„Quellen zur Geschichte der Stadt Trier in der Frühen Preußenzeit (1815-1850)“

Herausgeber: Jort Blazejewski, Stephan Laux, Nina Schweisthal

Kurzbeschreibung

Die Sammlung von 250 Text- und 5 Bildquellen zur Trierer Stadtgeschichte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Buchform richtet sich in Quellenauswahl und -wiedergabe an ein breites Publikum. In erster Linie bietet sich die Publikation zur Nutzung im schulischen und universitären Unterricht an. Sie reagiert dabei auf den großen Mangel an qualifizierten stadt- wie regionalgeschichtlichen Materialien für den Schulunterricht. Auch in der universitären Lehre vermisst man bislang ein kompendiöses Quellenwerk, durch das Studierende an die jüngere Geschichte der Stadt herangeführt werden können. Dies erscheint dringend erforderlich, denn das historische Gedächtnis Triers ist recht einseitig auf die Reminiszenz an seine römischen Altertümer und mittelalterlichen Sakralbauten fixiert. In diesem Spektrum liegen bis heute auch die Forschungsschwerpunkte. Der schwierige Übergang der Stadt in die Moderne ist dagegen ungeachtet der Verdienste früherer wie aktueller Verfasser vernachlässigt worden. Die Zeit von Pauperismus und „Weinkrise“, von Auswanderung aus Stadt und Region, von „Kirchenkampf“ und Revolution sowie den bescheidenen Anfängen der Industrialisierung in Trier ist im allgemeinen Bewusstsein viel weniger präsent, obwohl sie in den archivischen Quellen sehr gut dokumentiert ist.

Konstantinbasilika Trier, Einweihungszeremoniell und Empfang des Königs von Preußen durch die evangelische Geistlichkeit (1856); Beck, Holzstich um 1880 / Rechte: Wiki Commons

Ausführlichere Projektbeschreibung

Die Edition konzentriert sich auf die Stadt Trier im Zeitraum von 1814/1815 bis 1850 und damit auf die Frühphase der preußischen Herrschaft in den linksrheinischen Gebieten zwischen Kleve und Saarbrücken seit dem Wiener Kongress. In diesen Jahrzehnten vollzog die Moselstadt einen umfassenden Wandel, der allerdings nicht erst 1815 begann. Seine Anfänge genommen hatte er vielmehr in der seit August 1794 etablierten französischen Herrschaft über Stadt und Region. Gegenüber der kurfürstlichen Zeit erfuhren die Trierer von diesem Zeitpunkt an die denkbar größten Veränderungen. Nach dem endgültigen Sieg über Napoleon im Juni 1815 wurde dieser spezifisch revolutionären Modernisierung nach 20 Jahren ein Ende bereitet. Seine Fortsetzung nahm sie unter der Herrschaft der preußischen Könige in einer für das 19. Jahrhundert eigentümlichen Verbindung restaurativer und fortschrittlicher Leitvorstellungen. Die Quellenedition eröffnet einen umfassenden Blick auf die Stadtgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts, indem Themen wie Verwaltung, Kommunalrecht und politische Repräsentation ebenso wie Konfessionalität, Religiosität und institutionelle Kirchlichkeit beleuchtet werden. Auch die Topographie, das bauliche Erscheinungsbild der Stadt und ihre Erweiterungen werden behandelt, bürgerlicher Wohlstand und Lebensstil gleichermaßen wie die damals charakteristische Prekarisierung weiter Bevölkerungskreise. Der Schwerpunkt der Quellenauswahl liegt auf der Darstellung des gesellschaftlichen wie sozialpolitischen Klimas der damaligen Zeit, das nicht nur Karl Marx – auch über seinen Weggang aus Trier 1835 hinaus – zu einer Auseinandersetzung mit sozialökonomischen Fragen aus eigener Anschauung anregte. Allen voran soll damit das von der älteren Landesgeschichtsschreibung gezeichnete Bild „einer recht beschaulich dahinlebenden Stadt, die von den großen Aufregungen der Zeit unberührt blieb“ (dagegen Herres 1998: 13), korrigiert werden. Die Edition entsteht als Kooperationsprojekt insbesondere mit Stadtbibliothek und -archiv Trier und erscheint in der Schriftenreihe „Publikationen aus dem Stadtarchiv Trier“ erscheinen. Die Arbeiten an der Professur für Geschichtliche Landeskunde wurden im August 2015 aufgenommen und werden durch Zuwendungen der Nikolaus Koch Stiftung und des Freundeskreis Trierer Universität e.V. gefördert und durch das Forschungszentrum Europa an der Universität Trier unterstützt. Die Edition steht unmittelbar vor der Fertigstellung und wird im April 2018 druckfertig sein, so dass sie zum Beginn der Karl-Marx-Ausstellung 2018 als themenbegleitende Publikation vorliegen wird.

Aktueller Projektflyer (pdf)

Orientierende Literatur

Düwell, Kurt / Irsigler, Franz (Hgg.): 2000 Jahre Trier. Band III. Trier in der Neuzeit, Trier 1988.

Herres, Jürgen: Einleitung, in: Elisabeth Dühr (Hg.): ‚Der schlimmste Punkt in der Provinz‘. Demokratische Revolution 1848/49 in Trier und Umgebung, Trier 1998, S. 13-30.

Zenz, Emil: Geschichte der Stadt Trier im 19. Jahrhundert. Band 1. Vom Beginn der französischen Herrschaft bis zum Ende der Revolution von 1848 (1794-1850), Trier 1979.

Kontakt

Prof. Dr. Stephan Laux

Universität Trier, Fachbereich III

Geschichtliche Landeskunde

+49 (0) 651/ 201-3179

lauxst@uni-trier.de