02You can count on me: 14+13=29? Operational Momentum im Zahlenstrahl von 0 bis 100
Autor*innenMüller, Svenja; Kleinhans, Laetitia; Zaske, Lea-Sophie & Dellbrügge, Lili
DozentDr. Simon Merz
Abstract

Der Operational Momentum-Effekt (OM) beschreibt Einschätzungsfehler von Ergebnissen der Addition und Subtraktion bei numerischen und nicht-numerischen Aufgaben. Bei Additionsaufgaben tendieren Versuchspersonen in ihrer Einschätzung der Ergebnisse zu einem größeren Zahlenraum. Im Gegensatz dazu zeigt sich bei Subtraktionsaufgaben eine Tendenz zu einem kleineren Zahlenraum.

Ziel des Experimentes war es, den Operational Momentum-Effekt bei einem Zahlenstrahl von 0-100 zu replizieren, sowie mögliche Ausrichtungseffekte in Bezug auf einem vertikalen im Vergleich zu einem horizontalen Zahlenstrahl zu untersuchen. Versuchspersonen (N=27) sollten absolute Werte oder Ergebnis einer Rechenaufgabe auf einem Zahlenstrahl von 0 bis 100 einschätzen. Die Rechenart (Subtraktion/ Addition), das Endergebnis (6 mögliche Ergebnisse) und die Ausrichtung (vertikal/ horizontal) wurden zudem variiert. Dabei wurde die Abweichung in Zahlenwerten erfasst.

Hierbei ließ sich zeigen, dass die Einschätzung sich bei Additions- und Subtraktionsaufgaben unterschieden. Der Operational Momentum-Effekt konnte nicht eindeutig gezeigt werden.

Zudem konnten größer ausgeprägten Einschätzungsfehler bei kleineren Endergebnissen gefunden wird. Diese deuten darauf hin, dass bei Rechenaufgaben in kleineren Zahlenräumen „einfachere“ Rechenprozesse generiert werden und so spontaner geantwortet wird. Bei größeren Endergebnissen sind potentiell komplexere Rechenprozesse nötig, die zu stärkerer kognitiver Anstrengung und so zu genauerer Einschätzung führen.

03"Die da sind schuld an allem" - Wie Verschwörungstheorien unser Verhalten beeinflussen
Autor*innenAmelung, Robert; Castillo, Laura; Manstein, Anna Mia; Ostrzinski, Greta; Schnippering, Nic & Turowski, Jana
DozentDr. Benjamin Buttlar
Abstract

Seit 2018 neigen immer mehr Menschen in Deutschland dazu, Verschwörungstheorien Glauben zu schenken (Decker et al. 2020). Gerade mit dem Eintritt der durch das Virus Sars-Cov-2 ausgelösten internationalen Pandemie, ist dies deutlich merkbar, da immer mehr Verschwörungsmythen über den „wahren“ Ursprung des Virus kursieren. Darunter ist etwa die Theorie, dass das Virus mit Absicht in chinesischen Laboren gezüchtet worden sei. Vermehrt werden daher Vorurteile gegenüber Personen asiatischer Herkunft spürbar, welche sich auch im Verhalten äußern. So fanden beispielsweise Rzymski und Nowicki (2020) bei 85 befragten Medizinstudent:innen 2 mit asiatischer Herkunft in Polen, dass über die Hälfte von ihnen zu Beginn der Pandemie, noch bevor der erste Coronafall in Polen am (4. März 2020) auftrat, vermehrt mit Vorurteilen konfrontiert wurde. Zudem wurden sie auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln und/oder in Restaurants und Geschäften diskriminiert — unter anderem dadurch, dass man ihnen aus dem Weg ging, sich von ihnen weg setzte, sie aufforderte, Distanz zu halten oder durch eine verurteilende Mimik. US-amerikanische Medien berichten zudem von steigenden Fällen von Hasskriminalität gegen Asiat:innen (Cabral, 2021; Hauser, 2021; Cai et al., 2021). Auch in Deutschland leiden vor allem Asitat:innen unter corona-spezifischen rassistischen Übergriffen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft (Antidiskriminierungsstelle des Bundes, 2020). Diese meist anekdotischen Schilderungen verdeutlichen, welche verheerenden Konsequenzen kursierende Verschwörungstheorien in Bezug auf interpersonale Beziehungen im gesellschaftlichen Zusammenleben haben können, da sie nicht nur Vorurteile, sondern auch Diskriminierung fördern.

