TriDivers: Diversität im Lehramt der Universität Trier auf drei Ebenen fördern durch Peer-to-Peer-Lehre

"Diversität in einem umfassenden Sinne ist Realität und Aufgabe jeder Schule" *

Was Hochschulrektor:innen und Kultusminister:innen vor 10 Jahren konstatiert und empfohlen haben, ist heute keinesfalls weniger wahr und bedeutsam, aber national und international zunehmend Angriffen von rechts ausgesetzt – gesellschaftliche und individuelle Vielfalt bzw. Diversität.

Das Projekt TriDivers im Zentrum für Lehrkräftebildung greift – als Teil des Profils Lehramt3D – das Thema Diversität auf und transformiert es für die Lehrkräftebildung.

Eine eindeutige Definition von Diversität lässt sich nur schwer finden. Doch Diversität betrifft uns alle und spielt eine entscheidende Rolle in Bildungsinstitutionen: an einer Schule zum Beispiel sowohl die Schüler:innen als auch die Lehrkräfte, in den Hochschulen Lernende und Lehrende. In unserem Verständnis lebt und profitiert jeder Bildungsprozess und jede Bildungseinrichtung von Vielfalt, nicht nur auf der persönlichen sondern auf allen Ebenen. Probleme der Gegenwart und Zukunft können nicht mehr nur aus einer Disziplin oder Fachperspektive heraus angegangen und gelöst werden, sondern es braucht die Vielfalt an Zugängen.

Auch bezogen auf die Persönlichkeiten von Lehrer:innen, die nach Hattie (2010) entscheidend für guten Unterricht und gelingende Bildungsbiografien sind, kommt es auf die komplexe Gesamtheit von Persönlichkeitsmerkmalen an. Hierzu gehören insbesondere diversitätsbezogene Merkmale, die Empathiefähigkeit und Diversitätskompetenz von Lehrpersonen entscheidend positiv beeinflussen können (vgl. Feindt et al. 2020).

Dabei wollen wir die Lehramtsstudierenden keineswegs auf ihre Diversitätsmerkmale reduzieren, sondern ihnen das berufsbezogene Potenzial derselben bewusst machen.

Zielebenen des Projektes

Vor diesem Hintergrund will TriDivers als innovatives Lehrprojekt gemeinsam mit Studierenden Diversität im Lehramt auf drei Ebenen fördern:

  • Individuell: Coachingbasiertes Empowerment zur diversitätssensiblen, berufsbezogenen Persönlichkeitsentwicklung von Lehramtsstudierenden

  • Didaktisch: Konzeption und Durchführung von Lehrformaten zu Diversität auf Peer-to-Peer-Ebene

  • Strukturell: Nachhaltige Verankerung von Diversität im Curriculum der Lehramtsstudiengänge an der Universität Trier

 

Projektphasen

Diversitätssensible Professionalisierung

Das Projekt bietet Lehramtsstudierenden auf der individuellen Ebene die Möglichkeit in einem bewertungsfreien und bestärkenden Setting ihre Potenziale zu entdecken und ihre Lehrkräftepersönlichkeit weiterzuentwickeln. Zugleich erweitern sie zum Beispiel durch Aneignung von Wissen und Reflexion von Einstellungen auch das eigene Mindset zu Diversität. Vor allem durch das individuelle Empowerment möchte TriDivers die Diversitätssensibilität der Lehrkräfte von morgen nachhaltig fördern und ihnen das Potenzial von Vielfalt bewusst machen. Schließlich werden sie im Klassenzimmer mit zunehmender Diversität arbeiten und können (zum Beispiel durch inklusiven Unterricht) einen entscheidenden positiven Unterschied im Umgang mit dieser Vielfalt machen. Nicht zuletzt wirken Lehrer:innen mit einem positiven Bewusstsein ihrer Diversität authentisch als positive Modelle für ihre Schüler:innen.

