Band 15 Servatius (2009): Dynamische Unterstützungsformen in kartographischen Medien

Zusammenfassung

Die Funktion und Wirkung dynamischer und interaktiver Unterstützungsformen für die Nutzung von Bildschirmkarten werden beschrieben. Untersucht wurden Formen, wie der schrittweise Kartenaufbau, das interaktive Hervorheben von Informationen und die Anwendung von Markierungsfunktionen zur Registrierung von Zwischenergebnissen in Kartenreihen. Einen besonderen Stellenwert im Buch hat dabei die Beschreibung angewendeter Methoden der Empirischen Kartographie.

Summary

In the investigation, the role and impact of dynamic and interactive forms of assisting map users in working with softmaps are described. The investigation contains successive build-up maps, accentuation with blinking and focusing, and interactive marks to register inter-mediate data in map series. An important topic is the description of the empirical methods used in the investigation.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Auszüge aus Band 15

Textauszug Kapitel 1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung der Arbeit

Was wird untersucht?

Schrittweiser Aufbau eines Kartenthemas

Die empirische Untersuchung gliedert sich in drei Teilbereiche. Der erste Bereich behandelt den schrittweisen Aufbau eines Kartenthemas. Wenn in Karten eine große Informationsmenge auf begrenztem Raum dargestellt werden muss, wird dadurch die Entnahme von Informationen aufgrund des großen Reizangebots meist erschwert. Durch das schrittweise Darbieten der Informationen soll versucht werden, die kognitiven Prozesse des Kartennutzers bei der Wahrnehmung durch eine geeignete Reihenfolge der Einblendung zu leiten und zu unterstützen.(...)

Interaktive Hervorhebung von Kartenelementen

Der zweite Bereich der Untersuchung befasst sich mit der Wirksamkeit von interaktiven Hervorhebungen. Hier soll herausgefunden werden, ob es für den Betrachter einer kartographischen Darstellung nützlich und sinnvoll ist, wenn er die Möglichkeit bekommt, graphische Hervorhebungen im Kartenbild interaktiv anzufordern. Diese Form der Unterstützung soll die Aufmerksamkeit des Betrachters auf relevante Kartenelemente lenken und die Exploration von georäumlichen Daten erleichtern. (…)

 

 

Dynamische Themenreihe mit Unterstützung durch Registrieren von Zwischenergebnissen

Der dritte Bereich der Untersuchung beschäftigt sich mit dynamischen Themenreihen. Die Wirkung der Präsentation mehrerer zusammenhängender Kartenthemen oder Darstellungszeitpunkte nacheinander (z. B. in einer animierten Choroplethenkarte) soll analysiert werden. (…) Um die Effektivität der dynamischen Themenreihungen zu erhöhen, wird zusätzlich eine Form der Unterstützung, das Registrieren von Zwischen- oder Teilergebnissen, eingebracht.

 

In den Untersuchungen kommen Methoden zum Einsatz, die häufig auch im Bereich der Wahrnehmungspsychologie und der Usability-Forschung verwendet werden. Dazu gehören Bildschirmexperimente, Befragungen, Logfile-Analysen und die Blickbewegungsregistrierung . Durchgeführt werden die Untersuchungen im Labor für Empirische Kartographie der Universität Trier mit einer Stichprobe von 60 Versuchspersonen

Registrierung von Blickbewegungen

Textauszug Kapitel 5.3 Untersuchungsergebnisse zum Bereich Themenhervorhebung


Wirksamkeit interaktiver Hervorhebungen


Bei der Beschreibung der Ergebnisse des Untersuchungsbereiches Themenhervorhebung werden folgende Abkürzungen verwendet:

-    HV1 = Hervorhebung durch Aufleuchten,

-    HV2 = Hervorhebung durch Umranden,

-    s = statische Testvorlage,             i = interaktive Testvorlage.

Der in Kapitel 5.2 bereits erläuterte Leistungsindex ist in Abbildung 62 für den Untersuchungsbereich Themenhervorhebung dargestellt. Der Index zeigt bei Variante HV1 keine Unterschiede zwischen den statischen und interaktiven Testvorlagen. Die gesteigerte Leistung von Versuchspersonen bei der interaktiven Testvorlage der Variante HV2 ist dagegen mit einem Signifikanzwert von 0,006 bei Anwendung eines T-Tests statistisch signifikant. Bei den interaktiven Testvorlagen ist die Streuung der Ergebniswerte zudem geringer als bei den statischen Testvorlagen.

 

Abb. 62: Vergleich der Leistungen bei statischen und interaktiven Testvorlagen


(…)

Abbildung 73 zeigt die Fixationslängen bei der ersten Betrachtung der Testvorlagen. Daraus ist ersichtlich, dass sowohl bei den statischen als auch bei den interaktiven Testvorlagen die Mehrheit der Fixationen unterhalb von 200 ms liegt. Es handelt sich dabei um die bereits erläuterten Such- oder Orientierungsfixationen (LEVEN 1991). Der geringste Anteil der Fixationen entfällt auf die Verarbeitungsfixationen. Deren Anzahl liegt bei den interaktiven Testvorlagen zwar jeweils über der Anzahl der statischen Testvorlagen, der Unterschied ist jedoch zu gering, um eine statistisch abgesicherte Aussage treffen zu können. Die Fixationslängen der zweiten Betrachtung der Testvorlagen weisen eine vergleichbare Verteilung auf.

Abb. 73: Verteilung von Fixationslängen


(…)
Die Abbildungen 76 und 77 zeigen die Konzentration von Fixationen aller Versuchspersonen (Blickdichte) am Beispiel der Variante HV1. Bei diesen sog. Aufmerksamkeitslandschaften fällt auf, dass die Verteilung der Fixationen bei der statischen Testvorlage über den gesamten Kartenausschnitt streut, während die Fixationen bei der interaktiven Testvorlage konzentrierter in der Mitte des Kartenausschnitts liegen. (…)

Abb. 76: Aufmerksamkeitslandschaft bei der statischen Testvorlage
Abb. 77: Aufmerksamkeitslandschaft bei der interaktiven Testvorlage



Index

Autorin

Dipl.-Umweltwissenschaftlerin Kerstin Servatius studierte von 2001 bis 2008 Angewandte Umweltwissenschaften an der Universität Trier und war an verschiedenen Forschungsprojekten der Kartographie beteiligt. Von 2009 bis 2010 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Kartographie an der Universität Trier beschäftigt.