist oft die Ästhetik entscheidend, ein schönes kleines Stück Kuchen auf elegantem Geschirr macht auch Freude. Als ich vor kurzem nach meinem letzten Aufenthalt in Japan nach Deutschland zurückgekehrt bin, habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass ein ganzes Stück Kuchen mittlerweile für mich zu schwer geworden ist. Kurashiki ist exemplarisch für die Art von Urlaubs-Atmosphäre, die in Japan zu finden ist. Dazu gehören auch die Menschenmassen, die seit letztem Jahr wieder die Straßen in Japan verstopfen. Für einen Tag ist das in Ordnung, aber ich war beim Trip nach Kurashiki damals froh, danach auch wieder nach Hause zu fahren.
Kaffee und Kuchen (Februar 2020) Kurashiki Präsentation ★★★☆☆ Geschmack ★★★★★ Preis ★★★★☆ Ist Japan Zuhause ☆☆☆☆☆ |
Die besten Udon in Japan habe ich nicht während meines Ausfluges nach Takamatsu, Hauptstadt des als Udon-Präfektur bekannten Kagawas, gegessen, sondern in einem kleinen Restaurant an der Straße, die westlich vom Ginkakuji in Kyoto wegführt. Die Nudeln sind dick und fest, aber nicht so fest, dass es das kauen schwierig machen würde. Sie schmecken kalt und heiß und in jeder Kombination, mit Fleisch oder Tempura, Curry und verschiedenen Gemüsesorten. Der Laden ist, zurecht, so populär, dass sich bereits eine halbe Stunde vor dem Aufmachen Leute in die Schlange stellen. Früher war der Laden auch abends geöffnet, aufgrund des Andrangs ist er allerdings mittlerweile nur noch mittags offen. Ich ging oft genug dorthin, um vom Ehepaar, welches den Laden betreibt, als Stammkunde gesehen zu werden.
Die Pandemie bereitete meinen Plänen in Japan ein jähes Ende. Die Universität war geschlossen, der Unterricht fand über Zoom statt. Das L-Café war geschlossen. Klub-Aktivitäten waren auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die meisten meiner ausländischen Freunde flogen zurück nach Hause, viele der japanischen Studierenden fuhren ebenfalls in die Heimat.
Ich dachte auch lange darüber nach, vielleicht vorzeitig zurück nach Hause zu fliegen. Meine Forschung stockte ebenfalls, ich hatte das Gefühl keine Fortschritte zu machen, warum war ich denn überhaupt in Japan? Ich war in dieser Situation sehr zerrissen und wenn dieselbe Situation in Fukuoka 2016 aufgetreten wäre, dann wäre ich sofort zurückgeflogen. Aber Japan war mittlerweile kein fremdes Land mehr, kein Urlaubsort, jedenfalls nicht vollständig. Ich hatte geliebte Menschen und Lieblingsorte hier. Ich hatte mich eingerichtet, ich hatte Routine und ich war bereit, noch länger hier zu sein. Ich glaube heute, die Entscheidung zu bleiben war richtig, aber damals wusste niemand, wie sich die Situation entwickelt. Es ist ebenso richtig, in einer schwierigen Situation frühzeitig zu gehen. Wo ist Zuhause? Selbst wenn man nicht bewusst darüber nachdenkt, dieses Gefühl ist entscheidend. Die Definition macht jede*r mit sich selbst aus.
Udon (Juni 2020) In der Nähe des Ginkakuji, Kyoto Präsentation ★★★★★ Geschmack ★★★★★ Preis ★★★★☆ Ist Japan Zuhause ★★☆☆☆ |
Mein Studienaufenthalt an der Universität Okayama 09/2019 – 09/2020 im Zuge meines Bachelorstudiums der Japanologie fiel genau in die Zeit des Beginns der Pandemie. Viele andere ausländische Studierende entschieden sich damals vorzeitig zurück nach Hause zu fliegen, ich blieb noch bis zum geplanten Ende meines Aufenthaltes. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland beendete ich den Bachelor und begann ein Masterstudium der Japanologie, in welchem nach dem zweiten Semester ebenfalls ein Studienaufenthalt in Japan vorgesehen ist. Die zwei Jahren zwischen dem ersten Studienaufenthalt in Okayama und dem Beginn des zweiten Aufenthaltes in Kobe werden hier ausgeklammert. |
Hähnchen, Ei, Salat, Suppe, Reis (Oktober 2022) Rokkodai Campus Mensa, Universität Kobe Präsentation ★☆☆☆☆ Geschmack ★★★★☆ Preis ★★★★★ Ist Japan Zuhause ★☆☆☆☆ |
Kapitel 4 – Nachschlag
Es waren zwei Jahre vergangen. Nach meiner Rückkehr aus Japan im September
2020 hatte ich erwartet, bereits viel früher zurück in Japan zu sein. Doch Corona stellte sich als hartnäckiger als erwartet heraus. So lange von den in Japan liebgewonnen Menschen getrennt zu sein, war nicht einfach und auch in Deutschland war der Kontakt mit anderen Leuten eher minimal. Der Einstieg in den Master gestaltete sich dementsprechend zunächst als schwierig.
