Hebräische Urkunde (1266) mit Nahtlöchern am Rand (links) (Köln, Historisches Archiv der Stadt, Schreinsbücher Nr. 107, zu fol. 4v) © Rheinisches Bildarchiv Köln

Grundlagenforschung für ein neues Bild von Juden und Christen im Mittelalter

Das Akademieprojekt „Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich“

Wer sich mit den Quellen zur Geschichte der Juden im Mittelalter befasst, erschließt damit kein „Minderheitsthema“ – das ist eine wesentliche Zwischenbilanz des seit 2006 an der Universität Trier betriebenen Akademieprojekts „Corpus der Quellen zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen Reich“. Vielmehr eröffnen die hier gehobenen Schätze neue Erkenntnismöglichkeiten für die Erforschung mittelalterlicher Gesellschaften überhaupt – tiefe Einblicke in die Geschichte von Christen ebenso wie in die Geschicke der neben, unter und mit ihnen lebenden Juden. Städtische und ländliche Gesellschaften waren wesentlich von den Wechselbeziehungen zwischen christlicher Mehrheit und jüdischer Minderheit bestimmt.

Diese Beziehungen berührten – mal mehr, mal weniger – alle Ebenen der christlichen Gesellschaft von Königen/Kaisern und Päpsten über die geistlichen und weltlichen Fürsten, Adligen sowie Klöster, Stifte und andere geistliche Institutionen bis hin zu den städtischen und ländlichen Gemeinden mit ihren vielfältigen wirtschaftlichen und sozialen Gruppierungen. Menschen ganz unterschiedlicher Bildung trafen als Nachbarn in oder bei den zumeist zentral gelegenen „Judenvierteln“, als Kunden jüdischer Geldverleiher und Patienten jüdischer Ärzte, als Dienstboten und Ammen in jüdischen Haushalten mit Angehörigen der jüdischen Religion zusammen. Daraus resultiert ein bunt gefächertes Archiv des Wissens über alle Lebensbereiche.

Zum Artikel im Unijournal 1/2017