Forschung und Projekte

Auf dieser Seite finden Sie Informationen rund um verschiedene Forschungsprojekte des Lehrstuhls.


Gesundheitsberichterstattung

Versorgungsforschung untersucht die sog. „letzte“ Meile der Versorgung mit ambulanten, stationären und pflegerischen Leistungen. Sie erhebt Informationen über Angebot und Nachfrage, aber auch über Wirkungen und Risiken von diagnostischen und therapeutischen Verfahren sowie Versorgungskonzepte unter Alltagsbedingungen. Ein Schwerpunkt liegt auf einer regionalen Perspektive.

Berufsmonitoring Medizinstudierende

Berufsmonitoring Medizinstudierende

Das Berufsmonitoring ist als bundesweite Längsschnittstudie in Kooperation mit der KBV angelegt, wobei immer neue Kohorten von Medizinstudierenden befragt werden. Geplant sind Befragungen in regelmäßigen Abständen, wobei wir aktuell von einem Turnus von 4 bis 5 Jahren ausgehen. Die erste Befragungswelle wurde im Jahr 2010, die zweite 2014 durchgeführt. Diesen bundesweiten Befragungen wiederum ging im Jahr 2009 eine Studie im Rahmen der regionalen Versorgungsforschung voraus, die nur in Rheinland-Pfalz stattfand. Kooperationspartner waren die KV Rheinland-Pfalz und die Universität Mainz. Dahinter stand zum einen die Überlegung, die übrigens durch die Folgebefragungen auch bestätigt wurde, dass sich der ärztliche Nachwuchs für ein Bundesland im Wesentlichen aus Landeskindern rekrutiert und diese wiederum primär in ihrem Herkunftsbundesland studieren.

Diese Befragungen wurden als Online-Befragung konzipiert. Zielgruppe waren alle Medizinstudierenden der jeweiligen Fakultät, grundsätzlich geplant war damit eine Vollerhebung. Die Information der Studenten erfolgte über einen E-Mail-Verteiler der jeweiligen Fakultät. Die Ausschöpfungsquote hing und hängt damit wesentlich davon ab, wie vollständig und aktuell dieser E-Mail-Verteiler ist. Teilgenommen haben an der Pilotstudie Mainz rund 760, an den bundesweiten Befragungen jeweils rund 11.000 Medizinstudenten. Themen waren u.a. Weiterbildungsinteressen, spätere Arbeitgeber und Arbeitsorte, Bereitschaft zur Niederlassung, Einkommenserwartungen, Arbeitszeitvorstellungen oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Publikationen des Berufsmonitoring Medizinstudierende:

Berufsmonitoring Pflege: Chancen und Risiken in einem systemrelevanten Dienstleistungsberuf

Berufsmonitoring Pflege

Das Projekt „Berufsmonitoring Pflege“ startete zu Beginn des Sommersemesters 2013 an der Universität Trier und beschäftigt sich mit der Situation, den Arbeits- und Ausbildungsbedingungen, sowie den Belastungen im Bereich der professionellen Pflege. Das Projekt knüpft methodisch an Befragungen zum Berufsmonitoring bei Ärzten und Medizinstudenten an, die in den letzten Jahren in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den deutschen Universitätskliniken durchgeführt wurden. Es wird bei der Befragung zwischen dem Nachwuchs in der Pflege und qualifizierten, berufserfahrenen Pflegefachkräften unterschieden.

