Jahrestagung Linguistische Pragmatik (ALP)

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Am 24. Februar 2026 findet an der Universität Trier die ALP-Jahrestagung zum Thema “Pragmatik & Künstliche Intelligenz: Pragmatische Kompetenz zwischen Mensch und Maschine” statt; Keynotes werden gehalten von Tatjana Scheffler (Bochum) und David Schlangen (Potsdam). 

 

Hier geht es zum Call for Papers und hier zum Programm als Download (PDF).

Wie in den vergangenen Jahren werden die Keynotes auch per Zoom übertragen. Weitere Informationen zum Live-Stream finden Sie in Kürze auf der Homepage.

 

 Anmeldungen zur Tagung (oder zum Live-Stream) bis zum 20. Februar 2026 ; hierfür genügt eine kurze E-Mail an: kontakt@alp-verein.de. Informationen zur Tagungsgebühr einschließlich IBAN finden Sie bitte auf dem Programm.

Jahrestagung Linguistische Pragmatik (ALP)

08:20-08:45Registrierung & Ankommen
08:45-09:00Begrüßung und Einführung
09:00-09:45Keynote 1: David Schlangen (Potsdam) “Wer spricht da?” Zur Pragmatik von Mensch/Chatbot-Interaktionen
09:45-10:15Alexandra Gubina (Mannheim) KI als Interaktionspartner? Zur Steuerung der thematischen Progression bei ChatGPT und TalkPalAI
10:15-10:45Thomas Zurfluh (Zug) Asymmetrische interaktionale Arbeit in sokratischen Dialogen mit Voice-Agenten
10:45-11:30Postersession & Kaffeepause
11:30-12:00Florina Zülli (Zürich) “(A)I Can Empathize with You...” Zur performativen Konstitution von Empathie moderner Sprachmodelle in therapeutischen Dialogen
12:00-12:30Verena Thaler (Innsbruck) Verbale Aggression in der Interaktion mit KI-basierten Chatbots
12:30-13:45Mittagspause
13:45-14:30Keynote 2: Tatjana Scheffler (Bochum) Pragmatische Analysen mit LLMs?
14:30-15:00Mia Schürmann, Silke Reineke, Mark-Christoph Müller (Mannheim) Evaluierung der Verwendung von KI-basierten ASR-Transkripten in Workflows zur linguistischen Transkription für das Forschungs- und Lehrkorpus Gesprochenes Deutsch (FOLK)
15:00-15:30Milena Belosevic (Bielefeld) Polare Fragen als Testfall pragmatischer Kompetenz: LLM-as-a- judge in Unterrichtschats
15:30-16:15Postersession & Kaffeepause
16:15-16:45Stefan Meier, Sascha Michel (Koblenz/Aachen) „Hey, Grok...“Argumentieren mit KI in Social-Media-Plattformen
16:45-17:15Florence Oloff, Uwe-A. Küttner (Mannheim) Die „Vermenschlichung“ der KI? –Sprachliche Anthropomorphisierung und agentivierende Zuschreibungen bei der situierten Verwendung von ChatGPT
17:15-17:45Maximilian Krug, Valentina Nachtigall (Duesburg-Essen/Bochum)Der künstliche Vortragende: Wie KI-Zuschreibungen Glaubwürdigkeit in der Wissenschaftskommunikation untergraben
17:45-18:15Karsten Senkbeil, Nicola Hoppe, Beatrix Kreß, Bettina Lindner-Bornemann, Stephan Schlickau (Hildesheim) Zwischen Anthropomorphismus und Technizität: Studien zur sprachlichen Praxis mit einer verkörperten KI-Beraterin in Virtual Reality
18:15Abschluss der Tagung
18:30Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Linguistische Pragmatik e. V.

