UnTIL. Universität Trier Intrapreneurship Lab. Soziales Unternehmertum für die Region

Hintergrund

Die Hightech-Strategie der Bundesregierung betont neben technischen Innovationen die große Bedeutung sozialer Innovationen für den Hightech-Standort Deutschland. Für die Bearbeitung der genannten Zukunftsaufgaben sind neue Geschäftsmodelle und Lösungsansätze ebenso erforderlich wie die Unterstützung für Gründungen, gerade auch in der sozialen Dienstleistungsbranche. Das Labor UnTIL ist eine unmittelbare Reaktion auf diese politischen Intentionen und gesellschaftlichen Herausforderungen.

Als soziale Innovation werden neue Produkte, Dienstleistungen oder Handlungsmodelle bezeichnet, die darauf zielen, neu entstandene oder bisher vernachlässigte gesellschaftliche Bedarfe zu decken. Dies geschieht u.a. durch die Nutzung und Neukombination vorhandener, bisher ungenutzter materieller und menschlicher Ressourcen. Studien zu sozialen Innovationen in Europa und zu regionalen sozialen Innovationsnetzwerken haben gezeigt, dass zivilgesellschaftliche Akteure wie Nonprofit-Organisationen eine besonders wichtige Rolle für die Hervorbringung, Entwicklung und Verbreitung sozialer Innovationen innehaben. In der letzten Dekade haben sich Social Innovation Labs als Förderansätze für soziale Innovationen etabliert.

Methodisches Vorgehen in den Workshops

Gängigen betrieblichen Bildungsmanagement-Modellen folgend, wird im Labor auf eine Kombination aus formal organisiertem Lernen und informellem Lernen gesetzt, in der Experten-Inputs ebenso vorkommen, wie die gezielte Förderung selbstorganisierter Lernprozesse in kleinen Teams. Das Labor ermöglicht so die Co-Creation zwischen Wissenschaft, Unternehmenspraxis und Nutzern. Dabei stehen zunächst das Einbeziehen der Perspektive der NutzerInnen und die Ermöglichung von Exploration kreativer Lösungen und das Testen dieser Lösungsansätze im Vordergrund. Im weiteren Verlauf soll methodisch die Nachhaltigkeit der Lösungsvorschläge unterstützt werden.

Für jeden Workshoptag im Labor erhalten die TeilnehmerInnen einen umsetzungsorientierten Input durch Experten und einen konkret formulierten Arbeitsauftrag für die folgende Arbeitsphase. Die Arbeitsphasen orientieren sich am Konzept des „Design Thinking“ des Hasso-Plattner-Instituts. Für die Entwicklung der Geschäftsmodelle wurde das Konzept der „Business Modell Canvas (BMC)“ nach Osterwalder und Pigneur (2011) für soziale Dienstleistungen angepasst, welches dazu anregt, ein Geschäftsmodell anhand von neun grundlegenden Bausteinen zu beschreiben, die die vier wichtigsten Bereiche eines Unternehmens abdecken und in Beziehung zueinander stehen: Kunden, Angebot, Infrastruktur und finanzielle Überlebensfähigkeit.

UnTIL: Förderung sozialer Innovationen

Während sich existierende Social Innovation Labs überwiegend an GründerInnen richten, zielt UnTIL auf die methodische Weiterentwicklung von Social Innovation Lab-Konzepten mit Fokus auf Intrapreneurship. Das Angebot richtet sich daher an MitarbeiterInnen in bestehenden Sozialunternehmen. Eine zweite Besonderheit ist die Schnittstelle zwischen gemeinnütziger Sozialwirtschaft und Universität, während die Mehrzahl existierender Labore die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft oder öffentlicher Verwaltung und Wissenschaft stärken.

UnTIL erprobt und untersucht Methoden der Unterstützung unternehmerischen Lernens für MitarbeiterInnen gemeinnütziger Sozialunternehmen und Wohlfahrtsverbände. Auf diese Weise sollen zwei Wirkungen erzielt werden: Erstens werden durch den Wissensaustausch zwischen Wissenschaft und Praxis im Labor gemeinsam Geschäftsmodelle für innovative soziale Dienstleistungen entwickelt. Diese sind zunächst relevant für die regionalen Partner und entfalten mittelfristig Bedeutung für die regionale Sozialwirtschaft und Gesellschaft. Zweitens entstehen Forschungsergebnisse über Methoden der Innovationsförderung durch Innovationslabore, die anschließend aufgrund ihrer allgemeinen Bedeutung und in Hinblick auf ihre europäische Vergleichbarkeit weiterverwendet werden. Diese Ergebnisse werden gemeinsam mit den Partnern der Region erarbeitet und publiziert.