Bei dem „Berufsmonitoring Pflege“ wurden in einem ersten Schritt von November 2014 bis Januar 2015 die Auszubildenden in der Gesundheits- und Krankenpflege an sechs ausgewählten Pflegeschulen in der Region befragt (n=223). Den Abschlussbericht finden Sie hier. Im Zentrum der Untersuchung standen dabei die Fragen, wie die Pflegeschüler einerseits die Qualität der Ausbildung einschätzen und wie zufrieden sie mit ihrer Ausbildung sind, andererseits aber auch, welchen Belastungen und einschränkenden Rahmenbedingungen sie ausgesetzt sind und wie sie ihre beruflichen Perspektiven einschätzen. Es hat sich gezeigt, dass bereits die Auszubildenden erheblichen Belastungen ausgesetzt sind, vor allem das Arbeiten unter Zeitdruck und der anhaltende Personalmangel sind hier kritisch zu sehen. Auf der anderen Seite würden sich allerdings über 90 Prozent der Befragten noch einmal für eine Ausbildung in der Pflege entscheiden. Die intrinsische Motivation zum Pflegeberuf ist sehr hoch. Eine daran anknüpfende Befragung von Altenpflegeschülern im Einzugsgebiet der ADD Trier (n=119) hat ähnliche Ergebnisse geliefert, die Teilnahmebereitschaft war allerdings eher gering.

Um ein ganzheitliches Bild über die Situation der Pflege in Rheinland-Pfalz zu erhalten, sollten in einem nächsten Schritt qualifizierte Pflegefachpersonen aus allen drei Pflegebereichen (Akutpflege, ambulante und stationäre Pflege) befragt werden.

Der Schwerpunkt lag dabei auf der Untersuchung der Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen mit denen die Pflegenden in ihrem Berufsalltag konfrontiert werden. Aufgrund des sich verschärfenden Fachkräftemangel, der daraus resultierenden Arbeitsverdichtung und dem Arbeiten unter ständigem Zeitdruck sind Pflegende, genauso wie andere systemrelevante Berufsgruppen, besonderen Belastungen ausgesetzt. Konkret soll in dem untersucht werden, wie die Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz ihren Berufsalltag wahrnehmen, durch welche Faktoren sie sich belastet fühlen und welche Aspekte die Arbeitszufriedenheit und damit auch die Bindung an den Pflegeberuf, gemessen an der Verweildauer, positiv als auch negativ, beeinflussen. Zudem soll untersucht werden, ob bezüglich der empfundenen Arbeitsbelastungen signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Pflegebereichen existieren.

Dazu wurde zwischen November 2016 und Februar 2017 eine Online-Befragung unter den Mitgliedern der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz durchgeführt.

 

Patient-als-Partner-Ansatz in der Gesundheitsversorgung für die Großregion (APPS)

Unijournal APPS

APPS „Approche Patient Partenaire de soins“ (Patient-als-Partner-Ansatz in der Gesundheitsversorgung) für die Großregion

Heute stehen die Gesundheitssysteme vor der großen Herausforderung der Versorgung der Patienten mit chronischen Krankheiten (Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Adipositas usw.), die mit besonderen Erfordernissen verbunden sind, wie beispielsweise jenen im Zusammenhang mit der Therapietreue bzw. Compliance und der häuslichen Betreuung. Des Weiteren muss auch die Art und Weise, wie die Therapietreue der Patienten erfasst wird, überdacht werden, wobei von einer Veränderung der Beziehung zwischen der Fachkraft im Gesundheitswesen und dem Patienten auszugehen ist. Das sogenannte „paternalistische“ Modell in der medizinischen Versorgung war bereits nach und nach einem auf den Patienten ausgerichteten Konzept gewichen, bei dem stärker die Besonderheiten, Werte und Erlebnisse des Patienten berücksichtigt werden. Die Einstellung des Patienten gegenüber dem Angebot im Gesundheitswesen und den Beziehungen in der Gesundheitsversorgung hat sich in den vergangenen zehn Jahren noch einmal verändert, da sich der Zugang zu den Gesundheitsinformationen vereinfacht hat, der Wunsch entstanden ist, sich bei der medizinischen Versorgung nicht mehr nur in einer passiven Rolle zu befinden und beim Management der eigenen Krankheit über eine relative Autonomie zu verfügen, und da sich die Erreichbarkeit der Fachkräfte im Gesundheitswesen verbessert hat.