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen beschäftigt sich die vorliegende Studie mit den Konsequenzen von Verschwörungstheorien. Es soll untersucht werden, wie die in Verschwörungstheorien diffamierten Gruppen wahrgenommen und behandelt werden. Konkret geht es um die Frage, ob das Lesen einer Verschwörungstheorie unmittelbar Vorurteile auslöst und zu diskriminierendem Verhalten gegenüber der diffamierten Gruppe führt. Bisher ist noch nicht empirisch untersucht, ob Verschwörungstheorien tatsächlich konkrete Handlungen beeinflussen. Aufgrund aufgeführter Überlegungen nehmen wir an, dass sich diskriminierendes Verhalten gegenüber einer bestimmten Outgroup darin zeigen kann, zu welchen Personen Menschen spontan Kontakt vermeiden bzw. soziale Distanz wahren. In dieser Studie erwarten wir daher, dass der Kontakt zu Mitgliedern einer neutralen Gruppe gegenüber dem Kontakt zu Mitgliedern einer durch eine Verschwörungstheorie mit Vorurteilen behafteten Gruppe bevorzugt wird. Zusammenfassend möchte die Studie somit experimentelle Evidenz liefern, die zeigt, dass die bloße Exposition gegenüber einer Verschwörungstheorie Einstellungen (Vorurteile) und Verhalten (Diskriminierung) beeinflussen kann.

04Kompetenter Fleischesser vs. kalte Vegetarierin? Über die unterschiedliche Wahrnehmung von Männer und Frauen in Abhängigkeit von ihrer Ernährung
Autor*innenHellbrück, Elina; Käppner, Janina; Kujat, Alexandra; Ongaro, Nora; Stiebel, Lara & Zang, Sophia
DozentDr. Benjamin Buttlar
Abstract

Die Produktion und der Konsum von Fleisch haben gravierende Folgen für menschliche Gesundheit, Umwelt und Tierwohl. Dabei spielen Geschlechterstereotype eine wichtige Rolle für den überhöhten Fleischkonsum in unserer Gesellschaft. Überspitzt gesagt, wird davon ausgegangen, dass Männer Fleisch und Frauen Salat essen. So werden Männer, die kein Fleisch essen, als weniger maskulin wahrgenommen. Männer geben dann in Umfragen etwa mehrheitlich an, dass sie eher 10 Jahre früher sterben würden, als auf Fleisch zu verzichten. Die Wahrnehmung von Frauen in diesem Kontext ist jedoch bisher kaum untersucht. Um ein gesellschaftlich repräsentativeres Bild zu bekommen, haben wir in der vorliegenden Studie daher die Wahrnehmung von Frauen und Männern in Abhängigkeit ihrer Ernährungsweise untersucht. Dazu haben wir in Wärme, Kompetenz und Glauben grundlegende Stereotype erfasst, anhand denen Menschengruppen bewertet werden. Darüber hinaus haben wir die wahrgenommene Männlichkeit und Weiblichkeit erfasst, sowie die soziale Vermeidung der Personen. Dabei vermuteten wir, dass vegetarische Frauen als kompetenter wahrgenommen werden als omnivore Frauen, bei Männern jedoch eine omnivore Ernährung als kompetenter angesehen wird als eine vegetarische. Dazu nahmen wir an, dass Vegetarier*innen als progressiver und ebenfalls als kälter wahrgenommen werden als Omnivor*innen, unabhängig von ihrem Geschlecht. Diese Hypothesen haben wir mit Hilfe von fiktiven Steckbriefen getestet, zu denen die Proband*innen ihre Einschätzung abgeben sollten. Dazu wurden den 97 Proband*innen 4 verschiedene Steckbriefe präsentiert, jeweils zu einer vegetarisch lebenden Frau, einem vegetarisch lebenden Mann, einer omnivoren Frau und einem omnivoren Mann. Die Ergebnisse konnten unsere Vermutungen nicht bestätigen: Es gab es keinen signifikanten Unterschied in Bezug auf Kälte und Kompetenz zwischen Vegetarier*innen und Omnivor*innen. Allerdings konnten wir zeigen, dass Vegetarier*innen als progressiver wahrgenommen werden als omnivore Personen. Zudem konnten wir replizieren, dass Frauen unabhängig der Ernährungsform als wärmer wahrgenommen werden als Männer. Bezüglich der wahrgenommenen Weiblichkeit und Männlichkeit konnten wir zeigen, dass sich omnivor ernährende Personen männlicher wahrgenommen werden als vegetarisch lebende Personen, die im Umkehrschluss weiblicher wahrgenommen werden. Insbesondere Männer, die kein Fleisch essen werden im Vergleich zu fleischessenden Männern als weiblicher wahrgenommen. Bezüglich der sozialen Vermeidung gab es keine besonderen Befunde. Zukünftige Studien sollten eine heterogenere Stichprobe untersuchen, um einen Querschnitt der gesamten Bevölkerung und nicht vorwiegend von Studierenden abzubilden. Zudem sollte versucht werden, eine mögliche Durchschaubarkeit der Intention der Studie verstärkt zu unterbinden.