Mein nächster Aufenthalt war daher auch mein Studienaufenthalt an der Universität Kobe im Zuge meines Masterstudiums der Japanologie. Nach den Lektionen des letzten Aufenthaltes kam ich bereits eine Woche früher nach Japan und hatte zum Zeitpunkt des Einzuges bereits alles vorbereitet und noch genug Zeit am ersten Tag für einen ersten Einkauf. Und dennoch fühlte ich mich am ersten Tag wieder genauso gestresst und überwältigt, wie an dem Tag als ich in Okayama ankam. So viel zum Thema Vorbereitung.
Sich an eine neue Umgebung anzupassen ist und bleibt eine schwierige Aufgabe. Es war vermutlich mein Fehler, mir einzubilden, dass ich das Problem durch mehr Vorbereitung vollständig umgehen könne. Vielmehr wäre es hilfreich gewesen, mich darauf einzustellen, dass es erneut eine gewisse Eingewöhnungsphase geben würde, anstatt zu versuchen, die Eingewöhnungsphase bereits im Keim zu ersticken. Zum Thema Eingewöhnung: Die verschiedenen Cafeterien der Universität Kobe (und auch Okayama, der Betreiber ist beinah überall COOP) sind exzellent und sollten auch von Leuten, die durchs Kochen Geld sparen wollen, nicht ignoriert
werden. Für umgerechnet 5 Euro und oft sogar weniger erhält man eigentlich immer eine gute Portion relativ gesundes Essen, wenn man nicht gerade jedes Mal nach dem Hühnchen greift.
Eine vegetarische (oder vegane) Option existierte für den Großteil meines Aufenthalts nicht. Darüber hinaus war die Cafeteria jedoch ein toller Ort, um sich mit anderen Austauschstudierenden zwischen den Veranstaltungen auszutauschen. Solange man sich an die Hektik während der Stoßzeiten gewöhnen kann.
Meeresfrüchte-Platte (November 2022) In einem Kaisen-Restaurant auf Awaji Präsentation ★★★★★ Geschmack ★★★★★ Preis ★★★★★ Ist Japan Zuhause ★★☆☆☆ |
Ich habe zwar vermerkt, dass der Preis 5 Sterne erhält, da ich das Essen allerdings kostenlos im Zuge eines Universitäts-Ausfluges erhielt, sollte diese Einschätzung
mit Vorsicht genossen werden. Die auf Meeresfrüchte spezialisierten Restaurants (Kaisen ryôri) gibt es überall in Japan und sie sind meistens sehr teuer. Wer etwaigem Besuch aus Deutschland ein etwas „stereotypisches“ japanisches Essen zeigen möchte, findet hier vermutlich genau das richtige.
Das Restaurant besuchte ich im Zuge einer Exkursion für ausländische Studierende der Universität. Kobe hat anders als Okayama zwar kein L-Café zum Austausch mit japanischen Studierenden, es gibt jedoch trotzdem eine kleine International Division, die versucht Austauschstudierenden die Möglichkeit zu geben, Japan kennenzulernen und Kontakt mit japanischen Studierenden aufzunehmen. Die Exkursion in diesem Jahr ging nach Awaji, wo wir verschiedene Schreine, sowie das Erdbebenmuseum besuchten und traditionelles Puppentheater sahen. Es war in diesem Zusammenhang interessant zu sehen, welche Art von Japan gezeigt werden sollte. Oder vielleicht präziser gesagt: Von welcher Erwartung und Vorstellung über Japan man bei ausländischen Studierenden ausging. Es war eine schöne Exkursion. Über die International Division hinaus gibt es auch noch studentische Organisationen wie TRUSS, welche Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern für ausländische Studierende organisieren. Diese sind auch sehr zu empfehlen und bieten einem die Möglichkeit, Kontakte mit japanischen Studierenden zu knüpfen. Wer sich traut (und Japanisch sprechen kann), kann noch einen Schritt weitergehen und einem der Klubs an der Universität beitreten. Hier empfiehlt es sich vorher zu recherchieren, ob es sich dabei um einen eher entspannten Zirkel handelt oder einen tatsächlichen Klub, der viel Engagement fordert (zu diesen zählen beispielsweise alle Kampfsport-Klubs). Ein Zirkel ist vielleicht eher zu empfehlen.