Vor dem Hintergrund dieser Veränderungen zielt der Patient-als-Partner-Ansatz in der Gesundheitsversorgung (Approche patient partenaire de soins, APPS) darauf ab, noch einen Schritt weiterzugehen, indem der Patient in der medizinischen Versorgung genau wie die Fachkräfte als vollwertiges Mitglied, also als Partner im Team betrachtet wird. Diese Perspektive dient dem Zweck, die Beziehungen zwischen den Fachkräften im Gesundheitswesen und den Kranken mit Blick auf Aspekte wie Wissen, Kontrolle und Macht wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Das Erfahrungswissen der Patienten (das sich aus ihren konkret erlebten gesundheitlichen und psychosozialen Problemen heraus entwickelt) tritt ergänzend zum wissenschaftlichen Wissen des medizinischen Personals hinzu.

Im Mittelpunkt des Projekts „APPS“ steht die Mitwirkung der Patienten an ihrer Gesundheitsversorgung. Die beiden hauptsächlichen Ziele sind, erstens, die Analyse der Möglichkeiten für Patienten, sich in den vier Ländern der Großregion (GR) an ihrer Gesundheitsversorgung zu beteiligen und zweitens, Strategien zur Umsetzung der Prinzipien von APPS zu entwickeln.

Zu erzielende Ergebnisse sind:

  • Vorschläge für eine gemeinsame, zwischen den verschiedenen Partnerregionen abgestimmte Definition des APPS und die Empfehlungen für eine konkrete Umsetzung dieses Ansatzes in der GR
  • Analyse der Angebote der Einrichtungen im Sinne des APPS
  • Aufbau eines grenzüberschreitenden Netzwerks der Patientenbeiräte
  • Entwicklung innovativer Mittel, die mit Informatik und Kommunikationstechnologie dem APPS dienen
  • Schulungen zum APPS für die Fachkräfte im Gesundheitswesen und für die Vertreter von Patientenvereinigungen
ProjetkbezeichnungAPPS - Patient-als-Partner-Ansatz in der Gesundheitsversorgung für die Großregion
Dauer01.01.2017 - 31.12.2019
ProjektgeberEuropäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Programms INTERREG V A Großregion 2014-2020
Fördervolumen4.000.000 €
ProjektpartnerUniversität Lüttich (Projektleitung)
Universität Luxemburg
Universität Lothringen
Universität Trier
Regionales Universitätsklinikum (CHRU) Nancy
LORDIAMN
Klinikum Centre Hospitalier de Luxembourg
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Universitätsklinikum Lüttich (CHU)

Projektteam:

Homepage:

Artikel im Unijournal:

Project summary

The « Approche Patient Partenaire de soins Project » (APPS) is focussed on the participation of patients in their healthcare. The project aims to assess the extent to which patients can become partners in their care in the four countries of the Grand Region and develop solutions to facilitate APPS.

The project will produce:

  • a shared working definition and conceptual framework of APPS in the Grand Region and recommended interventions to facilitate patient participation
  • An analysis of existing activities and interventions for APPS in the Grand Region
  • A transnational network of patient committees
  • Innovative solutions using modern technology (e.g. e-health, m-health) that could facilitate APPS
  • A curriculum for a short professional training course to sensitise healthcare professionals to APPS

 

 Résumé du projet

Le projet « Approche Patient Partenaire de Soins » (APPS) est axée sur la participation des patients durant leur traitement. En premier lieu, le projet vise à évaluer dans quelles mesures les patients peuvent devenir des partenaires de soins dans le suivie de leur maladie, dans les quatre pays de la Grande Région.  Le projet vise également à développer des solutions pour faciliter la mise en pratique de l’APPS.

Le projet produira :

  • Une définition ainsi qu’un cadre conceptuel de l’APPS commun aux pays de la Grande Région.
  • Des recommandations pour rendre possible l’implémentation de l’APPS.
  • Une analyse des activités d’APPS ainsi que des interventions existantes dans la Grande Région.
  • Un réseau-transfrontalier des comités de patients.
  • Des solutions innovantes, utilisant les nouvelles technologies (ex : e-santé, m-santé) qui pourrait faciliter l’implémentation de l’APPS.
  • Un cours programme d’études de formation professionnel afin de sensibiliser les professionnels de santé à l’APPS.

