Nutzung von E-Health in der Versorgung gynäkologisch-onkologischer Patient:innen
Ansprechpartnerin: Nicole Kuhn, Diplom-Pflegewirtin, M.A.
Projektbetreuung: Prof. Dr. Ana N. Tibubos
Das deutsche Gesundheitswesen steht vor erheblichen Herausforderungen. Demografischer Wandel, steigende Versorgungsbedarfe und Fachkräftemangel erhöhen den Druck auf bestehende Strukturen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. Nationale und internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Union verfolgen Strategien zum Ausbau digitaler Gesundheitsangebote. Ziel dieser Entwicklungen ist es, die Versorgungssicherheit zu erhöhen sowie die Gesundheitsversorgung effizienter, nachhaltiger, qualitativ hochwertiger und patientenorientierter zu gestalten (WHO, 2021 ; European Commission, 2021).
Digitale Gesundheitsanwendungen (E-Health) bieten die Möglichkeit, Versorgungsprozesse zu unterstützen, die Kommunikation zwischen Patienten und Gesundheitsfachkräften zu verbessern sowie die aktive Beteiligung der Betroffenen am Behandlungsprozess zu fördern.
Insbesondere in der onkologischen Versorgung besteht ein großes Potenzial für digitale Gesundheitsangebote. Die Nachsorge von Patienten: innen mit gynäkologischen Krebserkrankungen umfasst neben medizinischen Aspekten häufig auch psychosoziale, organisatorische und informationsbezogene Unterstützungsbedarfe.Aus pflegewissenschaftlicher Perspektive besteht zudem weiterhin Forschungsbedarf hinsichtlich geschlechtsspezifischer Versorgungsbedarfe. Frauengesundheit wurde über lange Zeit in Forschung und Versorgung weniger umfassend berücksichtigt, obwohl Frauen spezifische gesundheitliche Herausforderungen und Unterstützungsbedürfnisse aufweisen. Digitale Anwendungen könnten dazu beitragen, das Symptommanagement zu verbessern, die Kommunikation zu erleichtern und die gesundheitsbezogene Lebensqualität zu fördern. Erste Studien weisen auf positive Effekte hin, gleichzeitig besteht weiterer Forschungsbedarf hinsichtlich Wirksamkeit, Akzeptanz und nachhaltiger Integration in die Routineversorgung (Marthick et al., 2021).
Vor diesem Hintergrund untersucht das vorliegende Forschungsprojekt die Nutzung, Wirksamkeit und Gestaltungsmöglichkeiten von E-Health-Anwendungen in der gynäkologisch-onkologischen Nachsorge. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Evidenz digitaler Nachsorgeangebote zu gewinnen, Einflussfaktoren auf die Lebensqualität gynäkologisch-onkologischer Patient: innen zu identifizieren und Anforderungen an zukünftige digitale Nachsorgelösungen abzuleiten.
Übergeordnete Forschungsfrage
Welchen Beitrag können E-Health-Anwendungen zur Verbesserung der Nachsorge, Lebensqualität und Versorgung gynäkologisch-onkologischer Patient:innen leisten, und welche Anforderungen ergeben sich für deren erfolgreiche Implementierung in die Routineversorgung ?
Das Projekt verfolgt einen mehrstufigen Forschungsansatz:
Schritt 1: Systematische Literaturübersicht
Im ersten Projektabschnitt erfolgte eine systematische Analyse der internationalen Evidenz zu den Effekten von E-Health-Anwendungen in der Nachsorge von Brustkrebs- und gynäkologisch-onkologischen Patient: innen.
Forschungsfragen zu Schritt 1 (Systematisches Review)
Welche E-Health-Interventionen werden aktuell in der gynäkologisch-onkologischen Nachsorge eingesetzt?
Wie ist die Konzeption dieser E-Health-Anwendungen?
Welche Evidenz besteht hinsichtlich der Wirksamkeit digitaler Nachsorgeangebote im Vergleich zur konventionellen Nachsorge?
Publikation
Kuhn, N. B. L., Maukel, L.-M. & Tibubos, A. N. (2026). Effectiveness of eHealth interventions in long-term follow-up care for breast and gynecological cancer survivors: a systematic review. Supportive Care in Cancer, 34(6).https://doi.org/10.1007/s00520-026-10781-0
Schritt 2: Quantitativ-empirische Untersuchung
Die Studie untersucht Unterstützungsbedürfnisse weiblicher Krebspatient: innen in Deutschland und vergleicht diese mit Frauen aus der Allgemeinbevölkerung. Zusätzlich wird analysiert, ob sich Unterstützungsbedürfnisse zwischen Patienten: innen mit Brustkrebs und gynäkologischen Krebserkrankungen unterscheiden und in welchem Zusammenhang sie mit psychologischen Ressourcen stehen.
Forschungsfragen
Welche Unterstützungsbedürfnisse haben weibliche Krebspatient: innen im Vergleich zu Frauen aus der Allgemeinbevölkerung?
Unterscheiden sich Frauen mit gynäkologischen Krebserkrankungen und Frauen mit Brustkrebs hinsichtlich ihrer Unterstützungsbedürfnisse?
Besteht ein Zusammenhang zwischen Unterstützungsbedürfnissen und psychologischen Ressourcen?
Werden diese Zusammenhänge durch Alter oder Primärtherapie beeinflusst?
Schritt 3: Qualitative Untersuchung der Nutzeranforderungen
Im dritten Projektabschnitt werden qualitative Interviews mit gynäkologisch-onkologischen Patient: innen durchgeführt. Ziel ist die Identifikation von Bedürfnissen, Erwartungen und Anforderungen an eine digitale Nachsorgeanwendung. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als Grundlage für die patient: innenzentrierte Entwicklung einer Nachsorge-App dienen.
Forschungsfragen zu Schritt 3 (Qualitative Interviews)
Welche Bedürfnisse und Erwartungen haben gynäkologisch-onkologische Patient: innen an eine digitale Nachsorge-App?
Welche Funktionen und Inhalte werden von Patienten: innen als besonders hilfreich wahrgenommen?
Welche Barrieren und Akzeptanzfaktoren beeinflussen die Nutzung einer digitalen Nachsorgelösung?
Wie sollte eine Nachsorge-App gestaltet sein, um die Selbstmanagementkompetenz und die Lebensqualität der Patient: innen zu unterstützen?
Projektlaufzeit
2023–2027