Montagsvorträge aus Forschung und Lehre | Nerds im Elfenbeinturm? Psychologische Perspektiven auf Wissenschaftsvertrauen
Wissen für alle – kostenfrei und ohne Anmeldung. Der Campus der Generationen lädt ein: Studierende, Gasthörende und interessierte Gäste sind herzlich willkommen!
Perspektiven aus den Juniorprofessuren
20.04.2026
Nerds im Elfenbeinturm? Psychologische Perspektiven auf Wissenschaftsvertrauen
Psychologie | Sozialpsychologie
Prof. Dr. Marlene Altenmüller
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden oft als sehr smarte, aber sozial unbeholfene Genies wahrgenommen - sprichwörtliche "Nerds im Elfenbeinturm". Dieser Vortrag gibt Einblicke, wie solche Vorstellungen von Forschenden als hochkompetent, aber nur mäßig warmherzig, das öffentliche und auch innerwissenschaftliche Vertrauen in Wissenschaft herausfordern. Es werden aktuelle Erkenntnisse diskutiert wie wir solche Stereotype überwinden können, um eine vertrauenswürdigere und kooperativere Wissenschaft zu fördern.
27.04.2026
Wie das Gehirn erinnert: Neurokognitive Grundlagen des Gedächtnisses
Psychologie | Neurokognitive Psychologie
Prof. Dr. Siri-Maria Kamp
Unsere Fähigkeit, uns neue Informationen einzuprägen und später wieder abzurufen ist fundamental für die meisten unserer Alltagsaktivitäten. Die Gedächtnispsychologie beschäftigt sich mit Aufgaben- und Umwelt-Faktoren und Gehirnmechanismen, die ein erfolgreiches Lernen und Erinnern ermöglichen, sowie mit Veränderungen dieser Mechanismen über die Lebensspanne oder in Gruppen mit unterschiedlichen Erkrankungen. In diesem Vortrag werden aktuelle gedächtnispsychologische Forschungsergebnisse der Juniorprofessur für Neurokognitive Psychologie an der Universität Trier vorgestellt. Ein Fokus hierbei liegt auf der Hirnaktivität (im EEG), die sich zwischen erfolgreich gelernter und später vergessener Information unterscheidet, sowie den Veränderungen dieser Aktivität im höheren Erwachsenenalter.
04.05.2026
Ein Bild sagt mehr als tausend Knoten: Graphenvisualisierung in Theorie und Praxis
Informatikwissenschaften | Algorithmik
Prof. Dr. Philipp Kindermann
Netzwerke und Graphen sind allgegenwärtig im (Informatiker-)Alltag, z.B. bei Straßennetzen, Busfahrplänen oder in sozialen Netzwerken. Der Computer verwaltet sie wie alles andere auch gerne abstrakt und effizient. Menschen brauchen aber eine gute Zeichnung, um etwas damit anfangen zu können. Das Gebiet der Graphenvisualisierung (engl. Graph Drawing) beschäftigt sich genau damit: Wie bringen wir abstrakte Netzwerke durch schöne, lesbare Darstellungen zum Leben? Wir schaffen uns einen Überblick über grundlegende Prinzipien, überlegen uns Kriterien, die gute Zeichnungen haben sollten, und finden heraus, wo Graphenvisualisierung im Informatiker- und Nicht-Informatiker Alltag überall vorkommt.
11.05.2026
Der Mensch und seine Welt: Naturvorstellungen im antiken Griechenland
Klassische Philologie | Gräzistik
Prof. Dr. Diego De Brasi
Wie haben die Menschen im antiken Griechenland die Natur aufgefasst? Welche Naturelemente empfanden sie als reizvoll, welche als furchterregend? Wie beschrieben sie Landschaften? Haben Sie den gegenseitigen Einfluss von Natur und Kultur ausdrücklich thematisiert und wenn ja, wie? Der Vortrag versucht, anhand ausgewählter Beispiele aus Literatur und Philosophie, Impulse für mögliche Antworten auf diese Fragen zu geben.
18.05.2026
Der Ton macht die Bedeutung: Prosodie im Alltag und beim Fremdsprachen lernen
Phonetik | Allgemeine und Angewandte Phonetik
Prof. Dr. Katharina Zahner-Ritter
Sprache besteht aus mehr als Wörtern: Ob wir beispielsweise eine Frage stellen oder eine Aussage machen – oder eine Frage gar rhetorisch meinen – , zeigen wir in gesprochener Sprache über Rhythmus und Sprachmelodie an. In diesem interaktiven Vortrag erkunden wir mit kleinen Hör- und Mitmach-Experimenten, wie Prosodie Bedeutung signalisiert. Außerdem geht es darum, warum Prosodie in der Fremdsprache oft schwer zu erlernen ist – und wie gezieltes Training, z. B. über Gesten, beim Lernen helfen kann.