 

 

 

Regionalforschung

Wie und wo leben wir? Ist das hektische Leben der Großstadt wirklich ein Anlass zur Verwirrung des Geistes – wie es Georg Simmel vermutet? Ist das Leben auf dem Land anders als in der Stadt? Soziologie ist die Analyse von Vergemeinschaftungs- und Vergesellschaftungsformen. Über lange Zeit wurden hier vor allem Entwicklungen vor allem unter dem Aspekt der Modernisierung und der Stadt untersucht. Das Leben in Regionen ist jedoch vielfältiger und bunter. 

Evaluation von Kreisentwicklungskonzepten

Kommunen stehen heute aufgrund struktureller Wandlungsprozesse verstärkt vor der Herausforderung, sich im Wettbewerb um Einwohnerinnen und Einwohner, Unternehmen, Fachkräfte, private Investitionen, öffentliche Institutionen sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen als attraktive Standorte zu positionieren. Um dies vor dem Hintergrund gegebener finanzieller und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen leisten zu können, gelten integrierte Kreisentwicklungskonzepte inzwischen als elementare politische Gestaltungsinstrumente. Zukünftig wird es auf Grund der finanziellen Leistungsfähigkeit der öffentlichen Hand erforderlich sein, solche Konzepte als Aktivierungsprozess für alle lokalen Akteure, insbesondere auch des karitativen und privaten Sektors zu verstehen.

Damit verändert sich auch die klassische Rolle der Verwaltung: Die Landkreise agieren verstärkt in der Rolle eines Initiators und Moderators. Zudem obliegt ihnen die Verantwortung, die kontinuierliche Arbeit lokaler Netzwerke sowie die geschaffenen Strukturen langfristig zu verstetigen. Für die verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Leitungsebene eines Landkreises bedeutet dies, sich von traditionellen Handlungsmustern zu verabschieden und verstärkt im Sinne eines Prozessbegleiters zu agieren, sowohl gegenüber externen Akteuren als auch intern in der Verwaltung, die mit einem Kreisentwicklungskonzept auch einen Kulturwandel erleben wird. Das Ministerium des Innern und für Sport unterstützt in seiner Verantwortung für die Kommunalentwicklung den Landkreis Bitburg-Prüm, der sich im Rahmen eines Modellvorhabens in einen solchen Entwicklungsprozess begeben hat.

Im Rahmen der Entwicklung einer entsprechenden, auch auf andere Landkreise übertragbaren Handlungsstrategie wird dieser Prozess im Auftrag des Ministeriums seit dem Jahr 2014 wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Dies geschah im Zeitraum bis Ende des Jahres 2016 – in Zusammenarbeit dem Institut für Gesundheits- und Sozialimmobilien an der Hochschule Trier (IGeSo) – durch Arbeitsgruppe angewandte Sozialforschung der Universität Trier (agas) an der Professur für empirische Sozialforschung und Methodenlehre. Ab dem Jahr 2017 wird diese Begleitung durch die agas bis Herbst 2019 fortgesetzt. Im Rahmen eines konsequent prozessorientierten Ansatzes werden in dieser zweiten Projektphase neben den entsprechenden prozessbeteiligten Personen und Führungskräften auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung sowie entsprechende externe Akteure mit Hilfe eines Multimethodendesigns mehrfach erfasst.