Kapitel 5 - Dessert
Ich weiß nicht, ob ich heiße Schokolade mit Schokoladenkuchen als ultimative Kombination der Zukunft wirklich empfehlen kann. Was ich allerdings sagen kann, ist das ich mich in japanischen Cafés zu diesem Zeitpunkt sehr wohl gefühlt habe. Auch wenn ich hier den Schokokuchen mit einer anderen Person geteilt habe, ist es gar nicht unüblich in Japan auch allein bestimmte Restaurants und Cafés zu besuchen. Insbesondere die kleineren Cafés sind gute Orte zum Lesen, Lernen oder Entspannen. Mit ein bisschen Zeit und Erfahrung gestellt sich des Interagierens mit den Mitarbeitenden auch recht einfach, eine unhöfliche Bedienung in Japan muss man im Vergleich zu Deutschland schon händeringend suchen. Nicht, dass ich nicht auch solche Erfahrung hatte, es ist allerdings eher die Ausnahme als die Regel. Sowohl der Alltag in der Universität als auch das Pendeln zwischen Kyoto und Kobe hatten sich mittlerweile als Routine etabliert. Ich hätte nie gedacht, dass Pendeln so angenehm sein könnte, aber die günstigen Tickets und pünktliche Züge machen es möglich. Für umgerechnet 3-4 Euro ist es möglich innerhalb von 2 Stunden von Kobe nach Kyoto zu kommen. Zu Stoßzeiten sind die Züge zwar sehr voll, aber unangenehme Erfahrungen mit anderen Reisenden kann ich bei hunderten Fahrten auf dieser Strecke an einer Hand abzählen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Züge sauber und die Sitze einigermaßen bequem sind. Als außergewöhnlich kann ich allerdings nichts davon mehr bezeichnen. Es war und ist interessant für mich zu sehen, wie man sich innerhalb nur einiger weniger Jahre an die Gegebenheiten der eigenen Umgebung anpassen kann. Das ist ein Vorteil, solange man vor Ort ist, kann aber nach Rückkehr ins gegenteilige Extrem umschlagen. Sogar noch mehr als es früher der Fall war, haben mich die ersten Bahnfahrten nach der Rückkehr nach Deutschland deprimiert. Genauso jede Interaktion mit Busfahrer’innen oder gestressten Bedienungen in deutschen Cafés. Ist Japan ein wenig mehr Zuhause als früher? Vermutlich?! Die Kehrseite ist, dass Deutschland ein bisschen weniger Zuhause geworden ist.
Schokoladenkuchen mit heißer Schokolade (März 2023) In der Nähe des Ginkakuji, Kyoto Präsentation ★★★★★ Geschmack ★★★★★ Preis ★★★☆☆ Ist Japan Zuhause ★★★☆☆ |
Einige Freunde in Kyoto veranstalteten eine Abschiedsfeier, kurz vor meiner Rückkehr nach Deutschland. Das Gefühl nach Hause zurückzukehren hatte ich damals noch nicht und habe ich heute immer noch nicht. In meinem Kopf gab es kein Verständnis dafür, dass ich vermutlich für eine längere Zeit nicht mehr in gewohnte Umgebung zurückkehren konnte. Mein Lieblingscafé hat mir bei meinem letzten Besuch eine Tüte mit selbstgemachten Keksen geschenkt, ich war gerührt und dennoch nicht ganz davon überzeugt, dass ich nächste Woche nicht doch einfach wieder, wie üblich, dort an meiner Masterarbeit arbeiten würde. Ich kam jedoch nicht darum herum, ich hatte meine Rückkehr schon zu lange hinausgezögert. Meine Aufenthalte in Japan haben mir in vielen Dingen Klarheit gegeben und mich als Menschen verändert. Ich glaube jede*r Studierende, der einen Auslandsaufenthalt absolviert hat, kann sich dem anschließen. Das sind definitiv die größten Vorteile des Auslandsaufenthaltes, man wächst als Person, man lernt eine andere Umgebung kennen, man legt bisher vielleicht unbewusst heißgeliebte Vorurteile ab, man verändert sich als Mensch. Der größte Nachteil? Ich entschuldige mich bei denen, die diesen Bericht gelesen haben, um Empfehlungen für gute Restaurants in Japan zu erhalten und stattdessen die etwas wirren Erinnerungen eines Studenten lesen durften, der Japan wohl kaum als Zuhause bezeichnen kann und anscheinend dennoch nicht von diesen Erfahrungen loskommt. Ich weiß nicht, ob es das eine Etwas gibt, dass man als zentrale Lehre meiner Erfahrungen in Japan vermitteln kann. Aber falls es dieses Etwas gibt und falls es irgendwo in diesem Bericht zu finden ist, hoffe ich, dass du es mitgenommen hast.
Wirkt es so, als ob dieser Bericht zu plötzlich, zu abrupt endet… ?
Ich hoffe, das ist der Fall!
Vielleicht konnte ich, wenn schon nichts anderes, als letztes die Gefühle am Ende eines typischen Auslandsaufenthaltes vermitteln.
Ich würde diese Erfahrungen gegen nichts in der Welt eintauschen.
Ein Fleischchiff (November 2023) In der Nähe des Hauptbahnhofs, Kyoto Präsentation ★★★★★ Geschmack ★★★★★ Preis ★★★☆☆ Ist Japan Zuhause ★★★★☆ |
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