Nachruf für Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Wieling

Am 12. Februar 2018 verstarb Prof. em. Dr. Dr. h.c. Hans Wieling im 83. Lebensjahr. Er gehörte dem Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Trier über vierzig Jahre lang als Professor für Römisches Recht, Bürgerliches Recht und Privatrechtsgeschichte der Neuzeit an.

Hans Wieling wurde 1935 in Essen geboren. Dort machte er 1957 am Staatlichen Burggymnasium Abitur. Er studierte Rechtswissenschaften in Münster und legte die juristischen Staatsexamina in den Jahren 1961 und 1966 ab.

Bereits während des juristischen Vorbereitungsdienstes arbeitete Wieling an seiner Dissertation über „Interesse und Privatstrafe vom Mittealter bis zum Bürgerlichen Gesetzbuch“. Aufgrund dieser Abhandlung, die 1970 als Buch erschien, wurde er 1967 an der Universität Münster promoviert. Nach der Promotion war Wieling Assistent bei Knut Wolfgang Nörr in Bonn und anschließend bei Dieter Nörr in Münster und ab 1970 am Leopold-Wenger-Institut in München. 1971 wurde Wieling an der Universität München aufgrund seiner Schrift zur „Testamentsauslegung im römischen Recht“ (erschienen 1972) habilitiert.

Nach einer Tätigkeit als Hochschuldozent in München wurde Hans Wieling 1977 an den wenige Jahre zuvor (wieder) gegründeten juristischen Fachbereich der Universität Trier berufen. Von 1988 bis 2000 war Wieling im zweiten Hauptamt Richter am Oberlandesgericht Koblenz. 2004 wurde er emeritiert.

Im wissenschaftlichen Œuvre von Hans Wieling stehen das Römische Recht und das moderne Bürgerliche Recht gleichrangig nebeneinander. In zahlreichen Beiträgen macht er die historische Perspektive fruchtbar für die Dogmatik des heutigen Privatrechts. Unter den Publikationen zum antiken Recht sind die Forschungen zur antiken Sklaverei und zu Recht und Gesetzgebung in der Spätantike besonders hervorzuheben. Im Bürgerlichen Recht galt Wielings Interesse besonders dem Bereicherungsrecht und dem Sachenrecht. Aus seiner Feder stammt ein monumentales Handbuch des Mobiliarsachenrechts (in zweiter Auflage 2006 erschienen). Den geplanten zweiten Teil zum Recht der unbeweglichen Sachen hat Wieling leider nicht mehr vollenden können. Das ganze Sachenrecht hat Wieling jedoch in einem kürzen Lehrbuch behandelt, das zuletzt in fünfter Auflage 2007 erschien und neben einer großen Zahl weiterer didaktischer Veröffentlichungen steht.

Hans Wieling pflegte einen intensiven Austausch und enge Freundschaften mit zahlreichen Gelehrten aus dem In- und Ausland. Die Universität Miskolc verlieh ihm im Jahr 1994 die Ehrendoktorwürde.

Der juristische Fachbereich der Universität Trier verliert mit Hans Wieling eines seiner renommiertesten Mitglieder und einen Angehörigen der Gründergeneration, die den Fachbereich geprägt hat. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Literaturverzeichnis

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