Im Osten nichts Neues? – (Schul-)pädagogische Perspektiven auf Rechtsextremismus und Antisemitismus
Wie kann religiöse Vielfalt im Klassenzimmer konstruktiv gestaltet werden und welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte dafür?
Der Osten macht regelmäßig Schlagzeilen – besonders nach Wahlen heißt es dann schnell: „Der Osten hat ein Problem mit Rechtsextremismus.“ Der Vortrag setzt genau hier an und problematisiert diese verkürzte Perspektive, ohne rechtsextreme Strukturen oder Ideologien zu relativieren.
Im Mittelpunkt steht die enge Verflechtung von Rechtsextremismus und Antisemitismus im Kontext des Erinnerns an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Im Blick sind dabei Abwehr- und Aneignungspraktiken, durch die neue Formen von Erinnerungskultur entstehen, die weniger auf kritische Aufklärung zielen als auf die Etablierung einer affirmativen, emotional aufgeladenen Beziehung zum „Eigenen“. In diesem Kontext geraten Schulen und Lehrkräfte vermehrt unter Rechtfertigungsdruck, da sie zunehmend zu Feindbildern stilisiert werden.
Der Vortrag lädt dazu ein, aktuelle erinnerungspolitische Dynamiken kritisch zu hinterfragen und zu diskutieren, welche gesellschaftlichen Funktionen diese neuen Deutungen von Geschichte erfüllen – und welche Gefahren sie für eine demokratische Erinnerungs- und Schulkultur mit sich bringen.
Rechtsextremismus und Antisemitismus sind nicht nur ein ostdeutsches Phänomen und bilden sich auch hier in der Schulrealität ab. Lehrkräfte sind hier besonders herausgefordert. Um der Bedeutung des Themas gerecht zu werden und sowohl Wissen über als auch Kompetenzen im Umgang mit sowie eine bewusste Haltung zu entwickeln, veranstaltet das ZfL eine schul- und lehramtsbezogene Vortragsreihe zum Spannungsfeld Religion, Ethnizität und Diversität. Dies ist die erste Veranstaltung in der Reihe.
Die Veranstaltung richtet sich an Lehramtsstudierende, Lehrende und an Lehrkräfte, die ihre professionelle Haltung weiterentwickeln und Handlungssicherheit für eine vielfältige Schulpraxis und Lehrkräftebildung gewinnen möchten.
Referent: Christoph Schröder, Institut für Bildung und Kultur, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Mitdiskutant: Lennard Schmidt von der Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung (IIA) der Universität Trier
Moderation: Dr. Birgit Weyand, Projektleitung TriDivers, Zentrum für Lehrkräftebildung