Wie Stein Geschichte speichert

Neues ERC-Projekt „ConstruEnS“ entschlüsselt römische Monumentalbauten als Quellen von Gesellschaft, Umwelt und Herrschaft.

Wie prägten Bauprojekte die Entwicklung des Römischen Reiches? Welche Auswirkungen hatten sie auf Umwelt, Ressourcenmanagement und gesellschaftliche Strukturen? Und welche Rolle spielten monumentale Bauwerke bei der Organisation eines der größten Imperien der Weltgeschichte? Diesen grundlegenden Fragen widmet sich das neue Forschungsprojekt „ConstruEnS – Construction, Environment, and Society on the Rhine and Danube Frontiers of the Roman Empire“ des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA), der Universität Trier und weiterer Institutionen. Es wird in den kommenden fünf Jahren durch einen „ERC Advanced Grant“ des Europäischen Forschungsrats mit knapp 2,5 Millionen Euro gefördert.

Porta Praetoria_Lagerbaumodell_Foto Michael Preischl Museen der Stadt Regensburg
Porta Praetoria Lagerbaumodell. Foto: Michael Preischl Museen der Stadt Regensburg

„Während monumentale Bauwerke bis heute die öffentliche Wahrnehmung des Römischen Reiches prägen, wurden sie bislang vor allem als Zeugnisse architektonischer oder kunsthistorischer Leistungen betrachtet“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Dominik Maschek, am LEIZA Leiter des Kompetenzbereichs „Römische Archäologie“ und Professor für Archäologie an der Universität Trier. „ConstruEnS versteht die Bauten dagegen als komplexe historische Archive, die Informationen zum Beispiel über Ressourcenströme, Arbeitsorganisation, technologische Innovationen, Umweltveränderungen und soziale Dynamiken bewahren“, so Maschek weiter.

Mit diesem Ansatz strebt das Projekt einen grundlegenden Paradigmenwechsel in den Geisteswissenschaften an. Historische Bauwerke werden nicht länger nur als Ergebnisse vergangener Entwicklungen betrachtet, sondern als zentrale Quellen für die Rekonstruktion von Sozial-, Wirtschafts- und Umweltgeschichte. 

Interdisziplinäre Erforschung von Bauten am Rhein und der oberen Donau

Im Zentrum der Untersuchungen stehen römische Monumentalbauten in Xanten, Köln, Mainz, Regensburg und der Römerstadt Carnuntum in Niederösterreich. 

Methodisch verbindet ConstruEnS Archäologie, Architekturgeschichte, Archäometrie, Geowissenschaften, Alte Geschichte und Informatik zu einem hochgradig interdisziplinären Forschungsprogramm. Die gewonnenen Daten werden mithilfe neu entwickelter digitaler Analysewerkzeuge ausgewertet und in einer frei zugänglichen Online-Datenbank zusammengeführt. „Das Projekt etabliert wegweisende Standards für die Altertumswissenschaften und verdeutlicht anschaulich, wie die Erforschung antiker Monumentalbauten neue Perspektiven auf zentrale Herausforderungen menschlicher Gesellschaften eröffnen kann – von der Organisation komplexer Infrastrukturen bis zum Umgang mit Umwelt und Ressourcen“, zeigt die Generaldirektorin des LEIZA und Vizepräsidentin der Leibniz-Gemeinschaft Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch den anspruchsvollen Ansatz des Vorhabens auf. 

Porta Praetoria in Regensburg_Foto Peter Ferstl Bildstelle der Stadt Regensburg.
Porta Praetoria in Regensburg. Foto: Peter Ferstl Bildstelle der Stadt Regensburg.

Gemeinsame europäische Spitzenforschung

Das Projekt ConstruEnS wird gemeinsam vom LEIZA, der Universität Trier und der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt. Darüber hinaus vereint es führende Denkmal- und Forschungseinrichtungen entlang der ehemaligen römischen Nordgrenzen Europas: den Archäologischen Park Xanten (APX), das Römisch-Germanische Museum (RGM) Köln, die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), das Amt für kulturelles Erbe der Stadt Regensburg sowie den Archäologischen Park Carnuntum und das Museum Carnuntinum des Landes Niederösterreich.

Förderung durch den European Research Council

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) ist eine von der Europäischen Kommission eingerichtete Institution zur Finanzierung von grundlagenorientierter und exzellenter Forschung. Er wird über das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizon Europe“ finanziert. Ziel der ERC-Förderung ist es, die besten und kreativsten Wissenschaftler*innen dabei zu unterstützen, neue Ansätze in allen Fachgebieten zu entdecken und zu erforschen. Besonders interdisziplinäre, die Grenzen ihres Fachbereiches überschreitende Ansätze werden hierbei als innovationsversprechend begrüßt.

Mit Advanced Grants unterstützt der Europäische Forschungsrat exzellente und etablierte Forscherinnen und Forscher, die neue Forschungsgebiete erschließen möchten. Für die Projekte erhalten sie bis zu 2,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. 

Weitere Informationen zum ERC Advanced Grant

Kontakt

Prof. Dr. Dominik Maschek
Klassische und Provinzialrömische Archäologie
Mail: maschek@uni-trier.de
Tel. +49 651 201-2506