Eine Million Euro für Kooperationsprojekt „Asymmetrical Encounters“

Wie haben die großen und kulturell einflussreichen Länder Deutschland, Frankreich und Großbritannien den öffentlichen Diskurs in kleineren Ländern wie Belgien, Luxemburg und den Niederlanden beeinflusst? Dieser Frage wird Prof. Dr. Caroline Sporleder (Trier Center for Digital Humanities) zusammen mit Kulturhistorikern, Computerlinguisten und Digital Humanists der Universität Trier, der Universität Utrecht sowie dem University College London im Rahmen des dreijährigen Projekts „Asymmetrical Encounters: E-Humanity Approaches to Reference Cultures in Europe, 1815­–1992“ (ASYMENC) nachgehen.

Im Zentrum des Forschungsvorhabens, das am 30. September 2013 seine Arbeit aufgenommen hat, steht der kulturelle Aspekt der europäischen Identität. Es wird untersucht, wie sich Referenzkulturen in Europa im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte verändert und gegenseitig beeinflusst haben. Referenzkulturen sind definiert als räumlich und zeitlich feststellbare Kulturen, die anderen Kulturen ein Muster bieten und als Konsequenz kultureller Begegnungen entstehen. ASYMENC analysiert in diesem Zusammenhang, wie die großen, kulturell einflussreichen Nationen Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf den öffentlichen Diskurs in den kleineren Nachbarstaaten wie Belgien, Luxemburg und den Niederlanden gewirkt und dort das Bild von Europa geprägt haben. Als zeitlicher Rahmen gilt die Zeit zwischen dem Ende des Wiener Kongresses (1815) und der Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht (1992), der die Gründung der Europäischen Union besiegelte.

Dem internationalen Forscherteam stehen als Datensammlungen die elektronischen Zeitungs- und Zeitschriftenarchive renommierter Einrichtungen wie zum Beispiel der Königlichen Bibliothek der Niederlande, der British Library oder der Bibliothèque Nationale de Luxembourg zur Verfügung. Sie liefern optimales Quellenmaterial, um kollektive Identitäten und kulturelle Interaktionen abzubilden. Untersucht werden Fallbeispiele wie etwa die öffentliche Wahrnehmung der schnell wachsenden europäischen Metropolen, die Spannweite der kommerziellen Unterhaltungsindustrie (Musicals, Fußball, Popmusik) oder das Auftauchen neuer Konsumgüter wie beispielsweise Konfektionskleidung, Kosmetika, Pharmazeutika und Pilsner Bier.

Zum Einsatz kommen innovative Techniken des Text-Minings und der Sentimentanalyse, die erstmalig auf umfangreiche, multilinguale Textkorpora angewendet und mithilfe derer die Datenmengen ausgewertet werden. Dies ermöglicht es den Forschern, langfristige Entwicklungen und Veränderungen von Kulturbildern systematisch, longitudinal und quantitativ bestimmbar zu durchleuchten. Zusätzlich wird ein neues Demonstrationsprogramm entwickelt, das die wichtigsten Vektoren interkultureller Einflüsse in europäischen Debatten in ihrer Dynamik, Intensität und Richtung aufzeigt und analysiert.

Gefördert wird das Projekt mit einer Million Euro durch das HERA Joint Research Programme „Cultural Encounters“. HERA (Humanities in the European Research Area) gehört zur European Science Foundation (ESF) für die Geisteswissenschaften und ist ein Verbund aus 13 europäischen Forschungsförderorganisationen mit dem Ziel der transnationalen Kooperation.

Kontakt:
Prof. Dr. Caroline Sporleder
Trier Center for Digital Humanities
E-Mail: sporledc@uni-trier.de

Projektpartner:
Prof. Dr. Joris van Eijnatten (Leitung), Universität Utrecht
Prof. Dr. Caroline Sporleder, Trier Center for Digital Humanities
Dr. Ulrich Tiedau, University College London

Weitere Informationen:

www.kompetenzzentrum.uni-trier.de

www.heranet.info

Artikel im Unijournal 3/2013