Trier ist für keltologische Studien ein bestens geeigneter Ort, da er inmitten eines reichen archäologischen Denkmälerbestands der Hunsrück-Eifel- und der Latène-Kultur (7.–1. Jh. v. Chr.) und der römischen Zeit (1. Jh. v. Chr. – 5. Jh. n. Chr.) liegt. Das Gebiet der Treverer hat auch während des Gallischen Krieges (58–51 v. Chr.) eine wichtige Rolle gespielt. Und noch im frühen Mittelalter waren irische Schreiber am Skriptorium in Echternach tätig. Im Gebiet zwischen Hunsrück und Eifel gibt es Ortsnamen keltischer Herkunft in einer Anzahl und Dichte, wie man sie sonst kaum findet.

Gallisch im 4. Jahrhundert n. Chr. in Trier

St. Hieronymus von Domenico Ghirlandaio (1449-1494)

Es gibt auch Überlieferungen, die nahelegen, dass noch bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. eine keltische Sprache in der Region beheimatet war. Nach dem berühmten Zeugnis des Kirchenvaters Hieronymus (347–420) wurde zu der Zeit, als er sich selbst in Trier aufhielt, noch Gallisch gesprochen. Für ihn ist dieses Festhalten am Althergebrachten zwar nur eine “überlebte Einfalt” (antiqua stultitia), doch stellt er auch fest, dass die Galater, die er ebenfalls aus eigener Anschauung kannte, “fast dieselbe eigene Sprache haben wie die Treverer” (Galatas … propriam linguam eamdem pene habere quam Treviros, Commentariorum in Epistolam ad Galatas 357A, ed. Migne, Patrologia Latina, Bd. 26). Siehe dazu: T. Meißner, "Das Hieronymuszeugnis und der Tod des Gallischen", Zeitschrift für celtische Philologie 57 (2009/10), 107-112.

Texte aus Irland in Trier

Die Handschrift 137 der Stadtbibliothek Trier enthält das einzige aus Irland (oder einem irischen Kloster auf dem Kontinent) stammende Fragment einer in Irland entstandenen Sammlung des kanonischen Rechts aus dem 8. Jahrhundert, der Collectio Canonum Hibernensis. Diese Zusammenstellung war über ganz Westeuropa verbreitet und gilt als eine der bedeutendsten kirchenrechtlichen Sammlungen des frühen Mittelalters.

Die Hibernensis wurde um 735 von Rubin von Dairninis und Cú Chuimne von Iona zusammengestellt. Ihre Absicht war, mit einer übersichtlichen Zusammenstellung der Gefahr unterschiedlicher Auslegungen der kirchenrechtlichen Bestimmungen zu begegnen und möglichen Konflikten vorzubeugen. Eine ausführliche Analyse des Textes hat David Howlett ("The Prologue to the Collectio Canonum Hibernensis"Peritia 17/18 [2003/04]: 144-149) vorgelegt.

Das Trierer Fragment ist eine Kopie des 8. Jahrhunderts. Allerdings wurde das Pergament im 11. Jahrhundert für einen Text aus dem Gottesstaat (De civitate Dei) des Augustinus wieder verwendet. Der ursprüngliche Text ist auf der Abbildung unten noch ansatzweise zu erkennen.

Stadtbibliothek Trier, Handschrift 137, Fol. 56
Stadtbibliothek Trier, Handschrift 137, Fol. 56 (Collectio Canonum Hibernensis, 8. Jh., aus Irland oder einem irischen Kloster auf dem Kontinent) (zum Vergrößern anklicken)