Fear of Activity in Situations (FActS) - Pilotstudie

Angst vor körperlicher Bewegung bei Herzinsuffizienz

Ziel der Studie ist es, das neu entwickelte Selbstbericht-Instrument zur Erfassung der Angst vor körperlicher Bewegung bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz (sowohl mit reduzierter als auch mit erhaltener Ejektionsfraktion) psychometrisch zu evaluieren und zu validieren.

Zu diesem Zweck bearbeiten erwachsenen Personen mit diagnostizierter Herzinsuffizienz weitere Fragebögen zu Angst, Depressivität, Angstbewältigung und weiteren Persönlichkeitsmerkmalen. Zusätzlich werden medizinische Parameter erfasst. Eine Teilstichprobe trägt für eine Woche ein Akzelerometer zur objektiven Erfassung der körperlichen Aktivität im Alltag.

Erste Ergebnisse ergaben eine sehr gute interne Konsistenz des Fragebogens. Angst vor Bewegung war unabhängig von Persönlichkeitsmerkmalen Offenheit für Erfahrungen und Verträglichkeit. Höhere Bewegungsangst war nur mäßig mit Depressivität assoziiert, konnte aber erwartungsgemäß eine reduzierte körperliche Aktivität im Alltag vorhersagen.

Erste Ergebnisse zur Entwicklung eines Messinstruments

24. Reha-Wissenschaftliches Kolloquium, 16.-18. März 2015, Augsburg.

Obwohl körperliche Aktivität für Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz  ein wichtiges Element der Behandlung und Rehabilitation darstellt, ist ein großer Teil dieser Patientengruppe als körperlich inaktiv zu bezeichnen (Dontje et al., 2013). Eine mögliche Ursache hierfür stellt die Angst vor Bewegung (Kinesiophobie) dar. Um Maßnahmen zur Förderung körperlicher Aktivität darauf abzustimmen, ist eine zuverlässige und valide Erfassung der Bewegungsangst bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz notwendig, da Angst allgemein erfasst nicht mit körperlicher Aktivität assoziiert zu sein scheint (Spaderna et al., 2014).

Mit dem Ziel, das Ausmaß der Bewegungsangst speziell in dieser Patientengruppe messbar zu machen, wurde der Fear of Activity in Situations Heart Diseases (FActS-HD) entwickelt (Hennig, 2013). Der FActS-HD besteht aus 24 Situationsbeschreibungen körperlicher Aktivität, die hinsichtlich des Kontextes (Sport, Alltag und Freizeit) sowie der Intensität der Aktivität (leicht, mittel und schwer) variieren. Die Patientinnen und Patienten werden gebeten, sich diese Situationen vorzustellen und anschließend jeweils ihre kognitiven und affektiven Reaktionen auf einer Skala von 0 („gar nicht“) bis 5 („sehr stark“) einzuschätzen.

In zwei Studien mit insgesamt 131 Patientinnen und Patienten mit Herzerkrankungen (20% weiblich; mittleres Alter = 67.1 Jahre) wurden psychometrische Gütekriterien untersucht. Die Messgenauigkeit des FActS-HD erwies sich mit Cronbachs α = .98 als sehr gut. Studie 1 liefert zudem Belege für die konvergente Validität des FActS-HD bezüglich Maßen für Angst und körperliche Symptome (r > .50). Erwartungsgemäß sind die Werte für Bewegungsangst unabhängig von Persönlichkeitsmerkmalen wie Offenheit für Erfahrungen und Verträglichkeit. Bewegungsangst zeigt zudem nur eine mäßige Überlappung mit aktuellen depressiven Symptomen [16% gemeinsame Varianz mit Depressivität als Zustand erfasst über das State-Trait-Angst-Depressions-Inventar (STADI; Laux et al., 2013)].

In Studie 2 wurde neben dem FactS-HD die körperliche Aktivität der Teilnehmenden über eine Woche objektiv mit Hilfe von Akzelerometern (move II, movisens GmbH, Karlsruhe) erfasst und nach der Aktivitätsintensität (MET, kCal) ausgewertet. Erwartungskonform sagten höhere Werte im FActS-HD eine geringere körperliche Aktivität im Alltag vorher (β = –.30; p < .05).

Die Befunde sprechen dafür, dass mit dem FActS-HD ein messgenaues und valides Instrument zur Erfassung von Bewegungsangst bei Herzinsuffizienz zur Verfügung steht. Auf dieser Grundlage können weitere Studien zur Bewegungsangst durchgeführt werden mit dem Ziel, spezifische Interventionen zu entwickeln, um diese psychische Barriere für einen körperlich aktiven Alltag bei Herzinsuffizienz zu reduzieren.

Schlüsselwörter: Bewegungsangst, Herzinsuffizienz, körperliche Aktivität, Messinstrument

Referenzen:

Dontje, M. L., van der Wal, M. H., Stolk, R. P., Brügemann, J., Jaarsma, T., Wijtvliet, P. E., et al. (2014). Daily physical activity in stable heart failure patients. Journal of Cardiovascular Nursing, 29, 218-226.

Hennig, D. (2013). Entwicklung eines Messinstruments zur Erfassung von Kinesiophobie bei chronischer Herzinsuffizienz - Fertigstellung der ersten Fragebogenversion und erste  Itemanalysen. Unveröffentlichte Bachelorarbeit, Bergische Universität Wuppertal.

Laux, L., Hock, M., Bergner-Köther, R., Hodapp, V. & Renner, K.-H. (2013). Das State-Trait-Angst-Depressions-Inventar. Manual. Göttingen: Hogrefe.

Spaderna, H., Vögele, C., Barten, M. J., Smits, J. M., Bunyamin, V., & Weidner, G. (2014, February 10). Physical activity and depression predict event-free survival in heart transplant candidates. Health Psychology. Advanced Online Publication. doi: 10.1037/hea0000033.

Publikationen

Hoffmann, J. M., Hellwig, S., Brandenburg, V. M., & Spaderna, H. (2018). Measuring fear of physical activity in patients with heart failure. International Journal of Behavioral Medicine, 25 (3), 294-303. doi:10.1007/s12529-017-9704-x

Nationale Kooperationspartner

Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Karlsruhe, Dr. Hey; Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf, Prof. Dr. Kelm, Dr. Westenfeld; Forschungsbereich Herzinsuffizienz und Herztransplantation der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Aachen, Prof. Dr. Brandenburg; Bergische Universität Wuppertal, Fachbereich G, Psychologie, Abteilung Methodenlehre und Psychologische Diagnostik, Prof. Dr. Schulze; Ambulantes Rehazentrum Cardiowell Wuppertal.