Mit einem einzigen, wuchtigen Akkord verwandelte sich die ehemalige Abteikirche St. Maximin in Trier in einen vibrierenden Klangraum: Carl Orffs „Carmina Burana“ eröffnete das Semesterkonzert des Collegium Musicum der Universität Trier mit jener archaischen Wucht, die das Publikum sofort in ihren Bann zieht. Draußen herrschten winterliche Temperaturen, im ausverkauften Kirchenraum jedoch eine spürbare Wärme – nicht nur physisch, sondern vor allem musikalisch.
Unter der Leitung von Gocha Mosiashvili entfalteten Chor und Orchester ein Klangbild, das die ganze Spannweite von Orffs Monumentalwerk auslotete. Schon das eröffnende „O Fortuna“ ließ die Mauern erzittern: Paukenstöße, schneidend präzise Einsätze und ein Chor, der zwischen flüsternder Bedrohung und eruptiver Klanggewalt changierte. Doch ebenso eindrucksvoll gelangen die leisen Momente. Immer wieder nahm sich die Musik zurück, wurde zart, beinahe kammermusikalisch – etwa wenn die Streicher den Frühling in flirrenden Figuren ankündigten oder der Chor lange, schwebende Linien mit großer Klangdisziplin formte.
Die Solistinnen und Solisten setzten markante Akzente: Ausdrucksstarke Baritonpassagen, ein spielerisch-theatralischer Tenorauftritt mitten aus dem Orchester heraus sowie ein leuchtendes Sopran-Solo verliehen den drei Teilen des Werkes individuelle Konturen. Besonders eindrücklich war das Zusammenspiel mit dem Kinderchor, dessen feiner Klang den dramatischen Bogen im „Hof der Liebe“ um eine fragile, beinahe entrückte Dimension erweiterte.
Orffs Musik lebt von Kontrasten, und das Collegium Musicum nutzte diese dramaturgische Anlage konsequent: Derbheit und Zartheit, rhythmische Präzision und ausgelassene Spielfreude standen gleichberechtigt nebeneinander. So wurde das Wirtshaus-Tableau zu einem ebenso humorvollen wie virtuosen Höhepunkt, während die Liebesszenen mit sensibler Dynamik und klanglicher Transparenz überzeugten.
Als am Ende das Schicksalsrad mit der Wiederkehr von „O Fortuna“ seinen Kreis schloss, entlud sich die Spannung in minutenlangem, begeistertem Applaus. Das Publikum erhob sich von den Sitzen – ein eindrucksvolles Echo auf einen Konzertabend, der nicht nur musikalisch überzeugte, sondern auch die besondere Energie eines universitären Ensembles spürbar machte.











