Zweites Alumni-Treffen der Trierer Politikwissenschaft 2006

Vom 24. bis zum 25. Februar 2006 fand nun schon zum zweiten Mal das Alumni-Treffen ehemaliger Studenten des Faches Politikwissenschaften der Universität Trier statt. Wie im Vorjahr erfreute sich die Veranstaltung erneut einer regen Beteiligung. Als Gastredner des einführenden Festvortrages in der Promotionsaula des Trierer Priesterseminars konnte für den Abend des 24. Februar 2006 Dr. Cornelius Sommer, Botschafter a.D., gewonnen werden. Vor mehr als 70 Zuhörern sprach er zum Thema "Exklave oder Enklave? Kaliningrad zwischen Rußland und der Europäischen Union." Dr. Sommer, der auf eine bewegte Karriere zurückblickt, in der er u.a. Asienbeauftragter der Bundesregierung war, bekleidete zuletzt das Amt des deutschen Generalkonsuls in Kaliningrad.


Der Vortrag machte deutlich, wie groß die sozialen Disparitäten im ehemaligen Königsberg heute sind. Einerseits gebe es im Konsumbereich alles, was auch in Westeuropa angeboten werde. Andererseits könne sich bei einem Lohn von umgerechnet 25 € im Monat aber nur ein geringer Teil der Bevölkerung diese Waren auch leisten. Der Wandel in dem zwischen Litauen und Polen eingeschlossenen Gebiet zeige sich auch daran, daß es seine einst hohe militärstrategische Bedeutung für die russischen Streitkräfte verloren habe. Dies werde u.a. am Niedergang der Infrastruktur der weiterhin vor Ort ansässigen Armeeeinheiten deutlich.


In der anschließenden Diskussion, die von Prof. Dr. Hanns W. Maull geleitet wurde, ging Dr. Sommer auf die mit der Geschichte der Stadt verbundenen psychologischen Empfindlichkeiten der russischen Führung ein. Im Kontext der 750-Jahrfeier der Gründung Königsbergs sei erneut erkennbar geworden, daß das offizielle Moskau ein Problem mit der deutschen Vergangenheit der Stadt Immanuel Kants habe.


Im Gegensatz dazu gehe die Bevölkerung Kaliningrads sehr ungezwungen mit dem Namen "Königsberg" um, was auch darauf zurückzuführen sei, daß diese weitaus öfter westliche Staaten als das russische Kerngebiet besuche.

Am nächsten Morgen wurde das Alumni-Treffen im Gästeraum der Universität Trier fortgesetzt. Zunächst trug Jun.-Prof. Dr. Sebastian Harnisch zum Thema "Irans Nuklearprogramm und der UN-Sicherheitsrat" vor.


Der Leiter der Arbeitsstelle Internationale Beziehungen der Trierer Politikwissenschaft informierte über Stand und Perspektiven der Bestrebungen Teherans, in den Besitz der A-Waffe zu gelangen. Angesprochen wurden dabei auch die diplomatischen Bemühungen der EU-3 (Deutschland, Großbritannien, Frankreich) sowie mögliche militärische Optionen, um den Iran von einer Schließung des Brennstoffkreislaufs abzuhalten.

Im folgenden ersten Panel zum Thema "Erfahrungen in der Politikberatung und Politikumsetzung - Das Beispiel Entwicklungshilfe" trugen Johanna Löhr (Photo rechts, 2.v.l.) von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und Dennis Schrey (Photo rechts, 1.v.r.) von der Konrad Adenauer Stiftung vor.


Moderiert wurde die Veranstaltung von Inge Kreutz (Photo oben, 1.v.l.), Redakteurin des Trierischen Volksfreundes. Die Referenten stellten Ziele und Strukturen ihrer Organisationen vor. Am Beispiel der Tsunami-Verwüstungen vom Dezember 2004 wurde diskutiert, in welcher Weise Regierungen und Nichtregierungsorganisationen Katastrophenhilfe leisten.

Das zweite Panel war dem Thema "Berufseinstieg und Berufserfahrungen" gewidmet. Ulrike Stepp (Photo links, 2.v.l.) vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und Jan Vellemann (Photo links, 1.v.r) von der europäischen Polizeigewerkschaft EUROCOP informierten nicht nur über ihre Arbeitgeber, sondern skizzierten auch ihren ganz persönlichen Weg in die Berufswelt nach dem Studium.

Ulrike Stepp betonte, daß bei Auslandsverwendungen ein hohes Maß an Empathie für die Gepflogenheiten des Gastlandes erforderlich sei. Jan Vellemann hob hervor, daß die Beherrschung mehrerer Fremdsprachen bei z.T. über 300 Bewerbungen für eine einzige Ausschreibung eines multinationalen Arbeitgebers conditio sine qua non sei. Die Moderation des Panels lag erneut bei Inge Kreutz.


In der abschließenden, von Christoph Neßhöver geleiteten Diskussion wurden Carsten Tripphaus und Ingrid Bertram zu weiteren Sprechern der Alumni gewählt. Für 2007 wurde angeregt, vor dem Festvortrag eine gesonderte Veranstaltung anzubieten, in der sich einzelne Mitglieder der Alumni Trierer Studenten als Berufsberater zur Verfügung stellen. Des weiteren wurde beschlossen, 2006 erstmals einen Förderpreis für die beste Magisterarbeit im Fach Politikwissenschaften auszuloben.