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UN-Sanktionen wirken stärker als US-Sanktionen

Matthias Neuenkirch und Florian Neumeier werten Daten von 1976 bis 2012 aus

Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen beeinträchtigen das Wachstum in den betroffenen Ländern weitaus massiver und dauerhafter als Sanktionen der Vereinigten Staaten. Zu diesem Ergebnis kommen Matthias Neuenkirch und Florian Neumeier. Der Juniorprofessor an der Universität Trier und der Postdoktorand an der Philipps-Universität Marburg quantifizieren in einer Studie den Effekt von UN- und US-Wirtschaftssanktionen auf das pro Kopf-Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den Zielländern. Hierfür haben die beiden Forscher einen umfangreichen Datensatz aller UN- und US-Sanktionen im Zeitraum zwischen 1976 und 2012 erstellt.

UN-Sanktionen haben einen signifikant negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum in den Zielländern. Diese verringern das jährliche BIP-Wachstum im Schnitt um zwei Prozentpunkte und haben einen negativen Einfluss über einen Zeitraum von zehn Jahren. Der Einfluss von US-Sanktionen auf das BIP-Wachstum ist geringer - weniger als ein Prozentpunkt pro Jahr - und überdauert im Schnitt nur sieben Jahre. Der Gesamteffekt von UN- bzw. US-Sanktionen auf das BIP in den Zielländern beträgt 25,5 Prozent (UN) bzw. 13,4 Prozent (US). Multilaterale UN-Sanktionen haben einen stärkeren Effekt auf das BIP-Wachstum, da diese von mehr Ländern getragen werden als Sanktionen der USA und ggf. deren engsten Verbündeten. Weiterhin können die Zielländer US-Sanktionen einfacher umgehen, z.B., indem diese den Handel mit anderen nicht-sanktionierenden Ländern intensivieren.

Die Autoren berücksichtigen in ihrer Studie Änderungen der institutionellen, politischen und sozialen Rahmenbedingungen in den sanktionierten Ländern als mögliche Ursachen für Veränderungen des BIP-Wachstums. Außerdem haben die Forscher ermittelt, dass sich die BIP-Wachstumsraten von sanktionierten und nicht-sanktionierten Volkswirtschaften vor der Implementierung von Sanktionen nicht signifikant unterscheiden. Auf diese Weise haben sie die Sanktionen als Auslöser der BIP-Veränderungen identifiziert.

Die Studie ist im European Journal of Political Economy erschienen und online abrufbar