Keynote 1 David Schlangen (Potsdam): "Wer spricht da?" Zur Pragmatik von Mensch / Chatbot-Interaktionen


Große Sprachmodelle sind faszinierende Artefakte, scheinen sie doch in der Lage, in erstaunlich allgemeiner Weise linguistisches Verhalten kompetenter Sprachverwender vorherzusagen. Eine Frage, die man aus pragmatischer Perspektive an sie stellen kann ist, in welchem Maße sie pragmatische -- z.B. kontext-sensitive -- Phänomene modellieren. Dies ist eine berechtigte Frage, die zu interessanter Forschung geführt hat und bisher auch noch nicht konklusiv beantwortet ist. In ihrer Form als "chatbots", als künstliche Gesprächs"partner", werfen sie aber auch eine ganz andere Art von Frage auf, die sich nicht auf ihre Eigenschaft als Modell, sondern auf ihre Verwendung als die modellierte Entität bezieht: Lassen sich die Produktionen dieser Chatbots in der Interaktion als sprachliche Handlungen verstehen mit demselben Instrumentarium, mit dem menschliche sprachliche Handlungen in der Pragmatik beschrieben werden? Die Beantwortung dieser Frage hat konkrete ethische Relevanz, denn an dem richtigen Verständnis hängen persönliche (für den Chatbot-Benutzer relevante) wie gesellschaftliche (für deren epistemische Basis relevante) Auswirkungen.

In meinem Vortrag mochte ich diese Frage beleuchten, durch einen Blick darauf, in welchen Relationen der Chatbot durch sein Werden und sein Sein steht nicht nur zu seinem jeweiligen menschlichen Gesprächspartner, sondern auch zur Welt, in der er produziert und produziert wurde. "Wer spricht da?" -- eine künstliche Person, eine Menge von Trainingsdaten, das kulturelle Unterbewusstsein einer linguistischen Gemeinschaft, das Kapital?

Keynote 2 Tatjana Scheffler (Bochum): Pragmatische Analysen mit LLMs?

Viele linguistische Analysen, selbst solche, die bis vor kurzem als äußerst schwierig galten, können aktuelle LLMs gut durchführen. Sie übertreffen dabei oft naive menschliche Annotator*innen. In der Ebene von Diskurses und Pragmatik kommen jedoch zusätzliche Faktoren hinzu, um zu entscheiden, ob und wann LLMs für linguistische Aufgaben eingesetzt werden können. Einerseits hat die pragmatische Ebene den Ruf, „weniger streng” und subjektiver zu sein als andere linguistische Fragestellungen. Daher mögen viele LLM-Annotationen und -Reaktionen oberflächlich betrachtet angemessen erscheinen. Andererseits sind Diskursphänomene selbst in großen Korpora in der Regel selten (da sie sich über große Textabschnitte hinweg manifestieren), und pragmatische Phänomene existieren an der Schnittstelle zwischen Sprache und Gesellschaft (d. h. Sprache als Kommunikationssystem, nicht nur als grammatikalisches System) und hängen daher oft entscheidend von menschlicher Interaktion, den Intentionen der Diskursteilnehmenden und anderen nicht-linguistischen Aspekten ab, die für Sprachmodelle nicht transparent sind (das Grounding-Problem). Aufgrund dieser Faktoren sind die Reaktionen von LLMs im Bereich Diskurs/Pragmatik häufig noch immer nicht menschenähnlich. Anhand von Beispielen aus der aktuellen Forschung zur Erkennung und Interpretation von bildlicher Sprache, zur Semantik und Pragmatik von Emojis sowie zur Erkennung von Hass- und "Flausch"-Rede werden wir die pragmatischen Fähigkeiten von LLMs diskutieren, um herauszuarbeiten, unter welchen Umständen LLMs zur Unterstützung linguistischer Analysen eingesetzt werden können.

Postersession

• Maria Nuralieva, Julia Götz (Heidelberg): LLMs als Identifikationswerkzeuge für semantisch-pragmatischer Muster in medialen Diskursen

• Margret Mundorf (Kaiserslautern): Der Bot als Rechtsexperte und Wissensmittler: Interaktionsanalysen von KI-Chats für Rechtsfragen

• Marlen Jacobshagen (Frankfurt O.): “@Grok -is this true?”:Fake News, Fact-Checking und das Vertrauen in den Algorithmus

• Tim Hector (Siegen): Kochen mit KI: Zum Instruieren zwischen Mensch und Maschine in der smarten Küche

• Sebastian Zollner (Greifswald): Der „Hasskompass“ in (Inter-)Aktion: Eine konversationsanalytische Untersuchung KI-basierter Counter-Speech