Information und politische Partizipation in der frühneuzeitlichen Stadt

In thematischer Anknüpfung an eigene Forschungen u.a. zur Reformationszeit und zum späten 18. Jahrhundert zielt das Projekt darauf ab, den Stellenwert von „Information“ in innerstädtischen Auseinandersetzungen der Frühen Neuzeit systematisch zu bemessen.

Das Projekt geht von der Prämisse aus, dass die Gewährung von und die Teilhabe an Information zentrale Wertvorstellungen sozialer System in der Vormoderne tangierte. Für die Stadt, deren Bürgerschaft sich als Schwurgemeinde begriff und auch formal als eine solche konstituierte, galt dies in besonderem Maße, weil sich Bürger in Abgrenzung von feudalen Instanzen als teilhabeberechtigte Angehörige eines Rechtsverbandes betrachteten („Stadtluft macht frei“). Unter den Bedingungen einer verdichteten Kommunikation wurden exklusivierende Informationsakte daher unweigerlich als Normbrüche aufgefasst. Doch abgesehen davon, dass das kommunale Gleichheitsprinzip bereits durch Abstufungen in der Rechtsfähigkeit der Einwohner unterlaufen wurde, hatte die weitenteils auf informellem Wege betriebene Oligarchisierung von Herrschaftsrechten durch Honoratiorenkreise bzw. Patriziate zur Folge, dass nicht alle alles wissen sollten respektive durften. Somit bildete der Vorwurf der Desinformation – typischerweise verbunden mit vermeintlich besserem Wissen um die Differenz von Norm und Praxis in der Amtsführung der Magistrate – ein regelmäßiges Leitmotiv in städtischen „Unruhen“. Die Forderung nach mehr Transparenz strahlte allerdings oft über den jeweiligen Gegenstandsbereich hinaus: Gerade in Konstellationen, da die offene Anfechtung von Herrschaftsträgern untunlich war, ist hierin eine Chiffre für partikulare Beteiligungsansprüche, wenn nicht die sogar die Delegitimierung und bezweckte Entmachtung von Eliten gelten.

Das Forschungsvorhaben nimmt sich einen Vergleich innerstädtischer Auseinandersetzungen im Alten Reich um „Information“ in der Frühen Neuezeit vor. Die Fallauswahl soll v.a. anhand typologischer Kriterien erfolgen.

Projekt konzeptionell in Vorbereitung