Publikationen
Histories of Tax Evasion, Avoidance and Resistance
Steuerhinterziehung, Steuervermeidung und Steuerwiderstand sind weit verbreitete Phänomene der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und fiskalischen Geschichte von der Antike über das Mittelalter und die Frühe Neuzeit bis in die Moderne. Histories of Tax Evasion, Avoidance and Resistance zeigt, wie unterschiedliche Gruppen und Individuen weltweit darin erfolgreich waren – oder scheiterten –, ihre fälligen Steuern nicht zu zahlen, sei es in Form von Naturalabgaben oder Geld, auf Besitz oder Ernteerträge.
Das Buch analysiert, wie im Laufe der Geschichte wohlhabende wie auch arme Steuerpflichtige versucht haben, ihre Steuerlast zu vermeiden oder zu verringern – etwa durch Verhandlungen mit Steuerbehörden, durch legale oder illegale Praktiken der Steuerumgehung, durch Klagen vor Gericht, durch bewaffneten Widerstand oder durch Migration – und wie staatliche Autoritäten auf solche Formen der Anspruchserhebung, des Widerstands, der offenen Auflehnung oder der Umgehung reagierten. Es schließt eine wichtige Forschungslücke in der Steuer- und Finanzgeschichte, indem es Fragen nach Steuermoral und Gerechtigkeit sowie danach aufgreift, wie soziale und politische Ungleichheit durch Besteuerung ausgehandelt wurde. Zugleich bietet es aufschlussreiche Einblicke in die Entwicklung der Beziehungen zwischen Bürger*innen und Staat im historischen Verlauf.
Der Band umfasst Fallstudien aus dem antiken Athen, dem römischen Ägypten, dem mittelalterlichen Europa, dem frühneuzeitlichen Mexiko, dem Osmanischen Reich, Nigeria unter britischer Kolonialherrschaft, dem Vereinigten Königreich des frühen 20. Jahrhunderts, Griechenland während des Zweiten Weltkriegs sowie aus Westdeutschland, der Schweiz, Schweden und den Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert. Berücksichtigt werden zudem transnationale Verflechtungen in der Welt der spätmodernen Offshore-Finanz- und Steuerpraktiken. Die Autorinnen sind Expertinnen der Finanz-, Wirtschafts-, Rechts-, Sozial- und/oder Kulturgeschichte.
Das Buch richtet sich an Studierende, Forschende und Wissenschaftler*innen der Wirtschafts- und Finanzgeschichte, der Sozial- und Globalgeschichte sowie der Politischen Ökonomie.

»Wilde« im deutschen Identitätsdiskurs 1830–1870
Spuren des Exotischen im nationalen Denken und in kolonialen Bildern
von Christin Hansen.
Über das Buch
Die Konstruktion des »Wilden« als paradigmatische Figur des Anderen diente im 19. Jahrhundert maßgeblich der Konsolidierung eines davon abgegrenzten nationalen Selbstverständnisses der deutschen Gesellschaft. Auf Basis der Auswertung von Romanen und Reiseberichten der Jahre 1830 bis 1870 geht Christin Hansen dieser Bedeutung nach. Erstmalig wird auf diese Weise untersucht, wie unter dem Stereotyp des Wilden drei Gruppen – Indianer, Beduinen, Kosaken – literarisch imaginiert, aber auch binnendifferenziert wurden. Nachvollziehbar wird, wie sich im deutschsprachigen Raum bereits vor 1870 ein präkoloniales Denken entwickelte.

Werksatt Geschichte 88 (2023) Reden über Geld
»Über Geld spricht man nicht.« Diese Benimmregel erweist sich beim Blick in die Vergangenheit als Illusion. Keineswegs war Geld grundsätzlich ein Tabuthema zwischenmenschlicher Kommunikation. Ganz im Gegenteil: Mit dem Reden über Geld wird dieses mit Bedeutung aufgeladen. Die Autor*innen dieses Themenheftes untersuchen Gelddiskurse und die Zuschreibungen von Bedeutung an Geld in der internationalen Geschichte

[Aufsatz] Drei Spielfilme über die Wannseekonferenz als Anlass historischen Lernens
Obwohl die Sound History schon seit geraumer Zeit einen beträchtlichen Aufschwung erlebt, werden auditive Quellen bislang weder von der historischen Forschung noch in der Lehre systematisch genutzt. Dies wirkt zum einen deswegen befremdlich, weil inzwischen zahlreiche Studien die enorme Bedeutung von Tönen und Klängen für ein umfassendes Verständnis des historischen Geschehens aufzeigen konnten. Zum anderen irritiert die nur zögerliche Hinwendung der Geschichtswissenschaft zu den Tonquellen, da die digitale Archivierung heute immer mehr Originalaufnahmen für Forschungs- und Lehrzwecke zur Verfügung stellt.
[…] Den Auftakt machen Christoph Cornelißen, Muriel Favre und Dirk Stolper, die zurzeit im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsverbundes an einer von der DFG geförderten digitalen Text-und Audioedition der Reden Adolf Hitlers zwischen 1933 und 1945 mitwirken. In den Rundfunkarchiven liegen rund 350 Tonaufnahmen von Reden Hitlers vor, die um einen historisch-kritischen Anmerkungsapparat ergänzt in Zukunft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Darüber soll nicht nur die Rolle Hitlers als politischer Redner eingehend beleuchtet werden, sondern auch der allgemeinen NS-Forschung neue Impulse vermittelt werden. […]
Angesichts der heute sich dynamisch verändernden Lage bei der Bereitstellung und Auswertung von Tonquellen ist das hier vorgelegte Themenheft ein Plädoyer für den Aufbruch zu einer multimediale Geschichtsschreibung, die sich durch das Bewusstsein für die besonderen methodischen und praktischen Herausforderungen im Umgang mit auditiven Quellen auszeichnet.
Christoph Cornelißen

Strafverfolgungspraxis im Schein-Rechtsstaat des „Dritten Reiches“
Die Geheime Staatspolizei ist längst zum Sinnbild der Strafverfolgung in der NS-Zeit geworden. Sie gilt – gemeinsam mit den Sondergerichten und dem Volksgerichtshof – als Inbegriff nationalsozialistischer Rechtsbeugung im Kontext von Terror und Willkür. Nur selten werden hingegen auch die ordentlichen Gerichte auf regionaler Ebene sowie die übrigen Polizeibehörden berücksichtigt. Die Studie beleuchtet an einem regionalen Beispiel, wie sich in der alltäglichen Arbeitspraxis die Zusammenarbeit von Polizei, Gerichten und Staatsanwaltschaft gestaltete. Dabei rückt sie zentrale Tätigkeitsfelder der Regionalbehörden in den Fokus, um die Entwicklung der nationalsozialistischen Strafverfolgungspraxis nachzuzeichnen und mit einem akteurszentrierten Ansatz die Bedeutung von Juristen für das NS-Regime herauszuarbeiten.

Rezension von: "Felix Krämer Leben auf Kredit."
Prof. Dr. Korinna Schönhärl rezensiert das Buch “Leben auf Kredit. Menschen, Macht und Schulden in den USA vom Ende der Sklaverei bis in die Gegenwart (Strukturwandel des Eigentums, Bd. 3)” von Felix Krämer.
