Methoden und beteiligte Labore im Forschungsschwerpunkt

Psychophysiologie

Die ► Abteilung für Klinische Psychophysiologie verfügt über mehrere psychophysiologische Labore. Das Methodenspektrum umfasst EEG, Herzkreislaufmessungen wie HRV und Baroreflexsensitivität, Pupillometrie, affektive und viszeral-afferente Modulation von Startle, Prepulse Inhibition, Lidschlagkondotionierung, faziale Infrarot- und Durchblutungsmessungen, Auslösung von Stress via Kaltwassertest (cold pressor test), mentale Belastungstests (choice reaction time, PASAT) oder Handgrip sowie pharmakologische (p.o. oder i.v.) Interventionen zu Stress und physiologischer Erregung (Adrenalin, Yohimbin, Cortisol, Metyrapon, u.a.). Fokus der Abteilung ist die Stressforschung.

Das JuKi Lab (► Klinisch-psychophysiologisches Labor für Kinder und Jugendliche) der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters (Leitung: Prof. Dr. Tanja Hechler) ist spezialisiert auf eine altersgerechte psychophysiologische Erhebung von Kindern und Jugendlichen in grundlagen- und anwendungsorientierten Studien. Das Methodenspektrum beinhaltet neben verschiedenen Elektromyogrammen (EMGs) auch die Erfassung von Atmung, Elektrokardiogramm (EKG, damit verbunden auch Herzratenvariabilität (HRV)), Elektrodermale Aktivität (EDA), Blutdruck (BP) und der Bewegung der Probanden. Hervorzuheben ist die Möglichkeit der Erfassung des Schreckreflexes (startle) des Kindes im JuKi Lab. Hierbei wird mithilfe eines weißen Rauschens (50 ms mit 95 dB (A)) ein Lidschlussreflex des Augenmuskels (orbicularis oculi) provoziert, gemessen und analysiert. Die Modulierung des Schreckreflexes lässt einen Rückschluss auf den Grad der Aktivierung des Defensivsystems zu.

EEG/ EKP

In den EEG-Laboren der Abteilungen ► Allgemeine Psychologie und Methodenlehre und der Juniorprofessur von Prof. Dr. Kamp können elektrophysiologische Grundlagen von Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprozessen und deren Modulation durch akuten Stress untersucht werden.

Psychophysiologische Maße (z.B. Ereigniskorrelierte Potentiale, Gehirnoszillationen, Blickbewegungen, Pupillenweiten) können in verschiedenen experimentellen Paradigmen der Aufmerksamkeits- und Gedächtnisforschung untersucht und mit Effekten akuter Stressinduktion korreliert werden.

In psychophysiologischen Studien können zeitlich hochaufgelöste (z.B. Ereigniskorrelierte Potentiale) und dynamische Effekte (z.B. Gehirnoszillationen) von akuter Stressinduktion auf Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprozesse im menschlichen Gehirn untersucht werden.

tDCS

In der ► Abteilung Allgemeine Psychologie und Methodenlehre können mit der non-invasiven Methode der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) Einflüsse von neuronalen Modulationen auf kognitive und stressrelatierte Prozesse im Gehirn untersucht werden. Dabei wird über auf der Kopfhaut angebrachten Elektroden Gleichstrom appliziert, welcher die kortikale Erregbarkeit der stimulierten Gehirnregionen moduliert. Das Labor ist mit einem 4-Kanal DC-Stimulator (Version MC) der Firma NeuroConn ausgestattet. Dieser ist als medizinisches Produkt in Deutschland zugelassen.

fNIRS

In der ► Abteilung Allgemeine Psychologie und Methodenlehre können kortikale Effekte von akutem Stress mit funktioneller Nah-Infrarot Spektroskopie (fNIRS) untersucht werden. Die fNIRS-Methode stellt eine nicht-invasive Methode dar, welche ähnlich wie die fMRT-Technik auf Analyse der BOLD-Antwort im Gehirn basiert. Über Differenzen von sauerstoffreichem und sauerstoffarmem Hämoglobin können die Beteiligung von kortikalen Gehirnregionen bei bestimmten kognitiven Prozessen aufgezeigt und die Modulation kortikaler Aktivität durch Stress untersucht werden. Die fNIRS-Methode kann mobil eingesetzt werden.

Ambulatory Assessment

Die Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters (Prof. Dr. Tanja Hechler) verfügt über ein mobiles Labor (► Mobi Lab), um grundlagen- und anwendungsorientierte Fragestellungen zum chronischen Schmerz, der Interozeption und emotionalen Prozessen bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen zu bearbeiten. Insbesondere für die Erhebung von Kleinkindern (4-6 Jahre), wird dabei das Ambulatory assessment, bestehend aus dem Varioport-e der Firma Becker Meditec, eingesetzt. Die mobile Erfassung ermöglicht es, die Kleinkinder an Orten zu erheben, die ihnen vertraut sind, z.B. im Kindergarten. Der Varioport-e, der mit seinen Maßen von 65 x 43 x 17 mm und mit einem Gewicht von 50 Gramm sehr leicht und klein ist, verfügt über vier AUX-Eingänge für externe Vorverstärker (EMG, EOG, Eyeblink etc.) bzw. Sensoren (Bewegung, Atmung, Fingerpuls, Hauttemperatur usw.). Aufgrund der Handlichkeit des Gerätes können auch Paradigmen, bei denen sich die Kinder bewegen müssen ohne Probleme durchgeführt werden.

