Nicht nur auf der Fotomontage für das Januarblatt des Jahreskalenders der Deutschen Forschungsgemeinschaft gehen in dem Projekt Digitalisierung und historische Forschung eine außergewöhnliche Verbindung ein. Das Kalenderblatt Januar zeigt das an der Universität Trier rekonstruierte römische Handelsschiff Bissula und die simulierte antike Seeverbindung Alexandria-Lykien-Syrakus. Foto: Universität Trier/Daniel Yamanian; DFG/Tim Wübben
Nicht nur auf der Fotomontage für das Januarblatt des Jahreskalenders der Deutschen Forschungsgemeinschaft gehen in dem Projekt Digitalisierung und historische Forschung eine außergewöhnliche Verbindung ein. Das Kalenderblatt Januar zeigt das an der Universität Trier rekonstruierte römische Handelsschiff Bissula und die simulierte antike Seeverbindung Alexandria-Lykien-Syrakus. Foto: Universität Trier/Daniel Yamanian; DFG/Tim Wübben

Von Hand gesegelt und von digitalen Instrumenten vermessen

Das Projekt zur Erforschung antiker Seerouten gilt als Vorbild für digitalisierte Forschung. Im Sommer geht es mit dem Schiffsnachbau aufs Mittelmeer.

Ein antikes römisches Handelsschiff als Musterbeispiel für Digitalisierung – wie passt das zusammen? Ganz hervorragend, sagt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und stellt daher das Forschungsprojekt „Maritime Verbindungen und ihr Einfluss auf den antiken Seehandel – Nautische Simulationen als Grundlage historischer Forschungen“ an der Universität Trier auf dem Januar-Blatt ihres Jahreskalenders 2022 vor. Die Kalender-Projekte zum Themenschwerpunkt Digitalisierung wurden in einem Wettbewerb ausgewählt und stehen als Beispiele für kreativen und originellen Einsatz digitaler Verfahren in der Forschung.

In der Tat verbindet das von der DFG langfristig geförderte Forschungsvorhaben vorbildlich die analoge und die digitale Welt. Das Wissenschaftsteam um den Althistoriker Prof. Dr. Christoph Schäfer will in enger Kooperation unter anderem mit Kollegen der Hochschule Trier innerhalb von neun Jahren antike Seerouten und deren Einfluss auf den Seehandel untersuchen. Schon das „analoge“ Herzstück der experimentalarchäologischen Forschung, das 2016 und 2017 nachgebaute römische Handelsschiff Bissula, ist das Resultat einer produktiven Symbiose analoger und digitaler Techniken und Verfahren. Während der Schiffsbau auf zeitgenössischer Handwerkskunst und möglichst originalgetreuen Materialien beruhte, wurden die Baupläne mittels Konstruktionsprogrammen auf den Computermonitor gezeichnet.

Die Fortschritte der Digitalisierung haben die Wissenschaftler auch in die Lage versetzt, mit Hilfe von nautischer Software Tausende von Fahrten auf See zu simulieren und auf diese Weise Seerouten und Fahrzeiten zu ermitteln. Dabei kommt ihnen zugute, dass die derzeitigen klimatischen Verhältnisse im Mittelmeerraum mit den Bedingungen der römischen Kaiserzeit vergleichbar und somit aktuelle Wetter- und Strömungsdaten auf die Antike übertragbar sind.

Bis die Ergebnisse der Forschung in das digitale Herzstück des Projekts, den „Digitalen Interaktiven Maritimen Atlas zur Geschichte“ (DIMAG), einfließen können, wird noch einmal analoge seemännische Handarbeit gefragt sein. Für diesen Sommer plant das Team um Christoph Schäfer den Transfer der Bissula zum Mittelmeer. Nach den Test- und Messfahrten der vergangenen Jahre auf der Mosel soll das Schiff von Juni bis August im Dienst der Wissenschaft auf antiken Mittelmeer-Routen unterwegs sein – von Hand gesegelt und ausgestattet mit digitaler Messtechnologie. 

► Weitere Informationen zum Forschungsprojekt

► Weitere Informationen zum DFG-Kalender

Kontakt

Prof. Dr. Christoph Schäfer
Alte Geschichte
Mail: christoph.schaeferuni-trierde
Tel. +49 651 201-2437