Urbane Dörfer: Strukturwandel ländlicher Lebensräume

Stadt-Land-Fluss

Die Auseinandersetzung mit dem Dörflichen und Ländlichen hat in der jüngeren Vergangenheit eine Renaissance, aber die dabei produzierten Dorfbilder und die Dorfwirklichkeit liegen  mitunter weit auseinander. Was zunächst einmal auffällt, ist eine Idealisierung  des Landlebens. Ob in Wohnzeitschriften, Backbüchern, Telenovelas oder auf Lebensmittelverpackungen – allseits trifft man auf Bilder der Dorf- und Heimatromantik, das Lob der Schönheit und der Vorzüge des Landlebens. Mehr oder weniger direkt macht dieser Agrarromatizismus Anleihen bei einer pauschalisierenden und polarisierenden Stadtkritik, wonach die städtische Lebenswirklichkeit ungesund, Anomie fördernd oder sogar dissozial sei, die Verhältnisse auf dem Land dagegen als gesund, harmonisch und geordnet angesehen werden. Solche »spatial stories« gehören zwar eher in den Bereich der lebensreformerischen Ideologiebildung, aber sie machen auch deutlich, dass Dorf-Bilder gleich welcher Couleur immer auch auf standortgebundene Wahrnehmungsweisen und Funktionalisierungen verweisen. Dies gilt in gleicher Weise für Gegenentwürfe, in denen unter dem Einfluss von gesamtgesellschaftlichen Individualisierungs- und Enttraditionalisierungsprozessen – auch auf dem Land – ursprünglich sozial vorgeprägte Rollen und Lebenspläne als individuell verfügbar gelten1 Sie finden in einer auf Aufmerksamkeitsökonomie ausgerichteten Öffentlichkeit zwar breiten Anklang, im Blick auf die vorhandene land- und gemeindesoziologische Forschungsliteratur erschienen sie allerdings stark überzeichnet. Unübersehbar ist jedoch, dass sich die dörflichen Lebenswelten und Sozialformen in einem Wandlungsprozess befinden.2 Der erste Veränderungsschub setzt spätestens mit dem Übergang in die Moderne ein. Das Dorf als Urform einer lokalen und autarken Gemeinschaft, die sich über Jahrhunderte durch eine homogene und stabile Sozialstruktur auszeichnete, gerät durch die miteinander verschränkten Prozesse der Industrialisierung und Urbanisierung in einen regelrechten Sog der Veränderung. Das dörfliche Ordnungsgefüge bricht auf, zudem bringt die Dynamik der Veränderungen für die Dorfgemeinschaften eine Vielzahl von Belastungen (z. B. Verfall des Handwerks, Abwanderung und Leerstände, Brachflächen, staatliche Reglementierungen), aber auch neue Entwicklungschancen (Marktöffnung, Bildungszuwachs, Erschließung individueller Lohnressourcen) mit sich. Aber trotz starker Umbrüche der sozialen Strukturen und eines historisch einmaligen Entagrarisierungsprozesses bleiben die charakteristischen Sozialformen des Dorfes bestehen. Berücksichtigt man neben den medialen und verkehrsinfrastrukturellen Veränderungen noch die residenzielle Mobilität, also die Zu- und Wegzüge in den Dörfern, dann sind dies deutliche Hinweise auf Wandlungsvorgänge, die das Dorf urbaner machen, die ursprünglich städtische Lebensbedingungen und Lebensformen in heutigen Dörfern beheimaten. So plausibel solche Überlegungen sind, ihre empirische Evidenz weist immer noch deutliche Forschungsdesiderate auf.  Wir haben deshalb in einer Gemeinde in der Nähe von Trier diese Fragen mit einem Multimethodenansatz untersucht. Das Projekt steht in einer langen Tradition gemeindesoziologischer Studien, die die Arbeitsgruppe angewandte Sozialforschung an der Universität Trier durchgeführt hat. Im Fokus dieser Studien standen stets Fragen räumlicher Disparitäten und daraus resultierende Formen von Deprivation, ob es nun um Fragen der Infrastruktur und der Ressourcenallokation ging, etwa bei wohnortnaher medizinischer und pflegerischer Versorgung, dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), der Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs oder um die Situation bestimmter sozialer Gruppen, etwa der Jugendlichen im Dorf oder von Zugezogenen oder ganz generell um Fragen der dörflichen Lebensqualität. Wir haben diese Untersuchungen in Kooperation mit regionalen Gebietskörperschaften (Kreis, Verbandsgemeinde oder Ortsgemeinde) durchgeführt, die im Rahmen ihrer Aufgaben zur regionalen Daseinsvorsorge großes Interesse an dieser Form der sozialwissenschaftlich fundierten Problemdiagnostik hatten. In einer aktuellen Studie wurden viele dieser Fragestellungen gebündelt, um exemplarisch für eine Gemeinde dörfliches Leben in seinen vielfältigen Facetten und Problemlagen zu erfassen.