05Wie sich Einsamkeit auf die emotionale Differenzierung auswirkt
Autor*innenPolke, Max; Wedemeyer, Stella; Rathmann, Pauline & Knisch, Hanna
DozentProf. Dr. Roland Neumann
Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit das Erleben von Einsamkeit die Wahrnehmung von eigenen und fremden Emotionen beeinflusst. Dazu wurden 143 Probanden zufällig in zwei Experimentalgruppen unterteilt. In der einen Gruppen sollte eine hohe Einsamkeit experimentell induziert werden und in der anderen Gruppe niedrige Einsamkeit. Dazu sollte bei einer Gruppe der 143 Probanden mithilfe einer manipulierten Skala, sowie einer (falschen) Rückmeldung von Einsamkeit, das Gefühl von Einsamkeit manipuliert werden. Anschließend wurden Bilder des “International Affective Pictures System“ (IAPS) und Gesichtsausdrücke des “Karolinska Directed Emotional Faces Database“ (KDEF) von den Probanden bezüglich der Emotionen Angst, Ärger, Ekel und Trauer eingeschätzt. Das Experiment und das eingesetzte Material waren vereinbar mit der Deklaration von Helsinki des Weltärztebundes.

Untersucht wurde, ob Einsamkeit die eigene oder fremde Emotionserkennung verändert.

Die hypothesenrelevanten Ergebnis wurden nicht signifikant. Allerdings könnte dies auf die misslungene Induktion von Einsamkeit rückführbar sein.
06Am Ziel vorbei - Die perfekte Geschwindigkeit, um etwas zu übersehen
Autor*innenKrebs, Malte; Riehl, Lena; Seggewiß, Katharina & Sommerfeld, Joanna
DozentDr. Simon Merz
AbstractDie Wahrnehmung von sich bewegenden Objekten unterliegt systematischen Fehlern. Nehmen Beobachter*innen den Startpunkt eines sich bewegenden Objektes nicht an der tatsächlichen, sondern an einer späteren Position in Bewegungsrichtung wahr, spricht man vom Fröhlich-Effekt (z.B., Fröhlich, 1923). Wird der Startpunkt in entgegengesetzter Richtung der Bewegung wahrgenommen, liegt der Onset-Repulsion-Effect vor (z.B., Thornton, 2002). Das Representational Momentum bezeichnet das Phänomen, bei dem Beobachter*innen dazu neigen, den Endpunkt einer Bewegung an einer Position vor dem tatsächlichen Endpunkt wahrzunehmen (z.B., Freyd & Finke, 1984). Ein weiteres Phänomen, der Offset-Repulsion-Effect, beschreibt, dass der Endpunkt in der entgegengesetzten Richtung des Representional Momentum wahrgenommen wird (z.B., Munger & Minchew, 2002). Diese Wahrnehmungsphänomene wurden bislang selten gemeinsam untersuch. Auch fand sich bis jetzt kein Erklärungsansatz, der alle vier Phänomene erklären könnte. Ein neuer theoretischer Ansatz, der Speed Prior Account (Merz et al., under review), erklärt eine Verkürzung der wahrgenommenen Strecke, d.h. Fröhlich-Effekt sowie den Offset-Repulsion-Effect, wenn die tatsächliche Stimulusgeschwindigkeit schneller als die zuvor gebildete Erwartung an die Geschwindigkeit ist. Eine Verlängerung der wahrgenommenen Strecke, also Onset-Repulsion-Effect und Representional Momentum, resultiert aus einer schnellen erwarteten Stimulusgeschwindigkeit. Der Speed Prior Account wäre eine Möglichkeit, die verschiedenen Wahrnehmungsphänomene in Abhängigkeit zur Geschwindigkeit eines sich bewegenden Reizes zu erklären. Diese Studie testet die spezifischen Vorhersagen des Speed Prior Accounts hinsichtlich der Wahrnehmungsverzerrungen des Start- und Endpunkts. Ein klare Hypothese des Speed Prior Accounts ist es, dass sich die o.g. Wahrnehmungsverzerrungen mit Veränderung der tatsächlichen Geschwindigkeit variieren sollen. In drei Experimenten zeigte sich, dass bei sukzessiver Steigerung der Geschwindigkeit bei Betrachtung des Startpunkts eine Vorwärtsverschiebung und bei Betrachtung des Endpunkts eine Rückwärtsverschiebung durch Probanden geschätzt wurde. Auch die vorhergesagte Verlängerung der wahrgenommenen Strecke bei Verringerung der Bewegungsgeschwindigkeit wurde beobachtet. Diese Ergebnisse stützen den Speed Prior Account, den ersten Erklärungsansatz, der versucht jede dieser vier Wahrnehmungsverzerrungen durch die Annahme einer bestimmten Geschwindigkeit zu begründen.
07Wahrnehmung von Körperprozessen - Studie zum Zusammenhang von Interozeption, Mestruationszyklus, Depression und Angstsensitivität
Autor*innenMelzer, Mariann; Schmitt, Julia; Knops, Vanessa; Tochtrop, Mira; Rinck, Jenny; von Lobenstein, Rosa; Meißen, Emma; Frohnert, Noah; Gehler, Lea; Arabi, Mustafa; Östreich, Melina & Zepke, Leonie
DozentinnenDr. Angelika Dierolf, M. Sc. Kim Opdensteinen
Abstract