25.05.2026
Pfingstmontag (Feiertag) | kein Vortrag
01.06.2026
Wahrheit, Zweifel, Evidenz: Einblicke in die Fake-News-Werkstatt
Vortrag in Kooperation mit dem Zentrum für Lehrkräftebildung
Tellerrand-Gastprofessur: Armin Himmelrath
> Text folgt auf der Webseite
08.06.2026
Zwischen Normalisierung und Widerstand - Rechtsruck als Thema der Geographie
Raum- und Umweltwissenschaften | Wirtschaftsgeographie
Nils B. Ludwig, Robin Marlow, Lisa Maschke und Prof. Dr. Michael Mießner
Spätestens seit der Bundestagswahl 2025 ist deutlich geworden, dass die AfD, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingeschätzt wird, in Deutschland als Partei bundesweit etabliert ist. Rechtsextremismus ist auch ein zentraler Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe Wirtschaftsgeographie. Im Vortrag zeigen wir, dass entgegen verkürzter Erklärungsansätze das Aufkommen extrem rechter Strömungen kein allein ostdeutsches oder ländliches Phänomen ist. Wir stellen Erklärungsansätze dafür vor, dass sich an einigen Orten rechtsextreme Positionen durchsetzen können, während andere (noch) resiliente demokratische Strukturen aufweisen. Aufbauend auf unsere Forschungen zeigen wir die Reichweite und Grenzen regional-, kultur- und tourismuspolitischer Strategien zur Eindämmung von Rechtspopulismus auf. Außerdem verdeutlichen wir am Beispiel der Wohnungspolitik die Strategien der extremen Rechten auf, dieses Feld zu besetzen. Abschließend diskutieren wir die Herausforderungen der erneuten Stärkung demokratischer Strukturen vor Ort.
15.06.2026
Geheimnisse aus dem Wüstensand - Einblicke in die Trierer Papyrussammlung
BITTE BEACHTEN: Dieser Vortrag findet in Raum A 9/10 statt.
Sie können in diesem Raum die Papyri aus der Tierer Sammlung mit eigenen Augen sichten.
Altertumswissenschaften | Papyrologie
Prof. Dr. Patrick Reinard
Die Papyrussammlung der Universität Trier umfasst rund 1100 antike Texte in griechischer, koptischer oder hieratischer Sprache. Die Papyri stammen aus dem antiken Alltag und ermöglichen unmittelbare Einblicke in die Lebens- und Gefühlswelt der Menschen. In der Präsentation werden ausgewählte Texte sowie moderne Methoden der wissenschaftlichen Erschließung vorgestellt.
22.06.2026
Schreiben, Überarbeiten, Verändern:
Revision als therapeutische Praxis in der Smartphone-gestützten Gruppenpsychotherapie
Digital Humanities | Digitale Lexikografie
Prof. Dr. Susanne Kabatnik
In der Psychotherapie werden Smartphones im Allgemeinen als störend empfunden, jedoch nicht in der Smartphone-gestützten Gruppenpsychotherapie, einem Therapieformat zur Behandlung chronischer Depressionen, das an der LMU München entwickelt wurde. Hier sind Smartphones ein wesentlicher Bestandteil der Sitzungen und ausdrücklich erwünscht. Menschen mit Depressionen zeigen neben ihrer depressiven Symptomatik oft Schwierigkeiten in der zwischenmenschlichen Kommunikation, was zu Konflikten führen kann (Schramm et al. 2011). In jeder Sitzung wird ein Problem oder Konflikt einer*s Patienten*in thematisiert, der über E-Mail oder Messenger entstanden ist. Die Gruppe formuliert anschließend gemeinsam eine Nachricht an die betroffene Person (Grosse-Wentrup et al. 2020).
Die Gespräche in der Therapie folgen einer spezifischen Struktur, die verschiedene aufeinanderfolgende Phasen umfasst, wie die Beschreibung des Konflikts, das Aufstellen von Wünschen und Zielen sowie das Verfassen der Nachricht. Durch einen iterativen Prozess von Formulierungsvorschlägen, deren Annahme bzw. Ablehnung, Korrektur, Positionierung und Begründung entstehen sukzessive Nachrichten, die schriftlich festgehalten werden. Die Gruppe arbeitet so gemeinsam an der Formulierung eines Textes, der hinsichtlich Verständlichkeit, Angemessenheit gegenüber den beteiligten Personen aus der Konfliktkommunikation sowie des Alignments, also der Übereinstimmung mit den Wünschen und Zielen der Patient*innen, überarbeitet wird (Kabatnik 2024).
Durch den kollaborativen Schreibprozess in der Smartphone-gestützten Gruppenpsychotherapie und die iterative Revisionsarbeit wird nicht nur am Text gearbeitet, sondern auch das schriftliche Kommunikationsverhalten der Patient*innen verbessert. Dieser Prozess ermöglicht es den Patient*innen, angemessen(er) zu kommunizieren und ihre eigenen Bedürfnisse auszudrücken, wodurch an Emotionen, Beziehungen und Konflikten gearbeitet werden kann (Peräkylä 2019). Die Untersuchung basiert auf 14 transkribierten Sitzungen (GAT2) der Smartphone-gestützten Gruppenpsychotherapie. Methodisch orientiert sich die Studie an den Ansätzen der interaktionalen Linguistik (Imo/Lanwer 2019) und konzentriert sich auf die Analyse der Formulierungsphase, insbesondere auf die kollaborative Erarbeitung und Revision von Textentwürfen in einem institutionellen Gruppenkontext.