Kernstück war eine schriftliche Befragung  aller Einwohner des Dorfes. Die Altersgrenze wurde dabei auf 14 Jahre festgelegt, da gerade die Perspektiven, die Wünsche, Bewertungen und Erwartungen der jüngeren Generation für das Leben im Dorf und dörfliche Entwicklungsperspektiven von zentraler Bedeutung sind. Die Befragung war so angelegt, dass Haushalte als Analyseeinheiten identifizierbar waren, zudem aber auch Individualdatenanalysen möglich waren. Aufgrund des breiten thematischen Spektrums wurde die schriftliche Befragung in vier Wellen in einem jeweils einmonatigen Abstand durchgeführt. Dabei wurden Fragen gestellt zu Kontakt- und Gemeinschaftsformen (Familie, Freunde, Nachbarschaft, Vereine, Netzwerke), Wohnqualität, Wohnorten der Familienangehörigen und Mobilität (inkl. Wohnformen im Alter, Zu- und Wegzugsmotiven, beschäftigungs- und bedarfsorientierten Mobilitätsformen), Freizeit und Erholung (inkl. Gesundheit, Krankheit und Pflege) und schließlich auch zu Sinngebung und Religiosität.   Begleitet wurde diese Erhebung durch eine Fülle von nicht-standardisierten Befragungen und Beobachtungen. Das Projekt wurde zwischen 2013 und 2015 durchgeführt. Bislang wurden hierzu zwei Zeitschriftenbeiträge veröffentlicht (vgl. Vogelgesang et al. 2015; 2016). Im Herbst 2017 erschien unter dem Titel "Stadt - Land - Fluss" im Springer VS Verlag eine Monographie über diese Studie.

Strukturwandel in der Landwirtschaft

Dieses Projekt, das wir in Kooperation mit dem Kreisbauernverband Bitburg-Prüm durchführen, knüpft inhaltlich an unsere Regionalstudien an. Im Fokus steht eine Vollerhebung bei den Mitgliedern des Kreisbauernverbandes zu verschiedenen Themen bäuerlicher Lebens- und Wirtschaftsformen im 21. Jahrhundert. Die Befragung wurde im November 2015 durchgeführt, das Projekt endete im Sommer 2016.

Who Are You? Zur Situation von Asylsuchenden und Flüchtlingen im Landkreis Trier-Saarburg

Who Are You?

Who Are You? Zur Situation von Asylsuchenden und Flüchtlingen im Landkreis Trier-Saarburg. Ergebnisse einer Befragung im Jahr 2016.

