Forschungsdesign
Wir arbeiten mit einem Multi-Methods-Ansatz in der Annahme, dass die Einrichtung einer “smartphonefreien Klasse” durch verschiedene Motive und Faktoren bedingt ist und die Nutzung bzw. Nicht-Nutzung von Smartphones ebenfalls mit einer Vielzahl von Aspekten verbunden ist. Es geht nicht nur um das technische Gerät (Smartphone), sondern um das, was die Kinder vor allem außerhalb der Schule damit machen z.B. chatten, spielen, sich verabreden, Videos ansehen oder Informationen suchen. Und was machen die Kinder ohne Smartphone in diesen Zeiten? Und wie beeinflusst all das das Wohlbefinden der Kinder in der Schule und ihr Lernen?
Diese unterschiedlichen Aspekte lassen sich nicht in einem linearen Kausalmodell abbilden. Unser Ansatz ist stattdessen, explorativ zu arbeiten und insbesondere die von Lehrer:innen und Eltern/Sorgeberechtigten erwarteten Effekte der Smartphonenutzung zu erforschen, die sie mit der Einführung der Maßnahme verbinden:
- Können sich Kinder ohne/mit Smartphones besser konzentrieren oder lassen sie sich schneller ablenken?
- Entwickeln die Schüler:innen in den Klassen ohne/mit Smartphones einen anderen sozialen Umgang miteinander (z.B. beim Einhalten der Klassenregeln, mit Blick auf Mobbing, beim gemeinsamen Lernen)?
- Entwickeln sich Kinder ohne/mit Smartphones gleich gut, wenn es um körperliche Bewegung geht: Kraft, Ausdauer, Koordination?
- Investieren Kinder ohne/mit Smartphones gleich viel Zeit in die Erledigung von Hausaufgaben?
- Ist die Schlafdauer und Schlafqualität von Kindern mit/ohne Smartphones unterschiedlich?
- Entwickeln sich Schüler:innen ohne/mit Smartphones unterschiedlich, wenn es um Kompetenzen des informatischen Denkens und des souveränen Umgangs mit digitalen Medien geht?
Um zu diesen Fragen geeignete Daten erheben zu können, nutzen wir digitale Umfragen, verschiedene Tests mit und ohne Papier und Bleistift sowie Gruppendiskussionen. Wichtige Daten für uns sind Selbstauskünfte der Schüler:innen (zum Beispiel: wie sehr sie sich auf die Schule freuen oder wann sie schlafen gehen) und standardisierte Messungen (zum Beispiel der Deutsche Sportmotoriktest oder der Konzentrations- und Aufmerksamkeitstest d2-R).
Im Ergebnis entsteht ein Mosaik unterschiedlicher Befunde, das einerseits Eltern/Sorgeberechtigten und Lehrer:innen vor Ort hilft, ihre Entscheidungen zur smartphonefreien Klasse und zur digitalen Mediennutzung ihrer Kinder allgemein zu reflektieren; andererseits geben diese Befunde Hinweise auf zukünftige Forschungen, um sie zu erweitern, zu vertiefen und zu konsolidieren. Das Ziel ist nicht zuletzt, dass auch andere Schulen von diesen Modellprojekten lernen können.
