Forschungsschwerpunkte

Der Forschungsschwerpunkt der Trierer Ägyptologie liegt auf der Kulturgeschichte, Religion und sprachlichen Entwicklung des alten Ägypten bis in römische Zeit. Hierbei werden die beschrifteten und unbeschrifteten materiellen Hinterlassenschaften vom 3. Jahrtausend vor Christus bis ins 3. Jahrhundert nach Christus erforscht. Ein Fokus liegt dabei auf den ägyptischen Tempeln der ptolemäischen und römischen Zeit, wozu insbesondere auch die hieroglyphischen Tempeltexte gehören. Einen weiteren Schwerpunkt des Trierer Instituts bildet die Erforschung demotischer Dokumente.

Die Institutsleiterin Frau Prof. Dr. Martina Minas-Nerpel widmet sich der Erforschung religionshistorischer Aspekte des alten Ägypten und hat als Habilitationsschrift die Analyse des Sonnengottes in seiner Erscheinungsform als Chepri vom Alten Reich bis in römische Zeit vorgelegt. Ein weiterer ihrer Schwerpunkte ist die Untersuchung der herrscherideologischen Aspekte des ptolemäischen und römischen Ägypten. Hierbei liegt nach der Analyse der Ahnenkulte der Fokus auf der Erforschung der ptolemäischen Königinnen Ägyptens, die die Geschicke des Landes für fast 300 Jahre bis zur Eroberung durch Rom entscheidend beeinflusst haben (siehe Schriftenverzeichnis). Dafür wurde ihr bereits 2016/17 vom Getty Research Institute in Los Angeles ein Forschungsstipendium für ihr Projekt „The Ptolemaic Queens in the Egyptian Temples: Intercultural 'Portraits' of Power“ verliehen (The Getty Research Institute: The Classical World in Context 2016/17;   Mutual Influences between Egypt, Greece, and Rome).

Einer von Martina Minas-Nerpels weiteren Forschungsschwerpunkten ist die epigraphische Aufnahme hieroglyphischer Tempeltexte der griechisch-römischen Zeit sowie deren religions- und kulturhistorische Analyse. So leitet sie seit 2010 zusammen mit Harco Willems (KU Leuven) ein internationales Team zur Erforschung des römerzeitlichen Isis-Tempels von Shanhur und seit 2018 kooperiert sie mit René Preys für das Projekt “The Belgian-German epigraphic mission to Karnak: the Taharqo kiosk in the Ptolemaic period”. (Für die Details siehe: Laufende Projekte). Neben den ptolemäischen Sprachstudien widmet sich Martina Minas-Nerpel auch demotischen Texten und ist dafür als Spezialistin für die Grabungen in der Petosiris-Nekropole von Tuna el-Gebel (Mittelägypten) tätig gewesen.

Das Spezialgebiet des ehemaligen Lehrstuhlinhabers Prof. i.R. Dr. Sven P. Vleeming sind die demotischen dokumentarischen Papyri und Inschriften. Besondere Erwähnung verdient das von ihm 1998 in Trier begründete, auf mehrere Teile angelegte Sammelbuch demotischer Texte ("Short Texts"). Zwei Bände sind bereits erschienen, ein weiterer befindet sich nun im Druck. Zudem führt er das Unternehmen "A Berichtigungsliste of Demotic Documents" durch die Veröffentlichung von Supplementa fort.

Seit Mitte der 70er Jahre ist in Trier zudem das Projekt "Edition der hieroglyphischen Tempelinschriften von Philae" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, beheimatet, das von Prof. Dr. emer. Erich Winter geleitet wird.

Ein Forschungsschwerpunkt des akademischen Mitarbeiters Dr. Stefan Baumann umfasst die Analyse ägyptischer Tempelinschriften der griechisch-römischen Zeit im Hinblick auf das Zusammenspiel mit dem architektonischen Aufbau der Heiligtümer. Inwiefern sich Kultabläufe auch auf architektonischer Ebene widerspiegeln, konnte exemplarisch im Rahmen seiner Dissertation über die sogenannten Tempelschatzkammern gezeigt werden, die als eine Art Sakristei sowohl in den alltäglichen als auch in den Festkult eingebunden waren.
Ein weiterer Schwerpunkt, der mit den Schatzkammerinschriften in Verbindung steht, umfasst die altägyptische Mineralogie mit besonderem Fokus auf die Identifizierung von altägyptischen Mineralienbezeichnungen, die Herkunftsgebiete und den Verwendungszweck. Neben der philologischen Arbeit an Särgen der ptolemäischen Zeit und Grabbauten des Neuen Reiches umfasst das Forschungsinteresse von Stefan Baumann auch archäologische Feldarbeit bei Ausgrabungen wie in Athribis in Mittelägypten.
Über die fachspezifische Forschung hinaus beschäftigt sich Stefan Baumann auch mit den Mechanismen der Popularisierung von Archäologie in den Medien unter Berücksichtigung von gesellschaftlichen Phänomenen wie sogenannter alternativer Archäologie oder Pseudowissenschaft. Für weitere Informationen zu Stefan Baumann bitte auf folgende Links klicken: Das Grab des Paser in Sakkara; Habilitation.

Für die Forschungsprojekte der ehemaligen Mitarbeiterin des Faches, Frau Dr. Heidi Köpp-Junk, klicken Sie bitte auf diesen Link.