Selten hat ein Thema die öffentliche gesellschaftliche und politische Diskussion so bewegt und zu so gegensätzlichen Reaktionen geführt wie die Flüchtlingsbewegung, die im Sommer 2015 auch die Bundesrepublik erreicht haben. Aufgabe der Sozialwissenschaften ist es, solche Transformationsprozesse zu begleiten. Aus diesem Überlegungen heraus entstand die Idee, ein empirisches Forschungsprojekt unter dem Titel „Who are You?“ durchzuführen, das sich mit der Frage nach der sozialstrukturellen Zusammensetzung der Asylsuchenden und Flüchtlingen beschäftigt. Wer sind die Menschen, die aufgrund von Kriegen, Terror und Armut aus ihrer Heimat geflohen sind oder vertrieben wurden? Aus welchen Ländern kommen die Menschen? Fliehen vor allem junge Männer oder ganze Familien? Sind es vor allem die hoch gebildeten Personen oder eher die, die bereits in ihrer Heimat eher schlechte Ausgangsbedingungen und Chancen hatten? Haben die in Deutschland angekommenen Flüchtlinge eine Rückkehroption oder -vision? Planen oder erhoffen sie also eine Rückkehr sobald sich die politische, humanitäre und wirtschaftliche Situation geändert hat? Oder suchen sie dauerhaft eine neue Heimat in Deutschland? Wie setzt sich die wahrscheinlich sehr heterogene Gruppe zusammen? Sind es vor allem Asylsuchende oder Kriegsflüchtlinge, Kontingentflüchtlinge oder sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“? Diese – und andere Fragen mehr – waren zu Beginn der Überlegungen zu diesem Projekt offene Forschungsfragen und sind es vielfach bis heute. Eine sozialwissenschaftliche Begleitforschung erscheint dringend notwendig. Und dies gerade auch auf regionaler Ebene: Erstens obliegt die konkreten Integrationsleistungen in der Regel den Kommunen und auch hier benötigt man dann entsprechende Informationen. Fast wichtiger ist jedoch zweitens, dass die meisten amtlichen Berichte zwar eine breite Datengrundlage haben, jedoch nur ausgesprochen selten diese an sich gute Quellenlage adäquat auswerten. Aber erst durch den Einsatz multivariater Analyseverfahren kann man soziale Prozesse und Mechanismen entsprechend nachvollziehen und verstehen und genau dieses Verständnis sozialer Prozesse ist ja letztlich die Aufgabe der Sozialwissenschaften.

Das Forschungsprojekt wurde vom Bistum Trier und dem Ministerium für Familien, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz des Landes Rheinland-Pfalz finanziell unterstützt. Da eine mündliche Befragung der Flüchtlinge und Asylsuchenden vor unüberwindbaren logistischen Problemen stand, wurde ein schriftlicher Befragungsmodus gewählt. Mit Hilfe des Projektes „Flucht und Asyl“ des Caritasverbandes Trier e.V. – hier sei allen Beteiligten von Herzen gedankt – wurden Fragebögen in der jeweiligen Muttersprache an rund 1.700 Personen verteilt. Die Teilnahmequote war trotz verschiedenster Maßnahmen bedauerlich gering. Im Folgenden werden jedoch die Ergebnisse vorgestellt, die trotzdem statistisch abgesichert sind:

