Stolz hält Prof. Dr. Peter Funke die Ausonious-Statuette in den Händen. Neben ihm v.l.: Prof. Dr. Sebastian Hoffmann, Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel, Prof. Dr. Christoph Schäfer und Prof. Dr. Torsten Mattern. Foto: Daniel Yamanian .

Rache war mal legitim

Wie rau es im alten Griechenland im Vergleich zu heute zuging, zeigte der diesjährige Ausoniuspreisträger Prof. Dr. Peter Funke in einer brillanten Festrede.

Wer heute Gewalt gegen jemanden anderen ausübt, wird dafür zur Verantwortung gezogen. Im alten Griechenland war das anders. Für diese Erkenntnisse und seine Lebenswerk zeichnete die Universität Trier den Altertumswissenschaftler Prof. Dr. Peter Funke von der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster mit dem Ausonius-Preis aus.

Nach einem Grußwort des Dekans des Fachbereichs III, Prof. Dr. Torsten Mattern, hielt Prof. Dr. Christoph Schäfer die Laudatio auf den Preisträger, in der er die herausragende wissenschaftliche Leistung Funkes, insbesondere auf den Themengebieten Griechische Geschichte, historische Geographie, Historiographie, griechische Epigraphik und Digitale Geschichtswissenschaften sowie der außergewöhnliche Einsatz des Preisträgers in der Wissenschaftsorganisation gewürdigt hat. Funke war u.a. von 1992 bis 2008 im Vorstand des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands. Von 1996 an wirkte er in den Gremien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und bekleidete von 2010 bis 2016 das Amt des DFG-Vizepräsidenten. International übernahm er Führungsaufgaben in der European Science Foundation sowie in diversen anderen Organisationen.

Der neue Besitzer der Ausonius-Statuette

In seinem Festvortrag „… stärker als die Rache der Götter. Gewalt und Versöhnung im klassischen Athen“ sensibilisierte Funke für die Andersartigkeit des griechischen Umgangs mit Gewalt und Rache, wobei sein Hauptexempel die Herrschaft der sog. Dreißig Tyrannen nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges 404 v. Chr. war. Durch eine detaillierte und kritische Betrachtung literarischer und archäologisch-ikonographischer Quellen zeigte Funke, dass u.a. Aspekte wie Mitleid oder Anteilnahme im Zusammenhang mit physischer Gewalt als Folge von Bestrafung und Rache im klassischen Griechenland anders konnotiert waren als heute.

Nach der Laudatio verlieh Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel den Preis an Peter Funke und überreichte ihm die Ausonius-Statuette. Die Urkunde übergab Prof. Dr. Sebastian Hoffmann, Dekan des Fachbereichs II. Foto: Daniel Yamanian .

Gewalt war allgemein als Mittel der Rache üblich und physisches Leid als Folge von Fehlverhalten religiös-kulturell legitim. Wie man im demokratischen, auf Bürgergleichheit gesinnten Athen mit diesen Verhaltensweisen umging und Versöhnungsstrategien entwickelte, wird besonders gut in der Zeit deutlich, als die Demokratie durch die 30 Tyrannen nach Athens Niederlage gegen Sparta im Peloponnesischen Krieg kurzzeitig aus- und eine neue Staatsverfassung durchgesetzt werden sollte. In seinem brillanten Vortrag konnte Peter Funke schließlich komparatistisch auch Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit anführen, um Parallelen, aber auch Andersartigkeit von „Gewalt und Versöhnung“ in klassischer Zeit und in der Moderne in Phasen politischer Zäsuren aufzuzeigen.

Der Preis

Den mit 1.500 Euro dotierten Ausonius-Preis verleihen die Fachbereiche II und III der Universität Trier bereits seit 1998 im jährlichen Wechsel. Der Preis würdigt herausragende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Klassischen Philologie oder der Alten Geschichte oder ein wissenschaftliches Gesamtwerk in diesen Fächern. Benannt ist die Auszeichnung nach dem spätantiken Dichter Ausonius, der im Jahr 365 als Lehrer und Erzieher an den kaiserlichen Hof nach Trier kam.

Kontakt

Prof. Dr. Christoph Schäfer
Alte Geschichte
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