Aufgrund der bisher geringen Befunde aus der Forschung befasst sich die vorliegende Studie mit den Konstrukten Interoceptive Accuracy sowie die Interoceptive awareness in Bezug auf den weiblichen Zyklus und die Art der Verhütung. Basierend auf den bisherigen Erkenntnissen soll explorativ die Frage beantwortet werden, ob die Art des Verhütungsmittels und die Menstruationsphase einen Einfluss auf die Interozeption der Frauen hat.

Dafür wurden sowohl Frauen, die hormonell verhüten, als auch Frauen, die kein hormonelles Verhütungsmittel nutzen, während ihres Zyklus online über Unipark befragt. Die Fragebogen-Studie erfolgte an vier Zeitpunkten: Einer Vorerhebung, dem sog. Pre-Screening, und den drei Zyklusphasen (Luteal-, Follikel-, und Ovulationsphase). Die Phasen wurden individuell aus den Daten der Versuchspersonen, welche dem Pre-Screening entnommen wurden, anhand eines Eisprungkalenders errechnet.

Von 126 Teilnahmen konnte auf Grund von Unvollständigen Datensätzen und teilweise keiner Übereinstimmung der tatsächliche Zyklusphase und geplanter MZP der Zyklusphase konnten nur 68 Datensätze ausgewertet werden. Ein Großteil der Teilnehmerinnen waren Psychologiestudentinnen der Universität Trier. Das Verhältnis von hormonell zu nicht-hormonell verhütenden Frauen war ausgeglichen. Von den 68 Frauen verhüteten 48,5% hormonell und 51,5% nutzten keine hormonelle Verhütung.

Bei den drei Messzeitpunkten zu den verschiedenen Zyklusphasen wurde unter anderem der MAIA (Multidimensional Assessment of Interoceptive Awareness, Mehling et. al 2018) und der IAS (Interoceptive Accuracy Scale, Murphy, 2018) verwendet um sowohl die interoceptive sensitivity als auch die interoceptive accuracy zu messen.

Zur Hypothesentestung wurde eine 2x3 ANOVA (hormonelle vs. nicht hormonelle Verhütung x Messzeitpunkt) mit Messwiederholung auf dem Faktor MZP gerechnet, um den Einfluss der Verhütungsmethode und der Menstruationsphase auf die Interoceptive sensitivity und accuracy zu testen. Der MAIA besteht aus acht Subskalen: Bemerken, Nicht-Ablenken, Sich-Keine-Sorgen-Machen, Aufmerksamkeits-Regulation, Emotionales-Gewahrsein, Selbst-Regulation, Auf-den-Leib, hören und Vertrauen.

Bei Betrachtung der MAIA-Subskalen ergaben sich folgende Ergebnisse. Die Haupteffekte Menstruationsphase (F (2, 212) = .828, p = .438) und Verhütungsgruppe (F (1, 106) = .389, p = .534) wurden nicht signifikant. Außerdem wurde die Interaktion MAIA-Skalen * Menstruationsphase (F (14, 1484) = 1.137, p = .329) sowie die Interaktion MAIA-Skalen * Menstruationsphase * Verhütungsgruppe nicht signifikant (F (14, 1484) = .743, p =.69).

Der IAS Score ergab für die drei Messzeitpunkte Menstruationsphase (MW = 79.21, SD = 9.78), Ovulationsphase (MW = 80.82, SD = 11), Lutealphase (MW = 78.5, SD = 11.61) nicht signifikante Haupteffekte der Menstruationsphase (F (2,132) = 2.686, p = .072) und der Verhütungsgruppe (F (1, 66) = 0.019, p = .891). Auch die Interaktion Menstruationsphase * Verhütungsgruppe wurde dabei nicht signifikant (F (2, 132) = .251, p = .779).