  • Flüchtlinge kommen zum überwiegenden Teil aus Syrien und Afghanistan und sind vor allem Muslime.
  • Die hier lebenden Frauen sind – zumindest ab einem gewissen Alter – verheiratet oder dann eben auch verwitwet. Bei den Männern ist die Verheiratungsquote circa 50 Prozent.
  • Wer verheiratet ist, hat in der Regel auch Kinder, allerdings ist die Kinderzahl deutlich geringer als häufig kolportiert.
  • Sehr viele Partner, vor allem aber viele Kinder leben bereits ebenfalls in Deutschland.
  • Für die nicht hier lebenden engen Familienangehörigen gibt es zwar durchaus Nachzugspläne. Eine sicherlich kritisierbare Schätzung des Nachzugspotentials geht aber von einer Quote von unter 50 Prozent aus. Auch wenn dies eine Herausforderung darstellt, ist diese Aufgabe sicherlich lösbar.
  • Das Bildungsniveau ist relativ hoch, wobei vor allem die Männer und Frauen aus Afghanistan eine deutlich geringere durchschnittliche Schulzeit aufweisen.
  • Die Sprachkenntnisse sind deutlich zu verbessern. Relativ sind die Englischkenntnisse bei den Flüchtlingen aus Syrien und die Deutschkenntnisse bei den Personen aus Afghanistan am besten.
  • Vor allem die Männer waren – wenn auch altersabhängig unterschiedlich – im Heimatland berufstätig und hierbei vor allem im handwerklichen Bereich.
  • Trotz der – bei Ortsbesichtigungen deutlich werdenden – Mängel sind die befragten Personen mit ihrer Unterbringung, vor allem aber mit der Betreuung und Unterstützung sehr zufrieden. Auch hier sind übrigens die Zufriedenheiten bei den aus Afghanistan kommenden Personen am höchsten.
  • Die aktuelle Wohnsituation ist – vor allem Personen, die nur mit Fremden oder alleine leben – belastend.
  • Der Kontakt mit dem Heimatland wird vor allem von den aus Syrien stammenden Personen aufrechterhalten, diese Gruppe hat auch die meisten freundschaftlichen Beziehungen zu der autochthonen Bevölkerung.
  • Die Gruppe der aus Syrien stammenden Personen weist dann aber überraschenderweise auch die höchsten Werte auf der sogenannten Depressivitätsskala auf. Dies mag allerdings mit der aktuellen kriegerischen Situation in Syrien zusammenzuhängen.
  • Als Zukunftsziele geben die meisten Personen an, sich weiterbilden zu wollen oder zu arbeiten. Erwartungsgemäß ist hier insbesondere das Potenzial für bzw. auch das Interesse an handwerklichen Tätigkeiten zu betonen, nach unseren Analysen ist die Hoffnung auf eine Deckung von Bedarfen in diversen Mängelberufen in diesem Sektor somit nicht unbegründet. Die häufigste Nennung ist jedoch die Bildung von Freundschaften mit Deutschen und somit die aktive Integration.
  • Konsequenterweise ist für die meisten Personen eine Rückkehr keine realistische Option. Die Menschen sehen ihre Zukunft in der näheren Umgebung und die politisch Handelnden sollten sich auf die entsprechenden Aufgaben vorbereiten.

Der ausführliche Bericht des Forschungsprojektes ist hier erhältlich.

Mikrosimulation

MikroSim DFG FOR 2559

MikroSim DFG FOR 2559

„Sektorenübergreifendes kleinräumiges Mikrosimulationsmodell“ (MikroSim)

In der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsgruppe FOR 2559 „Sektorenübergreifendes kleinräumiges Mikrosimulationsmodell“ (MikroSim) wird ein Mikrosimulationsmodell der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland auf der Ebene von Personen und Haushalten entwickelt. Dieses Projekt wird von Arbeitsgruppen an der Universität Trier und der Universität Duisburg-Essen in enger Kooperation mit dem Statistischen Bundesamt durchgeführt.

Zu den Kernaufgaben gehört die Fortschreibung des Ausgangsdatensatzes. Die Simulation erfolgt mithilfe geschätzter Übergangswahrscheinlichkeiten zwischen den zeitlich veränderten Zuständen der simulierten Personen und Haushalte. Diese Übergangswahrscheinlichkeiten werden durch inhaltliche Modelle, z.B. Pflegebedürftigkeit, Fertilität usw., auf Basis der Längsschnittdatensätze der empirischen Sozialforschung und amtlichen Statistik geschätzt.

Die Ziele des Projektes liegen langfristig in der Bereitstellung von Beurteilungsgrundlagen für die Wahl zwischen verschiedenen sozialpolitischen Handlungsoptionen. Ein weiteres Ziel besteht in der Beurteilung und Verbesserung individueller Verhaltensprognosen auf der Grundlage sozialwissenschaftlicher Handlungstheorien.

In der ersten Phase des Projektes wird zunächst der Einfluss des demographischen Wandels auf die Pflegeversorgung sowie die berufliche Integration von Personen mit Migrationshintergrund untersucht. In der zweiten Projektphase wird das Modell um Arbeitsmarkt- und Morbiditätsprozesse erweitert. In dieser Arbeitsphase ist außerdem die Einbeziehung weiterer relevanter Disziplinen vorgesehen. Mit MikroSim wird eine Simulationsinfrastruktur geschaffen, die leicht um neue Simulationsmodule ergänzt werden kann und so neue Forschungskooperationen fördert.