Antike zum Anfassen

Universität lädt zur Taufe eines römischen Transportschiffes

Seit einigen Jahren kann man auf Flüssen in Deutschland, unter anderem auch an der Mosel, hin und wieder ein römisches Kriegsschiff beobachten. Das unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Christoph Schäfer, Alte Geschichte der Universität Trier, rekonstruierte Schiff soll Erkenntnisse zur Erforschung römischer Verteidigungsstrategien liefern. Jetzt hat Prof. Schäfer ein weiteres Schiff nachbauen lassen: Bei der 10 Meter langen und 1,70 Meter breiten Rekonstruktion handelt es sich um ein Transportschiff, einen sogenannten Prahm. Lehrer und Schüler der Berufsbildenden Schule Wittlich haben das Flussschiff angefertigt und übergeben es nun an die Universität Trier:

Feierliche Übergabe und Taufe eines römischen Transportschiffes
Montag, 5. Oktober 2015, 14 Uhr
Yachthafen Monaise
Schloss Monaise 9 + 10 | 54294 Trier

Gäste:

  • Alfons Schmitz, Direktor der Berufsbildenden Schule Wittlich
  • Prof. Dr. Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier
  • Prof. Dr. Christoph Schäfer, Alte Geschichte der Universität Trier

Hinweis für das Fernsehen:
Eine Fahrt des Schiffes ist bei der Feier nicht vorgesehen. 

Für die nächsten Jahre plant die Universität in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule Trier die weitere Erforschung dieses außergewöhnlichen Lastschiffs der Römer. Einen ersten erfolgversprechenden Pilotversuch haben das Fach Alte Geschichte der Universität Trier und das Fach Maschinenbau der Hochschule mit Unterstützung des Wasser- und Schifffahrtsamts Trier im Oberwasser der Schleuse bereits durchgeführt. Das Projekt soll künftig im Rahmen der Wissenschaftsallianz Trier weiter entwickelt werden.

Vorbild für den Prahm ist ein hervorragend erhaltener Fund aus Bevaix  am Lac de Neuchâtel. Dieser denkbar einfach konstruierte und ausschließlich auf Funktionstüchtigkeit ausgelegte Schiffstyp hat sich formal bis in die heutige Zeit erhalten und bildete lange Zeit das logistische Rückgrat des weltweit existierenden Binnenfrachtverkehrs.

Trotz der Fülle an archäologischen Überresten existieren nur wenige Abbildungen von Prahmen, deren Be- und Entladung oder deren Einsatz. Gleiches gilt für schriftliche Zeugnisse antiken Schwerlastverkehrs, obwohl es zahlreiche Beispiele für extreme Transportsituationen gibt, deren logistische und technologische Umsetzung ein tiefgreifendes Fachwissen erfordert haben muss – man denke nur an den Transport des Trierer „Domsteins“, einer Basaltsäule von rund 30 Tonnen Gewicht, die ursprünglich aus dem Odenwald stammt. Dabei sind antike hydrologische Maßnahmen wie Kanalbauten, Stauwehre und Schleusen noch nicht einmal berücksichtigt.

Die schiere Existenz diverser Baustrukturen aus römischer Zeit – hier können die Steintransporte für die Römerbrücke, immerhin rund 18.000 Tonnen, als anschauliches Beispiel dienen – steht im krassen Gegensatz zu den Erkenntnislücken, denen sich die Geschichtswissenschaft in Ermangelung entsprechender Zeugnisse gegenüber sieht. Zwar kennt man die Dimensionen der größten Schwerlasttransporter aus den imperialen Grenzprovinzen am Rhein, doch die Produktivität der Schiffbauer, die militärischen oder zivilen Auftraggeber, das Ausmaß der beförderten Güter und Personen, die Transportstrecken und -rhythmen und vor allem die Transportgeschwindigkeiten sind bislang noch weitgehend unerforscht geblieben, obwohl bereits einige Prahmrekonstruktionen in Europa existieren.

Vor diesem Hintergrund eröffnet die fahrtüchtige Rekonstruktion (Maßstab 1:2) des Typs Bevaix/Neuchâtel die Möglichkeit, unter studentischer Mitwirkung und mit bewährten Messinstrumenten eine Versuchsreihe zu realisieren, die erstmalig reproduzierbare und valide Ergebnisse zu durchschnittlichen Reisegeschwindigkeiten unter Belastung liefert.

Kontakt:
Prof. Dr. Christoph Schäfer
Universität Trier, Fachbereich III, Alte Geschichte
Tel.: 0651-201 2435 / -2437 (Sekretariat)

E-Mail: christoph.schaefer@uni-trier.de
Homepage:

www.uni-trier.de/index.php


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