Globalisierung in der Region: Arbeit, Natur, Identität
Projektleitung: PD Dr. Eva Bischoff
Laufzeit: seit 2026
Globalisierung wird häufig als Prozess der Etablierung von weltumspannenden Netzwerken gedacht, die große Städte oder Häfen über Handelsketten, Kommunikations- und Transportlinien miteinander verbinden. Entsprechend konzentriert sich die Forschung auf die Rekonstruktion der sog. long distance commodity chains (LDCC) oder die Geschichte transnationaler Akteur:innen (z.B. Stollwerck) oder besonderer Produkte (z.B. Baumwolle). Dabei fokussieren Historiker:innen bislang insbesondere auf kolonialisierte Räume (commodity frontiers) oder Gesellschaften des Globalen Südens.
Das europäische Hinterland der Knotenpunkte und damit die Sozial-, Wirtschafts- und Arbeitsgeschichte derjenigen Regionen, deren materielle Ressourcen und Menschen diese Vernetzung ebenfalls ermöglichten, von ihr profitierten oder unter Druck gerieten, gerät dabei häufig aus dem Blick. Parallel zum Prozess der Globalisierung entwickelte sich (insbesondere in Deutschland) das Narrativ von einer ländlichen „Heimat“, die von diesen Prozessen unberührt geblieben sei. Globalisierung erscheint darin entweder nur am Rande, als Neuheit oder gar als destruktive Veränderung oder Bedrohung. Dieses Narrativ existiert bis heute und wird zunehmend politisch aufgeladen. Erst neuere Forschungsinitiativen zielen auf die Rekonstruktion der kolonialen Verbindungen und deren Wirksamkeit auch über den Zeitraum der formellen Kolonisation hinaus (insbesondere die Arbeit des Wissenschaftlichen Netzwerkes „(Post-)Colonial Business History“, PCBH). Auch die deutschsprachige Regionalgeschichte verbindet erst seit kurzem ihre Fragestellungen mit globalhistorischen Perspektiven (z.B. „Kolonialität in den Alpen: Tirols globale Verflechtungen“).
Ausgehend von diesen Impulsen wird anhand von drei Fallstudien die sozial-, umwelt- und arbeitsgeschichtlichen Dimensionen der Globalgeschichte der Region untersucht. Im Zentrum jeder Fallstudie steht der „gesellschaftliche Stoffwechsel mit der Natur“ (Schaupp), also die Arbeit mit/an einem Rohstoff/Produkt, welches eng mit der Region um Trier verbunden ist: Edelsteine (wie Pounamu bzw. Nephrit oder Opale), Tabak und Leder.
