Das Fach Psychologie trauert um Univ.-Prof. em. Dr. Leo Montada

Nachruf auf Herrn Prof. Dr. Leo Montada, der am 1. Mai 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben ist.

Foto: Martin Montada

 

Univ.-Prof. em. Dr. Leo Montada

*18.03.1938     † 01.05.2026

 

Die Universität Trier trauert um Prof. Dr. Leo Montada, der am 1. Mai 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die Universität einen ihrer prägenden Wissenschaftler und die Psychologie eine Persönlichkeit, die in vielen Fragen ihrer Zeit voraus war.

Leo Montada wurde 1972 an die sehr junge Universität Trier (gegründet 1970) berufen und wirkte hier über drei Jahrzehnte als Professor der Psychologie. Neben seiner Lehrtätigkeit leitete er von 1979 bis 2004 die „Zentralstelle für Psychologische Information und Dokumentation“ (ZPID), die von Günther Reinert gegründet worden war und die später (in institutionell verfasster Form) der Leibniz-Gemeinschaft angehörte. Leo Montada hat damit die systematische Sammlung und Aufbereitung psychologischer Literatur in deutschsprachigen Datenbanken auf den Weg gebracht, die bis heute umfassend genutzt wird und die Entwicklung der Psychologie maßgeblich geprägt hat.

Montadas wissenschaftliche Anfänge waren in der Entwicklungspsychologie verortet, insbesondere in der Auseinandersetzung mit Jean Piaget und dessen Theorie der kognitiven Entwicklung. Später richtete Montada sein Forschungsinteresse darauf, wie individuelle Vorstellungen von „Verantwortung, Gerechtigkeit und Moral“ das Handeln beeinflussen. Die von ihm dazu etablierte gleichnamige Arbeitsgruppe widmete sich Fragen der moralischen Entwicklung, der Analyse von Gerechtigkeitsurteilen, der Rolle sozialer Verantwortung und sozialer Emotionen im Zusammenleben der Menschen. Demgemäß standen auch die Analyse und Mediation von Konflikten zwischen Personen oder Gruppen im Blick. Dabei verband Leo Montada die (grundlagen-)wissenschaftliche Brillanz seiner Studien stets mit dem Anspruch, dass die daraus gewonnenen Erkenntnisse das Zusammenleben der Menschen bereichern und befruchten mögen.

Leo Montada war Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Leopoldina. Er erhielt mehrere hochrangige wissenschaftliche Auszeichnungen, die seine Forschungstätigkeit auf nationaler und internationaler Ebene würdigten (Max-Planck-Forschungspreis für internationale Forschungskooperation der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Franz-Emanuel-Weinert Preis der Deutschen Gesellschaft für Psychologie für die Vermittlung seiner Forschung an die Öffentlichkeit, Lifetime Achievement Award der International Society for Justice Research). Zudem war er sehr aktiv in der universitären Selbstverwaltung (mehrfach Dekan, Senator) und in unterschiedlichen Wissenschaftsgesellschaften (z. B. Gründungspräsident der International Society for Justice Research; iSJR).

Leo Montada bleibt der Universität als herausragender Wissenschaftler, engagierter Hochschullehrer, prägender Mentor und stets präsenter Kollege in dankbarer Erinnerung. Sein Name bleibt mit der Universität Trier untrennbar verbunden. Er lebt fort als glänzender Vertreter einer Psychologie, die wissenschaftliche Antworten auf drängende gesellschaftliche Fragen sucht (und auch immer wieder findet).

Ein herzlicher Dank des Fachs Psychologie an der Universität Trier an die Verfasser des Nachrufs:

Elisabeth Kals - Barbara Reichle - Manfred Schmitt - Jürgen Maes - Claudia Dalbert - Anette Weidler - Dieter Bartussek - Sigrun-Heide Filipp

 

» Nachruf Leibniz-Institut für Psychologie