Der Einfluss der Menstruationsphase auf die Interozeption konnte trotz hoher Power nicht nachgewiesen werden. Eine Folgestudie mit wiederholter Erfassung der Probandinnen sowie der Hinzunahme eines Achtsamkeitsfragebogens, als auch der Erfassung von Corona- und Impfauswirkungen, wurde bereits realisiert und befindet sich in der Auswertung.

09Kontrollieren Spinnen die Aufmerksamkeit? Effekte von Valenz auf räumliche Bindung
Autor*innenGabriel, Hannah; Küpper, Verena & Zorn, Deborah
DozentDr. Lars-Michael Schöpper
AbstractBindungseffekte beschreiben die kurzzeitige Kopplung reizbezogener Informationen und der Reaktion auf diese in sogenannte „event files“. Hierbei wird die temporäre Bindung von Merkmalen und Reaktionen mittels der Verwendung einer Prime-Probe-Sequenz erfasst, in welcher die Versuchsperson auf zwei aufeinanderfolgende Reize – Prime-Zielreiz und Probe-Zielreiz – reagiert. Die vorliegende Studie untersucht, ob solche Bindungsprozesse durch Valenz – genauer, ein mit dem Probe-Zielreiz räumlich kongruentes positives oder negatives Bild vor dem Abruf der Reaktion – den Bindungseffekt moduliert. Es wird ein aufmerksamkeitslenkender Einfluss von der Präsentation von Spinnen, einer evolutionär-bedingt Angstauslösenden Reizkategorie, erwartet, welcher potentiell in einer Vermeidung der mit dem Spinnenreiz assoziierten Position einhergeht. Dies würde sich in einem verstärkten Bindungseffekt nach Darbietung positiv valenter im Vergleich zu negativ valenten Bildern ausdrücken. In der vorliegenden Online-Studie reagierten die Versuchspersonen (N = 31) auf Reize, welche die Position wiederholten oder wechselten. Zwischen Prime und Probe wurde jeweils ein positives und negatives Bild dargeboten. Über alle Versuchspersonen betrachtet, unterstützen die Ergebnisse nur deskriptiv die Annahme, dass der Bindungseffekt (in den Fehlerraten) nach Präsentation positiver Bilder im Vergleich zu negativen Bildern größer ausfällt. Wird jedoch die über einen Fragebogen miterfasste Spinnenfurcht berücksichtigt, wird die Differenz zwischen dem Bindungseffekt in der Fehlerrate positiver und negativer Valenz signifikant: mit höherer Spinnenfurcht wird der Bindungseffekt bei positiven kongruenten Bildern größer. Zusammenfassend bestätigen die Ergebnisse bei Einbettung der Spinnenfurcht in die Hypothese, dass die Valenz die Aufmerksamkeit und dadurch den Bindungseffekt moduliert. Somit haben individuelle Faktoren einen Einfluss auf die Ausprägung von Reiz-Reaktions-Bindungen, die einen zentralen Mechanismus der Handlungssteuerung darstellen.
10Verbessern Entspannungsverfahren die Interozeptionsfähigkeit? – Eine 1-wöchige Intervention
Autor*innenGorji, Lilia; Haarhaus, Marlene; Thies, Clara; von Koenigsmarck, Benita & Weis, Carolin
DozentinDr. Angelika Dierolf
Abstract