Virtual Reality

Mit der Methode der virtuellen Realität (VR) eröffnen sich neue Perspektiven im Bereich der psychologischen Forschung. Als VR wird die Darstellung und Perzeption der Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit computergenerierten, interaktiven, virtuellen Umgebung bezeichnet. Ziel dieser VR Methode ist es, eine künstliche Umgebung zu schaffen, die die Illusion erzeugt tatsächlich in dieser Umgebung zu sein. Der oder die Benutzer können sich in dieser virtuellen Welt bewegen und mit ihr interagieren. Durch den Einsatz eines Head- Mounted-Display (HMD) wird auf einem LCD Bildschirm direkt vor den Augen der Versuchsperson der stereoskopische Eindruck einer computer-generierten virtuellen Umwelt vermittelt. In dieser virtuellen Welt können etwa Objekte berührt und verändert oder es kann mit virtuellen Personen (e.g., Avataren) interagiert werden. Vermittelt werden können so dreidimensionale realitätsnahe Erfahrungen bei gleichzeitig vollständiger experimenteller Kontrolle. Dabei werden visuelle, akustische, vestibuläre, oder auch taktile oder nozizeptive Sinneskanäle angesprochen. Durch den Einsatz eines HMD mit Trackingsensor kann die Blickrichtung und Bewegung des Betrachters innerhalb der 3D-Welt in Echtzeit umgesetzt werden. Zur Navigation und Interaktion werden zusätzliche Eingabegeräte verwendet. Anders als in herkömmlichen experimentellen Settings agiert die Versuchsperson innerhalb des Mediums und ihre Handlungen haben einen unmittelbaren Effekt.

Darüber hinaus können neben realitätsnahen Eindrücken auch solche verwirklicht werden, die für die Forschung hoch interessant sind, aber nur in einer VR existieren, wie beispielsweise sich in einem Raum voller Spinnen zu befinden oder einer Person zu begegnen, die physische Merkmale der eignen Person trägt.

Das VR-Labor des Faches Psychologie wurde von mehreren Abteilungen des Fachs Psychologie (Sozialpsychologie federführend; Allgemeine Psychologie und Methodenlehre, Allgemeine Psychologie: Kognition, Emotion, und Handlungsregulation, Entwicklungspsychologie, Wirtschaftspsychologie und dem Forschungsinstitut für Psychobiologie: Klinische Psychophysiologie) durch einen Großgeräteantrag bei der DFG eingeworben.

Gruppenlabor

Das Gruppenlabor der ► Abteilung Biologische und Klinische Psychologie bietet 18 PC-Testplätze für Gruppenuntersuchungen von sozialen Entscheidungs- und Interaktionsprozessen. Die variabel belegbaren Plätze sind auch zur Durchführung paralleler Einzelexperimente geeignet. Eine Kombination von spieltheoretisch basierten, verhaltensökonomischen Experimenten in Gruppen mit Methoden zur Stressinduktion und -messung, pharmakologischen und verhaltensgenetischen Methoden sowie psychophysiologischen Verfahren ist in diesem Setting grundsätzlich möglich.

Die Forschungsschwerpunkte liegen in der Untersuchung von pro- und antisozialem Verhalten, sozialer Aufmerksamkeit und sozialer Performanz. Untersucht werden Effekte verschiedener Hormonsysteme in Zusammenhang mit akutem psychosozialen Stress.

Biochemie/ Endokrinologie

Im Biochemischen Labor der ► Abteilung Biologische und Klinische Psychologie können über verschiedenste Verfahren Analyte aus Blut, Speichel und Urin sowie aus Zellkulturüberständen bestimmt werden.

Als Methoden stehen zur Verfügung: Zeitverzögerter Fluoreszenzimmunoassay (Dissociation-Enhanced Lanthanide Fluorescent Immunoassay (DELFIA), Lumineszenzimmunoassay (LIA), Enzyme-linked immunosorbent Assay (ELISA), High pressure liquid chromatography (HPLC)

Unter Verwendung dieser Messverfahren lassen sich zahlreiche Hormone, Enzyme und Immunparameter bestimmen, wie beispielsweise: Adrenocorticotrophes Hormon (ACTH), alpha-Amylase, Cortisol, Dehydroepiandosterone (DHEA bzw. DHEA-S), Ghrelin, Melatonin, Immunglobuline, Insulin, Interferone, Interleukine (IL-2, IL-6, …), Katecholamine, Leptin, Östradiol, Progesteron, Prolaktin, PYY, Testosteron, TNF und weitere.

Molekulargenetik

Das Molekulargenetische Labor der ► Abteilung für Verhaltensgenetik des Forschungsinsituts für Psychobiologie verfügt über eine moderne Ausstattung zur Durchführung von genetischen, epigenetischen und Genexpressions-Studien.

Die Palette reicht dabei von "klassischen" Genotypisierungen mittels RFLPs und Gelelektrophorese bis hin zu Schmelzkurvenanalysen auf einem PikoReal™ 96 Real-Time PCR System im Rahmen von Fall-Kontroll-Assoziationsstudien. Quantitative PCRs (Real-Time PCR) sowie automatisierte Sequenzierungen und Fragmentlängenbestimmungen mit dem Beckman Coulter Genetic Analyzer CEQ-8000 sind im Labor etabliert. Chip-basierte Genotypisierungen und Exome-Sequenzierungen, bei denen sehr große Datenmengen generiert werden, können in Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern durchgeführt und ausgewertet werden. Zur Bestimmung kleinster Mengen von DNA und RNA verfügt das Labor über ein Picodrop Microliter UV/Vis Spectrophotometer. Für Klonierungen und die Propagation von Plasmiden in Escherichia coli-Bakterien im Rahmen von funktionalen Genanalysen besitzt das Labor den S1-Sicherheitsstatus. Ein Luminometer zur Durchführung von Reportergenanalysen, wie etwa Luciferase-Assays zur Bestimmung der Funktionalität von genetischen Promotorvarianten, steht ebenfalls zur Verfügung.