Prof. Dr. Melanie Steffens

Keynote: Prof. Dr. Melanie Steffens (Universität Koblenz-Landau/Campus Landau)

 

Gruppenstereotype: Fluch für Individuen – oder manchmal Segen?

Menschen besitzen Stereotype sozialer Gruppen, die schnell gebildet werden, leicht zu aktivieren sind und nicht leicht zu verändern. Bezüglich dieser Aussagen herrscht relativ hoher Konsens unter Forscher*innen. Komplexer ist die Frage, wann Eindrücke von Personen (z.B. Bewerber*innen) von Gruppenstereotypen beeinflusst werden und wann nicht. Wenn beispielsweise Frauen stereotyp mit „Wärme“ assoziiert werden, wird dann ein Mann als weniger warm (teamfähig, zuhörend, sich kümmernd etc.) als eine Frau angesehen? Auch ein Absolvent der Wirtschaftswissenschaften im Vergleich zu einer Absolventin? Unter welchen Umständen ist es vielleicht umgekehrt? Im Vortrag werden theoretische Modelle, Paradigmen und Forschungsbefunde in Bezug auf unterschiedliche stereotypisierte Gruppen vorgestellt: neben Geschlecht und sexueller Orientierung werden Gruppen z.B. auch anhand von Elternschaft und Dialekt gebildet. Dabei soll herausgearbeitet werden, dass bei starken Stereotypen die internationale Forschungslage auf den ersten Blick konsistent erscheint, bei genauerer Überprüfung jedoch inkonsistente Befunde vorliegen. Die Zahl unterschiedlicher theoretischer Modelle und Annahmen könnte sogar dazu einladen, die Hypothesen erst abzuleiten, wenn die Ergebnisse schon vorliegen. Die Zunahme von Open-Science-Praktiken müsste m.E. dazu führen, dass die Befundlage sogar noch unübersichtlicher wird (da z.B. alle abhängigen Variablen genannt werden, auch die, die keine hypothesen-konformen Ergebnisse gezeigt haben). Abschließend wird überlegt, welche Änderungen der Forschungspraxis Abhilfe schaffen könnten.