Zur Verleihung des Ausonius-Preises 2021 kamen mit Prof. Dr. Dr. hc mult. Hans-Joachim Gehrke (links) und Prof. Dr. Beat Näf (rechts) zwei frühere Preisträger an die Universität Trier. Zum Preis gratulierten Prof. Dr. Gregor Weber (Vierter von links) unter anderem Prof. Dr. Christoph Schäfer, Prof. Dr. Stephan Laux, Prof. Dr. Michael Jäckel, Prof. Dr. Frank Daubner und Prof. Dr. Sebastian Hoffmann.

Wovon antike Seefahrer und Schiffsreisende träumten

Mit Prof. Dr. Gregor Weber reiht sich eine vielseitige Wissenschaftler-Persönlichkeit in die Liste der Ausonius-Preisträger ein.

Nur zwei Tage nach seinem Geburtstag durfte Prof. Dr. Gregor Weber in Trier ein weiteres Geschenk in Empfang nehmen: eine Statuette und die Urkunde für den 23. Ausonius-Preisträger. Diese Auszeichnung wurde dem Althistoriker der Universität Augsburg für sein wissenschaftliches Lebenswerk und „für seine großartigen Leistungen an der Schnittstelle von Altertumswissenschaften und Digital Humanities“ zuteil, so Prof. Dr. Stephan Laux, Dekan des Fachbereichs III, in seiner Begrüßungsansprache.

In jährlichem Wechsel wird der nach dem spätantiken römischen Lehrer, Dichter und Staatsmann Ausonius benannte Preis vom Fachbereich II an einen Klassischen Philologen oder vom Fachbereich III an einen Althistoriker verliehen. Nachdem pandemiebedingt die Preisvergabe für das Jahr 2020 erstmals seit der Premiere 1998 ausgesetzt werden musste, konnte am Montagabend zumindest die Ausonius-Preiszeremonie für 2021 nachgeholt werden.

Wirkung nach innen und außen

Stephan Laux betonte den Stellenwert dieser Auszeichnung für die akademische Öffentlichkeit wie auch ihre Strahlkraft nach innen in die verschiedenen altertumswissenschaftlichen Disziplinen der Universität hinein. Der Ausonius-Preis trage dazu bei, die Kohärenz zu steigern. Seine Außenwirkung besteht darin, herausragende individuelle wissenschaftliche Leistungen zu erkennen und der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Die Leistungsbilanz des nunmehr 23. Preisträgers Prof. Dr. Gregor Weber hat viele Facetten. „Sein Werk zeigt auf verschiedene Weise immer wieder neue Wege auf“, hob Laudator Frank Daubner, Professor für Alte Geschichte an der Universität Trier, hervor. Einer dieser Wege führt ins Digitale. Gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Malitz von der Universität Eichstätt ist Gregor Weber Herausgeber der Gnomon Bibliographischen Datenbank (GBD). Mit über 750.000 Einträgen von Fachliteratur zu allen Altertumswissenschaften ist die GBD „ein nicht nur nützliches, sondern für Althistoriker unumgängliches Instrument“, so Frank Daubner.

Neue Themen

Andere wissenschaftliche Wegführungen schlägt Professor Weber mit der steten Suche nach neuen Themen und der Erschließung bisher kaum als Quellen genutzter Gattungen ein. Dazu gehört die Deutung von Träumen und Visionen in der Antike, die er gleichwohl mit einem digitalen Strang verbindet, der Online-Forschungsdatenbank „Dreams of Antiquity 2.0“.

Mit dieser Thematik setzte sich Gregor Weber auch in seinem Festvortrag an der Universität Trier auseinander: „Der Steuermann und das Meer. Traum und Traumdeutungen in der Antike“. In Trier über antike Seefahrt zu reden, gleiche zwar dem Bemühen, Eulen nach Athen zu tragen, angesichts des hier stark entwickelten Forschungsfeldes zu antiker Schifffahrt und des Transmare-Instituts, so Weber. Insofern Traumdeutungen hier bislang hier bislang außen vor geblieben sind, konnten seine Ausführungen als eine Erweiterung und Bereicherung der Trierer Forschung verstanden werden.

Relevanz fürs Leben

Weber fokussierte sich in seinem Vortrag auf Traumbilder zu Schiffen, Meer und Seefahrt in den fünf Büchern Artemidors, der von sich behauptete, alle vorliegenden Werke zu Traumdeutungen zu besitzen und ausgewertet zu haben. Ziel der Traumdeutung war, die Relevanz der Träume für das Leben der Träumenden zu erschließen. Die Deutung eines identischen Traums konnte für unterschiedliche Gruppen und Rollen, etwa für Seereisende, Seeleute oder Reeder, verschieden bis kontrovers ausfallen.

Der Wissenschaft beschert die Auseinandersetzung mit Deutungen von Träumen in der Antike und deren Begründungen einen Wissenszuwachs, etwa zur antiken Schiffstechnik oder zu Terminologien wie beispielsweise zum Schiffspersonal. Frank Daubner dankte daher dem Preisträger dafür, in seinem Vortrag die Relevanz der Gattung Traumdeutung für die geschichtliche Forschung überzeugend dargelegt zu haben.

Die Urkunde überreichte Prof. Dr. Sebastian Hoffmann, Dekan des Fachbereichs II, an Gregor Weber. Die Ausonius-Statuette nahm er aus Prof. Dr. Michael Jäckels Händen in Empfang. Für den Präsidenten der Universität Trier war es eine willkommene Gelegenheit, auf den jüngst fertiggestellten sechsten Learning Garden auf dem Universitätscampus hinzuweisen. Benannt sind die grünen Oasen für Lernen und Lehren nach historischen Persönlichkeiten, die in Verbindung zur Region oder zur Universität standen. Der neueste Learning Garden trägt den Namen Ausonius.

Preisträger Prof. Dr. Gregor Weber mit der Ausonius-Statuette.
Preisträger Prof. Dr. Gregor Weber mit der Ausonius-Statuette.