Interozeption ist die Wahrnehmung von afferenten Signalen, welche im Körper entstehen (Cameron, 2001). Typische Beispiele sind Hunger oder Durst. Interozeptive Dysfunktion ist in verschiedenen stressbezogenen Erkrankungen mit psychischen und körperlichen Symptomen beobachtet worden (Khalsa et al., 2004). Ein effizientes Training interozeptiver Dimensionen wie interozeptive Genauigkeit oder Sensitivität würden von großen Nutzen für Patienten mit geringen interozeptiven Fähigkeiten sein. Diese Online-Studie untersucht daher den Einfluss eines körperbezogenen und eines imaginativen Achtsamkeitstrainings auf die interozeptive Sensitivität an 76 gesunden Versuchspersonen, welche zum Erhebungszeitpunkt eine Altersspanne von 18-57 Jahren aufwiesen und durchschnittlich 22 Jahre alt waren. Dafür wurde die Fähigkeit zur Interozeption mithilfe des “Multidimensional Assessment of Interoceptive Awareness” (MAIA) Selbstberichtinventars (Mehling et al., 2012) und mittels der Interoceptive Accuracy Scale (IAS) (Murphy et al., 2018) zu zwei Messzeitpunkten erfasst. Die Erhebung umfasste insgesamt sechs Tage, an Tag eins und Tag sechs wurden die eben erwähnten Interozeptionsfragebögen abgefragt. Dazwischen erfolgte für fünf Tage (Tag eins bis Tag fünf) die Durchführung der ausgewählten Interventionsmaßnahmen. Je nach zugeteilter Gruppe hörten die Versuchsteilnehmer*innen also einen Bodyscan (körperbezogenes Achtsamkeitstraining), eine Traumreise (imaginatives Achtsamkeitstraining) oder eine Podcast-Reihe (rein informativ). Alle drei Interventionsmaßnahmen waren als Audiodatei in die Online-Erhebung integriert und sollten von den Teilnehmenden unter der Instruktion sich an einen ruhigen, ungestörten Ort zu begeben, sich hinzulegen und zu entspannen, abgespielt werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die fünf-tägige Intervention in Form eines Achtsamkeitstrainings die interozeptiven Fähigkeiten mit den nicht signifikanten p-Werten von .33 beim MAIA und .36 beim IAS nicht steigert. Aus den Daten geht jedoch hervor, dass Personen, die privat Yoga, Mediation oder Achtsamkeitstraining betreiben, entsprechende Vorerfahrung der Teilnehmer*innen wurde miterhoben, unabhängig von der Intervention eine höhere interozeptiven Sensitivität zeigen. Eine regelmäßige und häufige Durchführung von Yoga, Mediation oder Achtsamkeitstraining ist also positiv mit der interozeptiven Sensitivität assoziiert. Dies könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass ggf. der Interventionszeitraum zu kurz war, um eine signifikante Verbesserung der Werte in MAIA und IAS zu bewirken.

Die aktuelle Covid-19 Pandemie, wie auch Depression, Angst und Stress weisen einen Zusammenhang mit interozeptiver Sensitivität auf.

Diese 1-wöchige Intervention mit Achtsamkeitstrainings verändert die interozeptiven Fähigkeiten also nicht. Dennoch ist weitere Forschung zu diesem Thema sinnvoll, da etwa erste Befunde aus der klinischen Psychologie einen positiven Effekt von Achtsamkeitstraining auf Patienten nachweisen (Neukirch et al., 2019). In Zukunft könnte also etwa eine längere, nicht online durchgeführte Intervention angestrebt werden.

11Können Fließtexte selektiv vergessen werden?
Autor*innenFischer, Anna; Tokmak, Beyza; Derin, Ebru; Meuser, Salome & Reinhard, Marie
DozentPD Dr. Bernhard Pastötter
Abstract

Studien zum „selective list method directed forgetting” konnten bestätigen, dass Probanden gezielt irrelevante Informationen vergaßen, während relevante Informationen beibehalten worden sind. Den Versuchspersonen wurden drei Listen mit jeweils bis zu zwölf Vokabeln präsentiert, auf die ein Cue folgte, diese zu behalten oder wieder zu vergessen. Es zeigte sich, dass die zu vergessenden Listen beim Abruf schlechter behalten worden sind, ohne die Erinnerungsleistung für die zu behaltenden Listen zu beeinträchtigen. Diese Grundlagenforschungen liefern wissenschaftliche Evidenz für die Wichtigkeit, den Zugang unerwünschter, veralteter oder irrelevanter Informationen im täglichen Leben zu erschweren, um die Zugänglichkeit für relevante und erwünschte Informationen zu ermöglichen.

In dieser Studie wird untersucht, ob selektiv gerichtetes Vergessen auch bei Fließtexten vorzufinden ist. Das Experiment beinhaltet ein einfaktorielles Versuchsdesign mit einer zwischen den 105 getesteten Versuchspersonen experimentell manipulierten Variable „Hinweisreiz“ mit drei Stufen (RRR, RFR, FFR) in Bezug auf die abhängige Variable „Erinnerung der Fließtexte“. In der „Remember-Remember-Remember” (RRR) Bedingung wurden den Probanden drei Texte vorgelegt, welche alle erinnert werden sollten. In der „Remember-Forget-Remember“ (RFR) Bedingung sollten die Versuchspersonen den ersten Text behalten, der zweite sollte durch eine Vergessensinstruktion nicht gemerkt werden und der dritte behalten werden. In der Bedingung „Forget-Forget-Remember“ (FFR) sollten die ersten beiden Texte vergessen werden, der letzte sollte sich jedoch gemerkt werden. Berechnet wurden drei univariate Varianzanalysen für die jeweiligen drei Listen mit dem Programm „JASP“. Die Ergebnisse der Dekodierung zeigten keine signifikanten Ergebnisse in Bezug auf selektiv gerichtetes Vergessen. Das Resultat spricht eher für die Theorie der Kontextveränderung, welche postuliert, dass ein Vergessenshinweis eine Änderung des mentalen Kontexts beim Subjekt verursacht. Dadurch entsteht eine Diskrepanz zwischen En- und Dekodierung, die dazu führt, dass das Gedächtnis für alle vorab erhaltenen Cues, die Texte zu erinnern oder zu vergessen, beeinträchtigt wird. Zusätzlich spricht die Nutzung ganzer Fließtexte für einen näheren Alltagsbezug und könnte die Methode zum selektiv gerichteten Vergessen von Wortlisten in Bezug auf die reale Welt, z.B. das Vergessen von“ Fake News“, in Frage stellen. Allerdings weist die Studie starke Limitationen auf, sodass weitere Forschung absolut notwendig ist, um eindeutige Erkenntnisse zu gewinnen.