Didaktische Innovation

Eine erste didaktische Erprobung zum Thema findet im Projekt derart statt, dass die teilnehmenden Studierenden, die “DiverS”, gemeinsam mit dem Projektteam multimediale Lehr-Lern-Formate mit Inhalten und Methoden zu Diversität kreieren. Diese Lehrveranstaltungen werden anschließend für ca. 300 Studienanfänger:innen im SoSe 2026 angeboten und Peer-to-Peer durchgeführt und evaluiert. Auf dieser Ebene können sich die DiverS kreativ ausprobieren und ihre didaktischen Kompetenzen unter professioneller aber bewertungsfreier Begleitung ausbauen. Die DiverS profitieren von der Expertise im Zentrum für Lehrkräftebildung und werden laufend von den Projektmitarbeitenden unterstützt. Mit mehr Wissen über Diversität und einer diesbezüglich sensiblen und förderlichen Didaktik können Lehrer:innen schlussendlich einen wirksamen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten.

Curriculare Verankerung

Diversität ist ohne Zweifel nicht nur ein bedeutender Faktor in Bildungsprozessen, sondern auch selbst ein zentrales Themenfeld. Mit seinen überfachlichen bzw. intersektionalen Inhalten und Zugängen gehört Diversität zu den sogenannten Querschnittsthemen, die keinem bestimmten Fach zugeordnet sind. Dies eröffnet einerseits fruchtbare transdisziplinäre Synergien. Andererseits birgt resultierend jedes Querschnittsthema mangels klarer curricularer Verortung das Risiko der Verantwortungsdiffusion in sich. Das trifft sowohl für die Hochschulen als auch für die Schulen zu, in denen institutionelle Diskriminierung besonders häufig beobachtet werden kann (vgl. Antidiskriminierungsstelle des Bundes). Auch auf dieser strukturellen Ebene soll TriDivers demzufolge einen Beitrag leisten: Die im Projekt generierten, pilotierten und evaluierten Lehrinhalte und -methoden werden nachhaltig genutzt und in die Breite der Lehrkräftebildung getragen, indem sie strukturell im Studienprogramm Lehramt3D implementiert werden.

Die zentrale Rolle im Projekt spielen die beteiligten Lehramtsstudierenden – die DiverS –, die selbst tief in das Thema Diversität eintauchen und sowohl als Lernende als auch als Lehrende agieren.

Das Projekt TriDivers auf einen Blick (pdf)

 

Venndiagramm der 5 Dimensionen im Projekt (Arbeitstand 5/26

Auf Grundlage der sieben Dimensionen der Charta der Vielfalt versucht das Projekt TriDivers die für die Schule grundlegenden Diversitätsdimensionen zu identifizieren und ggf. zu transformieren. Diversitätsdimensionen, die im schulischen Kontext eine zentrale und evidente Rolle spielen, sollten konsequent in die Lehrkräftebildung implementiert werden, um die (Wechsel-)Wirkungskette Professionsentwicklung -→ Unterrichtsentwicklung -→ Schulentwicklung zu entfalten.

Die Auswahl der schulrelevanten Dimensionen erfolgte aus konzeptionellen und auch projektinternen Gründen. Bestimmte Dimensionen, etwa „Alter“, wurden vorerst ausgeklammert, da ihnen im Bereich Schule – zumindest in Bezug auf die Schüler:innenschaft – im Vergleich zu anderen Dimensionen eine geringere Relevanz bzw. Wirkmacht zufällt. Die Dimensionen sind – aufgrund ihrer zeitlich und kontextuell dynamischen Natur – nicht als trennscharf zu begreifen, sondern überlappen sich und müssen im Schulkontext immer aus einer intersektionalen Perspektive betrachtet und reflektiert werden.

Das hier dargestellte bildet den Arbeitsstand im Mai 2026 ab und befindet sich kontinuierlich in der konzeptionellen Weiterentwicklung (voraussichtlich bis März 2027).

Weiterführende Links

Lehrkräftebildung für die Schule der Vielfalt - Stifterverband

Lehrerbildung für eine Schule der Vielfalt - Gemeinsame Empfehlung von Hochschulrektorenkonferenz und Kultusministerkonferenz*

Charta der Vielfalt 

 

Interview mit Projektleitung Dr. Birgit Weyand

Interview mit Dr Birgit Weyand auf Panopto