Keynote Speaker:innen

Keynote am 11.03.2026 von 14:30 bis 15:30 Uhr

PD Dr. Amina Kropp (Universität Mannheim)

PD Dr. Amina Kropp ist Akademische Oberrätin am Romanischen Seminar der Universität Mannheim. Sie beschäftigt sich in der Sprach- und Medienwissenschaft vor allem mit den Schwerpunktthemen des Vulgärlateins inklusive der Entwicklung zu den Romanischen Sprachen und der (historischen) Pragmatik. Außerdem nimmt auch der Themenkomplex der Mehrsprachigkeit eine große Rolle in ihrem Forschungsprofil ein. In ihrem Keynote-Vortrag beim diesjährigen LIMES-Kolloquium wird sie Einblicke geben in drei ausgewählte sprachwissenschaftliche Forschungsprojekte rund um die Themen Pragmalinguistik, mehrsprachiges Fremdsprachenlernen und Dialektgebrauch in der italienischen Musikszene.

Abstract: Von Magie, Mehrsprachigkeit und Musik. Einblicke in einen romanistischen „Forschungsparcours“

Die romanische Sprachwissenschaft zeichnet sich nicht nur durch einen breiten sprachlichen Zuschnitt, sondern auch durch eine große thematische Vielfalt aus (vgl. Kramer 2004; Kremnitz 2019; Lieber 2008). Hierzu zählen neben traditionellen philologisch-historischen oder dialektologischen Perspektiven etwa auch gesellschaftlich hochaktuelle Fragestellungen zu Spracherwerb und Mehrsprachigkeit in Migrations- oder Minderheitenkontexten. Konstitutiv für das Fach ist zudem eine am Forschungsgegenstand ausgerichtete theoretische wie auch methodisch-methodologische Offenheit und Anschlussfähigkeit (vgl. auch Ladilova/Leschzyk 2020). 

Vor diesem Hintergrund soll der Vortrag Einblicke in zentrale Etappen einer romanistischen Forschungsbiographie geben. Im Fokus stehen dabei drei ausgewählte sprachwissenschaftliche Forschungsprojekte, die von der pragmalinguistischen Einordnung schwarzmagischer Sprachverwendung über die theoretische Modellierung von Herkunftssprecher:innen als spezifischen mehrsprachigen Fremdsprachenlernenden bis hin zur (sozio-)linguistischen Analyse des Dialektgebrauchs in der neueren italienischen Musikszene reichen. Neben inhaltlich-methodischen Aspekten sollen auch die Chancen und Herausforderungen interdisziplinärer und integrativer Zugänge herausgestellt werden.

Literatur: 
Kramer, Johannes (2004): „Linguistische Romanistik heute: Plädoyer für die Bevorzugung des Besonderen vor dem Allgemeinen“. In: Romanische Forschungen 116/1, S. 66-73.
Kremnitz, Georg (22019): Geschichte der romanischen Sprachwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung der Zahl der romanischen Sprachen. Wien: Praesens Verlag.
Ladilova, Anna/Leschzyk, Dinah (2020): „Fortschritt durch Interdisziplinarität. Methodische Offenheit in der Romanistik“. In: Becker, Lidia et al. (Hrsg.): Fachbewusstsein der Romanistik: Romanistisches Kolloquium XXXII. Tübingen: Narr Francke Attempto, S. 311-327.
Lieber, Marie (2008): „Die Geschichte der Romanistik an deutschen Universitäten“. In: Kolboom, Ingo/Kotschi, Thomas/Reichel, Edward (Hrsg.): Handbuch Französisch: Sprache – Literatur – Kultur – Gesellschaft. Für Studium, Lehre, Praxis. Berlin: Erich Schmidt Verlag, S. 953-963.

Keynote am 12.03.2026 von 09:30 bis 10:30 Uhr

JProf. Dr. Jonas Grünke (Universität Regensburg)

Jonas Grünke Porträt

Prof. Dr. Jonas Grünke ist Juniorprofessor für Mehrsprachigkeit an der Universität Regensburg. Seine Forschungsschwerpunkte rund um die  Mehrsprachigkeit beziehen sich insbesondere auf den Kontext der Minderheitensprachen, des Sprachkontakts und des migrationsbedingten Spracherwerbs. Hier stehen besonders die phonetisch-phonologischen und morphosyntaktischen Fragestellungen im Fokus. In seinem Keynote-Vortrag beim diesjährigen LIMES-Kolloquium wird er den Sprachkontakt und Spracheinfluss in der Romania beleuchten und unter anderem auch methodologische Vorgehensweisen aufzeigen.

Abstract: Sprachkontakt und Spracheneinfluss in der Romania

Sprachkontakt stellt in der Romania keinen Sonderfall, sondern häufig geradezu den Normalzustand dar. Ob im Französischen der Banlieues, im Katalanischen und Spanischen bilingual aufwachsender Zuwandererkinder in Katalonien, im Italienischen als wichtiger Herkunftssprache in Deutschland oder im Spanischen als Schulfremdsprache in zahlreichen europäischen Ländern – romanische Sprachen sind kontinuierlich und in vielfältiger Weise miteinander sowie mit anderen Sprachsystemen in Kontakt. Der Vortrag nimmt diese Allgegenwärtigkeit von Sprachkontakt zum Ausgangspunkt, um zentrale Fragestellungen, Untersuchungsgegenstände und methodologische Zugänge der Kontaktlinguistik innerhalb der Romania zu skizzieren.

Im Fokus steht dabei das Zusammenspiel verschiedener sprachlicher Ebenen. Anhand ausgewählter Beispiele wird gezeigt, wie phonologische, morphologische, syntaktische und lexikalische Phänomene im Kontaktkontext ineinandergreifen und sich gegenseitig beeinflussen. Der Vortrag diskutiert, welche Arten von Daten (z. B. Korpus-, Experimental- oder soziolinguistische Daten) sich für die Untersuchung unterschiedlicher Fragestellungen eignen und wie interne sprachliche Faktoren mit externen soziolinguistischen Bedingungen zusammenwirken.

Konkret wird am Beispiel des Judenspanischen und unter punktueller Hinzunahme weiterer Kontaktvarietäten erörtert, inwiefern Sprachkontakt – etwa durch Migration, Mehrsprachigkeit oder langfristige Nachbarschaft – zu wechselseitigem Spracheneinfluss führen kann. Dieser äußert sich unter anderem in Sprachwandelprozessen, strukturellen Konvergenzen, Sprachmischungen oder der Herausbildung neuer Varietäten. Ein zentrales Erkenntnisinteresse gilt dabei der Frage, welche sprachlichen Bereiche als besonders anfällig für Spracheneinfluss gelten können und welche sich als vergleichsweise stabil erweisen. Abschließend werden mögliche Erklärungsansätze für die beobachtete Verteilung diskutiert, die sowohl sprachstrukturelle als auch kognitive Faktoren berücksichtigen.