12Der Einfluss von Erwartungen auf den representational momentum Effekt
Autor*innenFindeis, Felix; Weiten, Jana; Bonfico, Carla & Odenwald, Max
DozentDr. Simon Merz
AbstractDie Wahrnehmungsverzerrung bei dynamischen Stimuli durch einen Lokalisationsfehler ist bereits ausreichend empirisch belegt, jedoch theoretisch nicht vollständig erklärt. Der „speed-prior account“ ergänzt neben dem „Activation-Modell“ eine neue Theorie, den „representational-momentum“ Effekt zu erklären und postuliert, dass die Einschätzung von der erwarteten Geschwindigkeit des Stimulus abhängig ist. Diese Studie geht genauer darauf ein, ob diese Erwartung modifizierbar ist. Dafür wurden zwei verschieden farbige und verschieden schnelle Stimuli eingesetzt. Eine Farbe wurde in den Lerndurchgängen mit einer Geschwindigkeit präsentiert, wodurch versucht wurde, eine Assoziation zwischen Geschwindigkeit und Farbe herzustellen. Im Testdurchgang wurde dann diese Assoziation auf die Probe gestellt, indem nicht assoziierte Geschwindigkeit und Farbe kombiniert wurden. Die Ergebnisse zeigen den klassischen „representational momentum Effekt“. Die Hypothese, Erwartung habe einen Einfluss auf Stimuluseinschätzung, konnte in erster Linie jedoch nicht bestätigt werden. Allerdings ist auch nicht klar, ob überhaupt durch die Farb-Geschwindigkeitsassoziation eine solide Erwartung an den Stimuli erzeugt wurde. Daher wurde Experiment 2 durchgeführt, indem die Erwartungsbildung durch das Hinzufügen eines visuellen und auditiven Hinweisreizes verstärkt werden sollte. Der visuelle und auditive Hinweisreiz wurden bereits vor dem Durchgang präsentiert, damit die Assoziation zwischen Stimulus und Farbe deutlicher wird. Wie bei Experiment 1 konnte der „representational momentum” Effekt gezeigt werden, jedoch nicht der vermutete Erwartungseffekt.
13Distractor-Response-Binding beim Eclipse-Design: Die Manipulation von Größenverhältnissen in der Handlungssteuerung
Autor*innenGoumas, Constantin L.; Kessel, Marie & Scariot, Marco
DozentDr. Lars-Michael Schöpper
AbstractNach Theorien zur Handlungssteuerung werden bei der Reaktion auf Reize Reizmerkmale und die damit verbundenen Reaktionen miteinander assoziiert und verursachen bei Wiederholung Abruf. Dabei führen komplette Wiederholung und kompletter Wechsel zu schnelleren Reaktionen im Vergleich zu partiellen Wiederholungen. Werden auch aufgabenirrelevante Reizerkmale (sogenannte Distraktoren) miteinbezogen, so spricht man von Distraktor-Reaktions-Bindung. Die Forschungslage bezüglich der Stimulusgröße als Reizmerkmal bei der Distraktor-Reaktions-Bindung ist unklar; demnach scheint die Reizgröße nur an die Reaktion gebunden zu werden, wenn kein weiteres Reizmerkmal variiert wird (Singh & Frings, 2020). Im Rahmen dieses Online-Reaktionszeitexperiments (N = 34) wurde überprüft, ob die Manipulation des Größenverhältnisses zwischen zwei aufeinanderfolgenden Reizen zur Bindung von Größe und Reaktion führt. Dabei wurden zwei ineinanderliegende Kreise präsentiert, wobei die Reaktion auf die Farbe des äußeren Kreises gegeben wurde. Als Distraktoren wurde die Farbe des inneren Kreises und das Größenverhältnis der Kreisflächen orthogonal variiert. Es ergaben sich Distraktor-Reaktions-Bindungen zwischen Farbe und Reaktion, sowie zwischen Größe und Reaktion. Farbe und Größe interagierten hingegen nicht signifikant miteinander. Die Ergebnisse widersprechen Singh und Frings (2020), da Größe auch unter der Variation anderer Reizmerkmale mit der Reaktion gebunden wird – dies könnte auf die Operationalisierung von Größe als Verhältnis von Reiz und Distraktor zurückzuführen sein. Der ausbleibende Bindungseffekt zwischen Größe und Farbe deutet auf weitere Besonderheiten von Größe als Reizmerkmal hin.
14Wie du mir, so ich anderen - Generativität und Identität bei berufstätigen Müttern
Autor*innenHornig, Yvonne; Lippert, Johanna & Zimmermann, Helene
DozentDr. Holger Busch
Abstract

Identität und Generativität sind zwei Konstrukte, die Erikson (1968) in seiner Theorie der psychosozialen Entwicklung erstmals in Zusammenhang brachte. Seither wurde sowohl der Identitätsbegriff in drei Dimensionen (Commitment, Exploration und Reconsideration of Commitment) differenziert als auch generative Verhaltensweisen in den unterschiedlichsten Kontexten beleuchtet. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft eine Vielzahl von Erwachsenen und das Thema dieser Studie sind die berufstätigen Mütter. Unsere Forschungsfrage lautet, ob die Erfahrung Unterstützung erlebt zu haben bei der eigenen Identitätsfindung in der Rolle als berufstätige Mutter zu eigenem generativen Verhalten in diesem Bereich motiviert. In einem Mediationsmodell haben wir die erfahrene Generativität als Prädiktor, die drei Identitätsdimensionen als Mediator und die geleistete Generativität als Kriterium aufgestellt. 322 Probandinnen haben an der Studie teilgenommen, die einen Fragebogen mit 9 Instrumenten zur Erhebung der globalen Lebenszufriedenheit, der erfahrenen Generativität, der Identität in drei Dimensionen, dem Selbstwert sich selbst sowie der eigenen Gruppe gegenüber, der geleisteten Generativität, der Extraversion, der Partnerschafts- und der Arbeitszufriedenheit beinhaltet. Die Datenauswertung bestätigt eine vollständige parallele Mediation mit signifikanten Pfadkoeffizienten und einem statistisch bedeutsamen, totalen indirekten Effekt. Der Einfluss der Variablen globale Lebenszufriedenheit, Extraversion und Alter werden diskutiert und ein Ausblick auf vertiefende Forschungsthemen erörtert.

Unser vorgeschlagenes Modell klärt 30% der gefundenen Varianz der Generativität der Teilnehmerinnen auf ( = .304, F(6,315) = 22,99, p < .001). Die einzelnen Effekte werden diskutiert.

15Der Herr der Eigenschaften: Zusammenhang zwischen Motiven und Charaktereigenschaften in Videospielen
Autor*innenJoswig, Jan; Kocaoglu, Mert; Papenroth, Phillip & Weis, Tiffany
DozentinM. Sc. Susanne Pöller
Abstract

Motive können in vielen Bereichen des Lebens Verhalten erklären. In unserer Wipro-Online-Studie haben wir dies auf Videospiele bezogen. Wie Poller 2018 zeigt, korreliert Persönlichkeit inform der BIG Five mit expliziten Motiven. Außerdem präferieren Spieler Avatare, die ihre eigene Persönlichkeit widerspiegeln (Park et al., 2007). Dies kombinierten wir zur Hypothese, dass Personen mit hoher Motivausprägung im Bereich Leistung, Macht und Anschluss Eigenschaften die diese Motive Ansprechen bei einer Avatar Erstellung präferieren. 98 Versuchspersonen nahmen an der Umfrage teil. Die Motive wurden mit dem GREM und UMS erfasst. Probanden konnten 18 Punkte auf 7 Positive und weitere 18 auf 7 negative Eigenschaften verteilen. Diese beschrieben ihren Avatar für ein darauf folgendes Textadventure.  Besonders für das Macht und Anschlussmotiv konnte die Hypothese bestätigt werden. Motive korrelieren somit mit der Eigenschaftsauswahl in Videospielen. In weiterer Forschung könnten bessere Eigenschaften mit genauen Definitionen genutzt werden, um stärkere Effekte zu erzeugen. Das Leistungsmotiv stellte sich als besonders schwieriges Motiv heraus, da es schwierig vom Machtmotiv abzugrenzen ist und durch die Auswahl von Eigenschaften ggf. per Definition nicht angesprochen wird. Wie stark die Effekte in realen Videospielen sind, ist ebenfalls eine interessante Forschungsfortsetzung.